Ellwangen

Prozess zu Gewalttat: "Mutter hat mich misshandelt"

Autor: 
red/dpa
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29. Juni 2020
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Der Angeklagte (rechts) soll seine Eltern, Halbgeschwister sowie seinen Onkel und seine Tante getötet haben. ©dpa

Zum Auftakt des Prozesses um die Gewalttat mit sechs Toten in Rot am See hat der Angeklagte ein leidvolles Bild seiner Kindheit gezeichnet.

Zum Verhältnis zu seiner Mutter sagte er am Montag: „Sie hat mich auch damals schon misshandelt, auch wenn ich das als Kind nicht verstanden habe.“

Er sei bis zum Ende der Grundschule Bettnässer gewesen und habe bis zum Alter von etwa 9 oder 10 Jahren Windeln getragen, gab der 27-Jährige an. Die Mutter habe ihn wegen seines Geschlechts verspottet. Die Mutter habe sich zudem gewünscht, dass er ein Mädchen sei und habe ihm weibliche Hormone verabreicht. Deshalb habe er sie getötet. „Das Rache-Motiv war vorherrschend“, sagte er.

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Tür abgeriegelt und Telefonate abgehört

Der Angeklagte hat vor der Tat nach eigenen Angaben in einem Zustand von Angst und Abschottung gelebt. So habe er die meiste Zeit in seinem Zimmer im Elternhaus verbracht und vor dem PC gesessen, sagte der 27-Jährige am Montag. Er habe dort Überwachungskameras installiert, stets seine Tür abgeriegelt und die Telefonate seiner Eltern abgehört – er wollte nach eigenen Angaben verhindern, dass seine Mutter ihn vergiftet. Zudem habe er nachts die Zimmertür mit einem schweren Balken und einer Infrarot-Alarmschranke gesichert, damit sie ihn nicht im Schlaf töte. „Ich habe allen Menschen um mich herum misstraut“, sagte er.

Mit 30 Schüssen soll der Mann im Januar bei einem Familientreffen im baden-württembergischen Rot am See (Kreis Schwäbisch Hall) sechs Verwandte – darunter seine Mutter – getötet und zwei weitere schwer verletzt haben. Unter den Opfern waren auch Menschen aus Lahr. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord und versuchten Mord vor. Die Tat hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt.

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