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»Weihnachtskuriere« sollen lokale Händler stützen

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dpa/lsw
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27. November 2020

©Bernd von Jutrczenka/dpa

Die Einzelhändler stellen sich auf coronabedingt hohe Umsatzeinbußen im so wichtigen Weihnachtsgeschäft ein, viele Betriebe sind in Not. Wie man die wirtschaftliche Schäden minimieren könnte? Einige Kommunen haben vor dem ersten Adventssamstag kreative Ansätze.

Kostenlose Innenstadt-Parkplätze, allerlei Gutschein-Aktionen und Gratis-Lieferungen nach Hause - mit einem bunten Mix an Maßnahmen wollen viele Südwest-Kommunen ihre wirtschaftlich in Not geratenen Einzelhändler im Weihnachtsgeschäft unterstützen. Angesichts der Corona-Pandemie droht stationären Händlern im Dezember ein nie da gewesener Umsatzeinbruch - auch bedingt dadurch, dass wegen ausfallender Weihnachtsmärkte viel weniger Laufpublikum in den Innenstädten unterwegs sein dürfte als normalerweise zum Jahresende. Für viele Betriebe sind die Wochen vor Weihnachten sonst traditionell die umsatzstärksten im ganzen Jahr.

Wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur in den größten Städten Baden-Württembergs ergab, wollen etliche Kommunen den ansässigen Handelsbetrieben mit Gutschein-Modellen unter die Arme greifen. So werden beispielsweise in Stuttgart, Karlsruhe, Konstanz, Pforzheim, Reutlingen, Ludwigsburg, Freiburg, Tübingen, Ulm, Esslingen und Heilbronn meist kommunal organisierte Gutscheine in unterschiedlichen Höhen zum Kauf angeboten. Diese können von den Kunden branchenübergreifend in teilnehmenden Geschäften eingelöst werden, je nach Stadt in mehreren Dutzend bis mehreren Hundert Läden. Aktionen wie diese seien wichtig, »um die Kaufkraft in der Stadt zu bündeln«, teilt das Konstanzer Stadtmarketing mit. In einigen Städten existieren solche Aktionen bereits seit längerem.

Ebenfalls ein beliebtes Lockmittel sind kostenlose Parkplätze in den Innenstädten. Laut einer aktuellen Umfrage des Handelsverbands Baden-Württemberg wollen gut 30 Prozent von mehr als 120 befragten Kommunen solche Angebote machen. Rund acht Prozent möchten demnach Fahrten im öffentlichen Nahverkehr zeitweise gratis anbieten.

Kreativ zeigt sich Heidelberg, dort sollen Anfang Dezember alle Einwohner über 16 Jahren einen »Dankeschein« per Post erhalten. Dieser könne dann im Lieblingsladen abgegeben werden und sichere dem jeweiligen Betrieb einen städtischen Zuschuss von zehn Euro, hieß es. Die Stadt betont, die Bürger sparten bei diesem Modell zwar selbst kein Geld, »sie tragen allerdings durch die Abgabe gleich doppelt dazu bei, dass der jeweilige Betrieb die Corona-Krise gut übersteht und künftig weiter für sie da ist«. Einerseits durch den Einkauf von Produkten, andererseits durch den städtischen Zuschuss, den der lokale Betrieb für den »Dankeschein« erhalte.

Die Stadt Ludwigsburg verbindet ihre Gutschein-Idee mit einer Art Gewinnspiel-Ansatz. So sollen bis im Dezember an ausgewählten Tagen Einkaufsgutscheine im Wert von jeweils zehn Euro nach dem Zufallsprinzip in der Innenstadt an Passanten verteilt werden. Wann genau, bleibt geheim. Ziel ist es, möglichst viele Menschen in die Stadt zu locken. Gesamtwert der Aktion laut Stadt: 10 000 Euro. »Wir verschenken damit quasi Bargeld«, sagt City-Manager Markus Fischer.

Zum Maßnahmenpaket zählt in Ludwigsburg auch ein kostenloser Lieferservice an allen Frei- und Samstagen bis Heiligabend. Die Bürger sollen ihre Einkäufe in einem speziellen Bus in der Innenstadt abgeben können, von dort aus sollen die Artikel in den Stadtgebieten von Ludwigsburg und Kornwestheim gratis heimgebracht werden.

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In Ulm gilt ein ähnliches Angebot sogar an allen Tagen bis zum 23. Dezember. Das dortige City Marketing hat dazu den »Weihnachtskurier« ins Leben gerufen - und verspricht einen schnellen Service: Bestellt der Kunde bis 12 Uhr bei einem lokal ansässigen Händler, werde die Ware direkt von dort am selben Tag via Elektrofahrzeug ausgeliefert. Der Weihnachtskurier beliefere das gesamte Stadtgebiet von Ulm und dem angrenzenden Neu-Ulm. Dieses Angebot ermögliche es auch älteren Menschen und Risikopatienten, »regional zu shoppen, dabei die Ulmer Händler zu unterstützen und dies bequem von zuhause aus«, heißt es.

Auch andere Kommunen werben mit Gratis-Lieferungen um Kunden für ihre Händler - beispielsweise Karlsruhe, wo es ebenfalls an allen Tagen bis Heiligabend einen kostenlosen Lieferdienst per Radkurier für Kunden im Stadtgebiet geben soll. »Damit konnten wir bereits beim ersten Lockdown im Frühjahr dieses Jahres den Einzelhandel wirkungsvoll unterstützen«, teilt das Karlsruher Citymarketing mit.

In Freiburg existiert bereits seit den ersten angeordneten Schließungen im März ein kostenloser Lieferdienst im Stadtgebiet. »Der wurde im Frühjahr super angenommen. Im Sommer ging die Nachfrage dann deutlich zurück, und jetzt zieht sie wieder spürbar an«, sagt die Geschäftsführerin der Aktionsgemeinschaft für Handel und Gewerbe in der Freiburger Innenstadt, Susanne Atila.

Es gibt aber auch Kommunen, die sich hier bewusst zurückhalten. Tübingen beispielsweise teilt mit, man wolle die coronabedingt sowieso schon geringer gewordene Besucherfrequenz in der Innenstadt nicht durch kostenlose Lieferangebote noch weiter drücken.

Stuttgarts City-Manager Sven Hahn betont, für die Landeshauptstadt lasse sich eine solche Aktion schlecht finanzieren. »Wir leben extrem von der Kaufkraft, die von außen in die Stadt reinkommt«, sagt Hahn mit Blick auf die Region und Millionen Einwohner. »Da können Sie schwer sagen: Ich liefere jedem per Kurierdienst alles auf eigene Rechnung.« Wenn das Einzugsgebiet einer Stadt deutlich kleiner sei, sei das machbar. »Aber wir müssen andere Lösungen finden.«

Eine Sprecherin des Stadtmarketings Pforzheim sagt, man habe die Idee eines kostenlosen Kurierdienstes zwar intern diskutiert. Man sehe allerdings Hürden: zum einen durch das Problem von Rücksendungen, zum anderen in logistischer Hinsicht, weil viele Betriebe über keine professionellen Warenwirtschaftssysteme verfügten. Über solche Systeme koordinieren vor allem größere Unternehmen ihre Verkäufe.

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