Landrat Kistler aus dem Kreis Waldshut

„Wir haben bisher Glück bei Corona“

Autor: 
Christoph Link
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18. Oktober 2020
Landrat

Landrat ©Foto: Sabine Braun / Landratsamt Waldshut/sabine braun

Von den 44 Kreisen in Baden-Württemberg hat Waldshut die wenigsten Corona-Fälle. Hat man dort nun Angst vor Urlaubern aus Stuttgart? Landrat Kistler antwortet im Interview.

Waldshut-Tiengen - Seit 2014 ist Martin Kistler (FDP) Landrat im Landkreis Waldshut, der mit weniger als 500 Corona-Fällen der am wenigsten von der Pandemie betroffene Landkreis im Südwesten ist. Der promovierte Jurist Kistler, der aus dem Kreis stammt, schildert im Interview die Gründe für die niedrigen Zahlen.

Herr Kistler, der Landkreis Waldshut ist unter den 44 Landkreisen in Baden-Württemberg einer mit der geringsten Zahl an Neuinfektionen. Wie stellt sich die aktuelle Lage dar?

Auch bei uns ist die Tendenz beim Infektionsgeschehen steigend, aber vom 35er Grenzwert sind wir noch weit entfernt. Allgemein ist die Lage derzeit nicht so dramatisch wie anderswo. Doch wir sind uns bewusst, dass sich das jederzeit ändern kann. Am Freitag beispielsweise hatten wir acht Neuinfektionen, darunter war eine Lehrerin. Die Zahl der Covid-19-Erkrankten liegt derzeit bei 47 und das bei fast 170 000 Einwohnern im Kreis. Die 7-Tage-Inzidenz liegt im Kreis Waldshut derzeit bei 17 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern, vor zwei Wochen war sie bei elf.

Woran liegt es, dass Ihr Kreis so gut dasteht wie sonst nur Landstriche in Mecklenburg-Vorpommern?

Ich vermute, das ist schlichtweg Glück und Zufall geschuldet. Bei uns gab es bisher keine Ereignisse, die zu größeren Infektionsausbrüchen wie anderswo führten, toi-toi-toi. Und wir sind ein dünn besiedelter Landkreis, ohne Ballungszentren, in denen die Inzidenzen bekanntlich höher liegen. Ich stelle bei unseren Bürgern und Bürgerinnen auch ein hohes Maß an Disziplin fest, die Leute tragen die Masken in den Geschäften, sie achten auf die Abstandsgebote und Hygieneregeln. Wir haben bisher kein diffuses Infektionsgeschehen. Im ÖPNV haben wir stichprobenartig die Maskenpflicht in den Bussen kontrollieren lassen, es gab wenig Beanstandungen.

Gelingt die Nachverfolgung bei positiven Corona-Testungen? Wie arbeitet ihr Gesundheitsamt?

Das leistet eine tolle Arbeit. Natürlich arbeiten die 30 Mitarbeiter unter Druck und sind stark belastet. Wichtig ist aber, dass die Nachverfolgung noch gut funktioniert. Das ist für die Eindämmung der Verbreitung bedeutsam. Auch wenn es ein paar Fälle gab, bei denen sich die Leute – aus verschiedensten Gründen - schwer taten, ihre Kontakte der letzten Tage zu nennen.

Auch andere Landkreise sind dünn besiedelt und ähnlich strukturiert wie Ihrer. Im Schwarzwald-Baar-Kreis ist der Schwellenwert von 50 gerissen worden, der Kreis Tuttlingen kratzte an der 35er-Marke. Warum hat es die getroffen?

Ich möchte nicht für andere Landkreise sprechen, aber meines Wissens führten in beiden Fällen größere, private Feiern zu dem Infektionsausbrüchen. Wir im Kreis Waldshut haben übrigens eine besondere Lage: unsere 148 Kilometer lange Grenze zur Schweiz, wo die Inzidenzen weitaus höher liegen. Es ist wichtig für uns, dass der kleine Grenzverkehr für Berufspendler, Familien und den Handel erhalten bleibt.

Andere Bundesländer wollen Urlauber aus Risikogebieten in Baden-Württemberg nicht haben, sie fallen unter ein Beherbergungsverbot. Wie steht es bei ihnen im landschaftlich schönen Kreis Waldshut? Haben Sie Angst vor Stuttgartern oder Esslingern?

Angst ist immer ein schlechter Ratgeber. Zunächst halte ich es mit Herrn Ministerpräsidenten Kretschmann, der sagte, was nicht notwendig sei, das solle man unterlassen. Auch Reisen. Gäste sind uns grundsätzlich willkommen, wenn sie die Corona-Schutzmaßnahmen einhalten. Wir haben hier im Südschwarzwald eine herrliche Landschaft und viele Wanderwege. Noch im Sommer hatten wir eine gemeinsame Werbekampagne mit den Kreisen Rems-Murr, Schwarzwald-Baar, Hohenlohe und Ravensburg – genannt Heimaterlebnis hoch Fünf - gestartet. Die Absicht war, den Menschen die Schönheit unserer Regionen zu zeigen. Das gilt auch für die Zeit nach Corona.

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