Natzweiler-Struthof

Vor allem viele Schüler: Besucher-Rekord im elsässischen KZ

Autor: 
Robert Schmidt
Lesezeit 3 Minuten
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14. Februar 2020

©Archivbild: Iris Rothe

Der Erinnerungsort rund um das ehemalige Konzentrationslager Natzweiler-Struthof im Elsass ist im vorigen Jahr von mehr als 200.000 Menschen besichtigt worden, so viele kamen zuletzt in den 80er-Jahren. Zurzeit werden die Anlagen erneuert  – aus einem einfachen Grund.

Das einzige ehemalige Konzentrationslager auf französischen Boden ist nur rund eine Autostunde von Offenburg entfernt. Es verwundert deshalb auch nicht, dass nach der neuesten Statistik im vorigen Jahr jeder fünfte Besucher der Gedenkstätte KZ Natzweiler-Struthof aus Deutschland kam. Überraschend sind dagegen die absoluten Zahlen: 200.427 Besucher fanden im vorigen Jahr den Weg nach Natzweiler, davon mehr als die Hälfte Schüler. So viele sind seit den Anfangszeiten zu Beginn der 80er-Jahren nicht mehr an den Ort gekommen.

Wachsender Antisemitismus

„Der Anstieg lässt sich vor allem durch die vielen Projekte und Kooperationen erklären“, teilte Gedenkstätten-Sprecherin Marie Janot auf Anfrage mit. Immer mehr Lehrer aus Frankreich, aber auch aus Deutschland, England, Italien und den Niederlanden wendeten sich mit pädagogischen Vorhaben an die Mitarbeiter der Gedenkstätte. Die gestiegene Zahl der Anfragen an das Zentrum unterstreiche dessen „zentrale Unterstützer-Rolle“. Angesichts jüngster Entwicklungen wie grassierendem Rassismus, wachsender Intoleranz und Antisemitismus sei Wachsamkeit „mehr denn je gefragt um den Frieden und den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu erhalten“, warnte Janot.

Erbaut wurde das KZ im April 1941 von den Nationalsozialisten im damals besetzten Elsass als Arbeitslager für die Kriegsindustrie. Genutzt wurde es allerdings auch für „medizinische Experimente“. Von den ca. 52.000 Deportierten des KZ Natzweiler-Struthof waren allerdings nur rund 17.000 im Stammlager inhaftiert. Der Rest kam in einem der 70 Außenlager unter, die sich beidseits des Rheins befanden. Darunter zählen auch Nebenlager in Offenburg und Haslach. Bis zur Befreiung im September 1944 kamen an diesen Orten fast 22.000 Deportierte ums Leben.

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Wachtürme erneuert

Mehr als zwei Jahrzehnte später, im Sommer 1965, wurde am selben Ort eine erste Ausstellung mit Originalgegenstände eröffnet. 1976 und 1979 wird das Museum Opfer von Brandstiftung und Vandalismus und verliert fast seine gesamte Sammlung. Im Sommer eröffnet der französische Staatspräsident Valéry Giscard d'Estaing die Ausstellung neu. In den 1980er Jahren gehen zahlreiche Schenkungen von ehemaligen Deportierten und ihren Familien ein.

Sie werden von Tafeln komplettiert, sie illustrieren die Zeit 1939-1945, den Kampf des Widerstands gegen die Nazis sowie die Deportation in das KL-Natzweiler und die anderen Lager. Diese Ausstellung ist bis Oktober 2004 für das Publikum geöffnet. Seit November 2005 besteht sie als „Europäisches Zentrum der Deportation und des Widerstands“ fort und widmet sich heute ausschließlich der Geschichte des Konzentrationslagers und seinen Nebenlagern.

Wegen Bauarbeiten ist die Gedenkstätte derzeit geschlossen, wird Anfang März aber wiedereröffnet. Derzeit wird unter das Wachhaus am Eingang des Camps restauriert. Auch mehrere Wachtürme werden erneuert. Die Bauarbeiten sollen zwar auch während der Öffnungszeiten fortgesetzt werden, den Besuch aber nicht beeinträchtigen, teilte die Sprecherin mit. Und weiter: „Die Herausforderung der Restaurierung besteht darin, die historischen Gebäude des KZs dauerhaft zu erhalten, damit auch künftige Generationen sie besichtigen können um nachzuempfinden, was dort vor sich ging und sich am Ende  sagen: ‚Nie wieder!‘“

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