Partnerschaften mit der Ukraine

Städteehe unter Kriegsbedingungen

Hannes-C. Buchmann
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
07. Juni 2024
Palmer und sein ukrainischer Amtskollege Maletskyi bei der Vertragsunterschrift für die Solidaritätspartnerschaft.

Palmer und sein ukrainischer Amtskollege Maletskyi bei der Vertragsunterschrift für die Solidaritätspartnerschaft. ©Foto: StZN/Hannes-C. Buchmann

Unter dem Eindruck des Kriegsbeginns sind viele Städte in Baden-Württemberg Partnerschaften mit ukrainischen Städten eingegangen. Was ist daraus geworden?

Die Morgensonne ragt noch nicht ganz über das Gebäude der Tübinger Stadtwerke (swt) als die ukrainische Delegation zum Gruppenfoto antritt. Der Anlass ist die Übergabe eines VW-Transporters an die Partnerstadt Krementschuk. Die Tübinger Stadtwerke haben den VW-Transporter überholt und TÜV geprüft, bevor er in Zukunft logistische Aufgaben in der 220 000 Einwohner großen Stadt südlich von Kiew übernehmen kann, die regelmäßig russischen Raketenangriffen ausgesetzt ist. Krementschuks Oberbürgermeister Vitalii Maletskyi bedankt sich für die Spende und breitet für das gemeinsame Foto die ukrainische Flagge aus.

Die ukrainische Delegation bei der Übergabe eines VW-Transporters
Foto: swt/Melinz

Wie ist das Engagement in anderen Städten Baden-Württembergs?

In Baden-Württemberg haben seit Kriegsbeginn in der Ukraine 19 Kommunen am Förderprogramm für Solidaritätszuschüsse der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) teilgenommen. Dabei können sich Städte auf allgemeine Fördergelder bewerben, sowie projektbezogene Unterstützungen, die teilweise direkt vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) kommen, um mit ukrainischen Städten Partnerschaften aufzunehmen. Vor allem größere Städte nehmen für ihre Solidaritätspartnerschaften jedoch auch Finanzen aus der eigenen Kasse.

Seit dem 2. März 2023 besteht zwischen Stuttgart und Chmelnyzkyj eine Solidaritätspartnerschaft. Als erste Unterstützung brachte Stuttgart mit Hilfe des Gustav-Adolf-Werks 45 Kleingeneratoren in die Ukraine, Schulpartnerschaften wurden geschlossen und im Juli werden zehn ukrainische Einsatzkräfte auf Einladung der Feuerwehr Stuttgart zu Schulung nach Deutschland reisen. Zudem stehe eine Summe von 1,5 Millionen Euro für weitere Unterstützung der Solidaritätspartnerstadt bereit.

Ähnlich verhält es sich in anderen Partnerstädten in Baden-Württemberg. In Karlsruhe besteht seit April letzten Jahres ein Solidaritätsbündnis mit der Stadt Winnyzja, an die seither Wärmezelte mit Infrarotstrahlern, ein Feuerwehrfahrzeug, sowie drei Krankenwagen geliefert wurden. „Schon 113 Lastwagen haben wir mit dringend benötigten Gütern fahren lassen. Kleinbusse zählen wir dabei nicht“, sagt der Vorsitzende der Ukrainer Karlsruhe über die Spenden aus der Bevölkerung.

- Anzeige -

Mittlerweile mündete die Zusammenarbeit der Städte in eine offizielle Partnerstadtsbeziehung. Ebenso in Mannheim, die ihrer Partnerstadt Czernowitz innerhalb der letzten beiden Jahre zehn kommunale Fahrzeuge, etliche Generatoren, medizinisches Material und eine Million Euro Direkthilfe zusendeten.

Freiburg schon seit 34 Jahren mit der Ukraine verbunden

Deutlich weiter ist die Beziehung zwischen Freiburg und dessen Partnerstadt Lwiw. Anfang Mai war Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn (parteilos) auf Einladung von Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) in der Ukraine. Dort besuchte er neben Kiew auch die Lwiw. Die an der Grenze zu Polen gelegene 720 000 Einwohnerstadt ist bereits seit 1990 Partnerstadt von Freiburg. Dementsprechend sind die Unterstützungsleistungen hoch.

So hat Freiburg Klinikmaterial im Wert von drei Millionen Euro gespendet. Darunter waren medizinische Ausrüstung und Beatmungsgeräte für den Krankenhausbedarf, sowie Stromgeneratoren. Die materielle Hilfsleistung wurde mit 2,5 Millionen Euro vom Land Baden-Württemberg gefördert. Unter der Vermittlung Freiburgs wurde das Rehazentrum „unbroken“ für physisch und psychisch Verletzte in Lwiw mit zwölf Millionen Euro Fördergeld vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt.

Partnerschaft soll über den Krieg hinaus gehen

Im Tübingen ist die ukrainische Delegation derweil im Rathaus angekommen. Dort wird ein Vertrag mit großer symbolischer Bedeutung unterschrieben werden. Die seit 27 Jahren bestehende kulturelle Beziehung mit Krementschuk soll in eine offizielle Solidaritätspartnerschaft münden. Die Unterzeichnung soll die Ambitionen für die Zukunft unterstreichen. So spricht die SPD-Gemeinderätin Ingebörg Höhne-Mack bereits vom Wiederaufbau der Ukraine nach dem Krieg, wie einst durch die Alliierten in Deutschland.

Nähergebracht hat die beiden Städte ursprünglich der Austausch von Künstlern und Theatergruppen, der bis heute anhält. So waren zwei Künstlerinnen aus Krementschuk Teil der Delegation und durften in der örtlichen Kunsthalle einige Kunstwerke ausstellen. „Drei Tage sind wir die rund 2000 Kilometer mit Bus und Zug angereist, die Exponate hatten wir in Boxen dabei und in vier Tagen geht es dieselbe Route zurück“, berichtet die Malerin Tetjana Shuliak.

Dass eine Tübinger Delegation in die Ukraine reist, sei erst für die Zeit nach dem Krieg angedacht. Als Familienvater könne er nicht in eine Stadt reisen, die 260 Kilometer von der Front entfernt liegt, so OB Palmer. Neben all den Sachleistungen die dadurch in der Ukraine ankommen, möchte die Tübinger Gemeinderätin Höhne-Mack als nächsten umsetzbaren Schritt Online-Treffen von Schulklassen der jeweiligen Partnerstädte initiieren, „um die Kriegsrealität unseren Schülern näher zu bringen“. Irgendwann soll es auch klassische Schüleraustausche geben – nach dem Krieg.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Region

vor 21 Stunden
Region
In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch sind im Ortsgebiet von Iffezheim acht Diebstähle begangen worden. Die meist unverschlossenen Fahrzeuge wurden durchwühlt und verschiedene Gegenstände entwendet.
16.07.2024
Region
Zu einem tödlichen Unfall bei Rastatt ist es am Montag gekommen. Ein 82 Jahre alter Rollerfahrer überlebte den Zusammenstoß mit einem Renault-Fahrer nicht.
Die Rollerfahrerin wurde vier Meter weit über die Fahrbahn gezogen.
15.07.2024
Region
Auf der L85 in Richtung Schwarzach kam es zu einem Rollerunfall. Dabei verletzte sich die 70-jährige Fahrerin schwer.
15.07.2024
Region
Diese Bürgermeisterwahl hat Schlagzeilen gemacht: Weil der Sieger Wähler getäuscht haben soll, wurde sie annulliert. Doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Auch ein Strafprozess steht an.
Blick auf die Babyklappe Karlsruhe. Sie wurde im Juli 2001 eröffnet.
15.07.2024
Hilfe für Schwangere in Notlagen
Früher wurden Babys ausgesetzt oder gar getötet, wenn Frauen Schwangerschaften verheimlichen wollten. Heute gibt es andere Optionen, inkognito Kinder zur Welt zu bringen. Eine ist nun zehn Jahre alt.
Blick auf den Stuttgarter Hauptbahnhof: Städte fürchten, wegen einer neuen Rechtslage könnten künftig wichtige große Bauprojekte zum Stillstand kommen.
14.07.2024
Gesetzesänderung könnte Wohnbauprojekte stoppen
Wo einst Gleise lagen, sollen bald Wohnungen entstehen - doch eine Gesetzesänderung dürfte Bauvorhaben wie am Stuttgarter Hauptbahnhof fast unmöglich machen. Der Städtetag schlägt Alarm.
"Innerfamiliäre Tat": Drei Tote und zwei schwer Verletzte fand die Polizei bei einem Großeinsatz in Albstadt-Lautlingen auf der Schwäbischen Alb vor.⇒ Foto: Jannik Nölke
14.07.2024
Region
In einem Wohngebiet in Albstadt fallen Schüssen. Wenig später rückt ein Großaufgebot der Polizei an, darunter Spezialkräfte. Sie machen einen grausigen Fund. Das Motiv war zunächst noch unklar.
Der Archäologe Antonin Nüsslein (rechts) mit seinen Kollegen: "Die Wildschweine sind oft wertvolle Helfer." 
14.07.2024
Region
Beim Projekt "Silva Vosagus" untersuchen Archäologen die Nordvogesen. Es wurden Reste von uralten Landhäusern und Agrarflächen gefunden.
13.07.2024
Region
Hand aufs Herz: Können Sie die Namen von elsässischen Kommunen wie Voegtlinshoffen, Breuschwickersheim oder Souffelweyersheim korrekt aussprechen? Viele Menschen haben Probleme mit diesen Zungenbrechern.
Der verwirrte Mann wurde von der Polizei in eine Klinik gebracht. 
12.07.2024
Region
Ein 59-Jähriger lief am Dienstagnachmittag ohne Badehose über die Wiese des Freibads im Bühlertal. Die Polizei brachte den Mann daraufhin in eine Spezialklinik.
11.07.2024
Region
Am Mittwoch ist es kurz nach 20 Uhr zu einem Unfall auf der A5 zwischen den Anschlussstellen Rastatt-Süd und Rastatt-Nord gekommen. Bei dem Unfall wurde eine 27-jährige Ford-Fahrerin leicht verletzt.
10.07.2024
Region
Nach dem Gebäudebrand in einem Mehrfamilienhaus in der Friedrich-Ebert-Straße in Rastatt am Dienstagnachmittag haben die Beamten des Polizeireviers Rastatt die Ermittlungen aufgenommen.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Spitze in Sache Beratung und Service: Geschäftsführer Emanuel Seifert und Küchenfachberaterin Fabienne Röll, freuen sich über die Auszeichnungen zum 1a-Küchen und Möbel Fachhändler.
    14.07.2024
    Möbel und Küchen Seifert heimst zwei Auszeichnungen ein
    Kunden bestätigen erneut ihre Zufriedenheit:: Möbel und Küchen Seifert in Achern zum 5. Mal in Folge als 1a-Küchen und Möbel Fachhändler ausgezeichnet. Geschäftsführer Emanuel Seifert und Küchenfachberaterin Fabienne Röll sind sehr stolz auf die Auszeichnungen.
  • Mehr als 300 Gäste feierten in festlichem Ambiente bis in die frühen Morgenstunden gemeinsam mit den Familien Benz. @ST-Benz
    26.06.2024
    400 Jahre „Firmengeschichte“ in Berghaupten
    Stimmungsvolles Ambiente, bewegende Reden, atemberaubende Akrobatik, edles Menü und viel gute Laune – 300 Gäste feierten den Erfolg des traditionsreichen Unternehmens, das bereits in der vierten Generation Fortbestand hat.
  • Die Geschwister Paul (von links) und Anna Seebacher führen das Geschäft expert oehler derzeit gemeinsam mit ihren Eltern Dagmar und Ralf Seebacher.
    07.06.2024
    Neueröffnung in Offenburg-Bühl
    Expert oehler in Offenburg-Bühl eröffnet am Montag, 10. Juni, nach umfangreichen Renovierungsarbeiten die neue Miele-Welt. Das gesamte oehler-Team freut sich die Kunden im Gespräch persönlich zu beraten. Wer will, kann die neuesten Geräte direkt vor Ort ausprobieren.
  • Das Kenzinger Bauunternehmen FREYLER überträgt den Nachhaltigkeitsgedanken in individuelle Baukonzepte 
    04.06.2024
    FREYLER Unternehmensgruppe Partner für nachhaltiges Bauen
    Mehr Nachhaltigkeit in der Branche: Darum geht es bei der Veranstaltungsreihe „Bauen für Morgen“ für Architekten aus der Region. Gastgeber ist das Kenzinger Bauunternehmen FREYLER, das sich auf zukunftsfähige Lösungen spezialisiert hat.