Coronavirus in Baden-Württemberg

Touri-Hochburgen fürchten Besuchermassen

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red/dpa/lsw
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03. April 2020
Der Bodensee gehört in Baden-Württemberg zu einem beliebten Ausflugsziel.

Der Bodensee gehört in Baden-Württemberg zu einem beliebten Ausflugsziel. ©Foto: dpa/Felix Kästle

Baden-Württemberg ist ein Reiseland. Und an Ostern würde vielerorts eigentlich die Saison beginnen - wenn das Coronavirus nicht wäre. Der Tourismusminister und die Touri-Hochburgen warnen stattdessen vor Ausflügen.

Stuttgart - Für die Bürgermeister der Tourismus-Hochburgen des Landes ist das angekündigte Sonnen-Wochenende ausnahmsweise mal kein Grund zur Freude - im Gegenteil. Auch in ihrem Namen warnt der baden-württembergische Tourismusminister Guido Wolf davor, die bekannten Ausflugsorte und Wanderwege am Samstag und Sonntag zu besuchen. „Ich kann angesichts der Corona-Pandemie nur davor warnen, solche Orte an diesem Wochenende aufzusuchen“, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. „Die Zeit, in der wir in Baden-Württemberg zu Höhlen wandern, am Wasser spazieren und beliebte Aussichten genießen, wird wiederkommen.“ In den kommenden Tagen sei dies aber „schlicht nicht angebracht“.

Grundsätzlich ist der Aufenthalt an der frischen Luft im Südwesten nicht untersagt, solange Familien oder höchstens zwei Menschen zusammen unterwegs sind. Zu allen anderen Personen muss ein Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 Meter eingehalten werden. Aber ist es auch okay, aus dem Norden an den Bodensee zu reisen, um dort zu segeln? Kann man ein paar Tage in das eigene Ferienhäuschen im Schwarzwald fahren? Rechtlich sei das zwar alles erlaubt, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Freitag. „Aber nicht alles, was rechtlich möglich ist, ist angesichts der ernsten Situation, in der wir gerade sind, auch angebracht. Wir appellieren an die Menschen, sich nur in ihrem Umfeld aufzuhalten.“

Freizeiteinrichtungen gesperrt

Die Tourismusbranche im Schwarzwald und unter anderem die Gemeinde Bad Wildbad im Nordschwarzwald (Kreis Calw) riefen ebenfalls dazu auf, bekannte Ausflugsziele und touristische Anziehungspunkte zu meiden. Freizeiteinrichtungen sind wegen des Coronavirus gesperrt oder geschlossen. Menschenansammlungen sollen so vermieden werden. Zum Ausgleich im Freien könnten Wanderungen und Spaziergänge alleine, zu zweit oder mit der Familie dienen, sagte ein Sprecher des Hochschwarzwald-Tourismus in Hinterzarten bei Freiburg. Dafür sollten jedoch einsame Wege gesucht werden.

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Um einem möglichen Ansturm entgegenzuwirken, ergreifen viele Touristen-Hochburgen auch Gegenmaßnahmen. An einem der meistbesuchten Orte des Landes, dem Bad Uracher Wasserfall, wird die Zahl der Parkplätze wegen des hohen Andrangs verkleinert, um Besucherströme zu entzerren. Die Polizei werde auf den Wanderwegen kontrollieren, größere Wandergruppen auflösen und auch anzeigen, warnte Bürgermeister Elmar Rebmann. Eine komplette Sperrung des Wasserfalls sei die allerletzte Option.

Die Stadt Überlingen am Bodensee sperrt bis zum 20. April die Uferpromenade an den Wochenenden und an Feiertagen, um zu verhindern, dass dort zu viele Menschen auf einmal unterwegs sind. Man rechne mit Blick auf das frühlingshafte Wetter mit einem weiteren Ansturm auf das Tourismusziel Bodensee, hieß es bei der Kommune.

„Wenig solidarisch“

Auch der Geschäftsführer der Internationalen Bodensee Tourismus GmbH, Jürgen Ammann, rief dazu auf, sich auf das Minimum zu beschränken. „Die Empfehlungen sind nicht umsonst da“, sagte er am Freitag. Zwar sei ein Spaziergang gut, damit einem zu Hause nicht die Decke auf den Kopf falle. „Aber einen Ausflug zu machen, halte ich für daneben und wenig solidarisch.“ Die Tourismusbranche am Bodensee leide allerdings massiv unter der Corona-Krise. „Sie ist quasi zum Stillstand gekommen. Wir hoffen alle, die Zeit gut durchstehen zu können und dass es dann langsam wieder losgeht.“ Viele Betriebe seien mit Lieferservice oder virtuellen Touren kreativ geworden. Allerdings gelte auch: „Das Bett, das heute nicht belegt ist, kann ich später nicht zehn- oder hundertfach belegen.“

Die von der Corona-Krise schwer gebeutelte Tourismusbranche im Südwesten kann aber zumindest auf Förderungen durch das Land setzen. Minister Wolf gab am Freitag bekannt, dass die kommunale Tourismus-Infrastruktur in Baden-Württemberg mit mehr als zehn Millionen Euro unterstützt werde. 29 kommunale Projekte im Land erhielten die Gelder - dadurch würden Investitionen in Höhe von knapp 37,4 Millionen Euro angestoßen. „So knüppelhart die derzeitigen Tage für den Tourismus sind: Nach der Krise können sich auch Chancen ergeben“, sagte Wolf laut Mitteilung. „Das Reiseverhalten wird sich nach der Krise verändern. Ich bin zuversichtlich, dass die Bedeutung des Urlaubs in Deutschland und Baden-Württemberg zunehmen wird, weil die Menschen heimatnäher Urlaub machen wollen und gute Infrastruktur vor Ort ein noch wichtigeres Argument werden wird.“

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