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Angeklagter bestreitet Entführung einer Frau ins Elsass

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dpa/lsw
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08. Juni 2020
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©Polizei Aalen

Was denn jetzt? Eine Entführung, kaltblütig geplant und brutal durchzogen? Oder ein Missverständnis, eine Kurzschlussreaktion? Die Aussage eines mutmaßlichen Kidnappers hat vor dem Stuttgarter Gericht überrascht. Ob sie auch überzeugt hat, steht auf einem anderen Blatt.

Ungläubiges Staunen. Auf der Richterbank, beim Staatsanwalt und auch bei den wenigen Zuschauern im Saal. Denn die mit Spannung erwartete Aussage des mutmaßlichen Entführers auf der Stuttgarter Anklagebank passt so überhaupt nicht zu den Schilderungen, die er bei früheren Vernehmungen gemacht hat, und auch nicht zu den Vorwürfen der Anklagebehörde.

Während diese ihm vorwirft, seine Partnerin mit einem Komplizen acht Tage lang aus dem Rems-Murr-Kreis bis ins Elsass entführt zu haben, sagte der 52-Jährige aus Polen am Montag im Prozess vor dem Landgericht, seine mutmaßliche Geisel sei zwar zunächst gegen ihren Willen festgehalten worden. Sie sei aber freiwillig bei den beiden Angeklagten geblieben und habe trotz ihrer Verletzungen mit ihnen im Wald übernachtet. 

Der in Polen lebende Mann hatte die in Deutschland arbeitende Frau und Mutter gemeinsamer Kinder nach eigener Aussage im vergangenen Juni in Aspach (Rems-Murr-Kreis) wegen einer Affäre zur Rede gestellt. Als die damals 47-Jährige angefangen habe zu schreien, habe er sie gemeinsam mit seinem jüngeren Begleiter in einer Kurzschlussreaktion zu Boden gerissen und gefesselt. Man habe lediglich rund um Aspach fahren wollen, damit sich die Frau beruhige, um sie danach wieder zurück nach Hause zu bringen.

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Aus Versehen und trotz eines Navigationsgeräts sei das Trio aber mehr als 120 Kilometer entfernt im Elsass gelandet, sagte der Angeklagte. Dort habe sich das Wohnmobil auf einem matschigen Weg festgefahren. Daher habe die kleine Gruppe schließlich versucht, zu Fuß durch den Wald, an Gleisen und Straßen entlang zurück nach Aspach zu finden. 

»Unser Ziel war immer, sie nach Aspach zurückzubringen. Wir hatten kein anderes Ziel«, beteuerte der 52-Jährige. Niemand habe ihr gedroht, »weder früher noch später«. Er habe die Frau stets wissen lassen, dass sie gehen könne, wenn sie wolle, sagte der Mann auf Polnisch. Kabelbinder, Klebeband und Zelte, Messer und Elektroschocker habe er aus anderen Gründen im Camper mit dabei gehabt.

Das sieht die Staatsanwaltschaft ganz anders. Nach ihrer Überzeugung wollte sich die ebenfalls polnische Lebensgefährtin von ihrem Partner trennen. Der Mann habe daraufhin aus Liebeskummer oder Rache seinen 24 Jahre alten Komplizen und Mitangeklagten überredet, die Frau in ihrer Arbeitspause in Aspach zu überwältigen und ins Elsass zu verschleppen. Die Tat sei detailliert geplant gewesen, hatte die Staatsanwaltschaft den Männern zum Prozessauftakt vorgeworfen. Erst nach acht Tagen sei das Opfer nach Zeugenhinweisen im Elsass aufgespürt und befreit worden.

Die Frau leidet nach Angaben der Staatsanwaltschaft nach wie vor unter starken Angstzuständen. Der Prozess ist bis mindestens Ende Juli geplant.

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