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Abarth 124 Spider macht auf dicke Hose

Autor: 
Thomas G. Zügner
Lesezeit 4 Minuten
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23. September 2017
Abarth 124 Spider: Spinnentier-Roadster mit einer veränderten Frontpartie und vierflutiger Sportauspuffanlage.

(Bild 1/6) Abarth 124 Spider: Spinnentier-Roadster mit einer veränderten Frontpartie und vierflutiger Sportauspuffanlage. ©Thomas G. Zügner

Verwandtschaftsverhältnisse können manchmal reichlich verzwickt und kompliziert sein. Beim neuen Abarth 124 Spider trifft das jedenfalls zu. Denn der Roadster mit dem gefährlich aussehenden Skorpion im rot-gelben Wappen ist ein Abkömmling der etwas »zivileren« Ausführung aus dem Mutterkonzern Fiat. Diese wiederum ist als technischer Halbbruder eng verbandelt mit dem Mazda MX-5, in dessen japanischer Heimat der Abarth genau genommen auch das Licht der Welt erblickt. Auch wenn er in den Passdaten seines Fahrzeugscheins als waschechter Italiener geführt wird.

Aufgepeppt: Beim Zwischenstopp von Hiroshima in Turin erhält der Zweisitzer die sportlichen »Weihen«, die ihn als echten Abarth kennzeichnen. Diese beschränken sich nicht nur auf eine Vielzahl von Schriftzügen und Skorpion-Logos, die an das Sternzeichen von Firmengründer Carlo Abarth erinnern. Sogar eine »Geburtsurkunde« in Form einer Plakette, die den Testwagen als Fahrzeug Nummer 76 auswies, findet sich an der Hinterwand zwischen den Sitzen.

Diverse Veredelungen des Innenraums mit feinem Alcantara gehören ebenso zum Abarth-Outfit wie die feuerrote Zwölf-Uhr-Markierung auf dem griffigen, aber nur vertikal verstellbaren Lederlenkrad, das wie die Sportsitze und andere Details mit roten Nähten verziert ist. 

Äußerlich macht der Spinnentier-Roadster mit einer veränderten Frontpartie und besonders mit der vierflutigen Sportauspuffanlage einen auf dicke Hose. Hinter den speziellen schwarzen Leichtmetallfelgen leuchten ganz keck knallrot lackierte Bremssättel hervor.

Leistungsspritze: Natürlich beließen es die Abarth-Spezialisten beim 124 Spider nicht bei optischen Eingriffen. Sie unterzogen den 1368 ccm großen Turbobenziner aus dem gleichnamigen Fiat-Bruder einer ordentlichen Kraftkur. Dadurch stieg die Leistung von 140 auf 170 PS. Gleichzeitig meldet das Datenblatt eine etwas stärkere Zugkraft (250 statt 240 Nm) und damit auch bessere Fahrleistungen bei unverändertem Normverbrauch.

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Mit dem aufgeladenen Triebwerk ist der leer nur wenig mehr als 1,1 Tonnen wiegende Spider gut bestückt. Wird der Fahrmodusschalter auf Sport eingestellt, wirkt sich dies in bescheidenem Umfang auf Lenkung, Motorsteuerung sowie Stabilitäts- und Traktionskontrolle aus. 

Auf jeden Fall vorhanden ist der begeisternde Klang des Motors mit seinem fast schon obszönen Röhren unter Last und dem gelegentlich wohligen Rülpsen bei Lastwechseln oder im Schiebebetrieb. Das straffe, aber ohne buckelharte Polterschläge agierende Fahrwerk macht in Verbindung mit dem mechanischen Sperrdifferential an der Hinterachse richtig Laune auf besonders kurvenreiche Strecken.

Schmal geschnitten: Weitgehender Verzicht auf Annehmlichkeiten bedeutet die Ausfahrt mit dem Abarth 124 Spider. Der schmale Innenraum bestraft gnadenlos Speckröllchen und überflüssige Pfunde der beiden Passagiere, die zudem angesichts fehlender Türtaschen und eines Handschuhfachs mit sehr bescheidenen Ablagemöglichkeiten vorliebnehmen müssen. Auch die kleine, tiefe und zerklüftete Höhle namens Kofferraum erfordert mit einem Fassungsvermögen von mickrigen 140 Litern Abstriche beim Reisegepäck. Andererseits: Mit ein bisschen Fingerspitzengefühl und viel Puzzletechnik gelang es, unter Zuhilfenahme des kompletten Beifahrerraumes fünf Sprudelkisten auf einen Rutsch zu transportieren.

Einfache Handhabung ist beim Faltverdeck angesagt, eine elektrische Bedienung würde auch dem Charakter des Roadsters widersprechen. Sie wäre zudem völlig überflüssig. Denn die manuelle Bedienung der Stoffmütze ist denkbar einfach: Bügel lösen, Dach nach hinten werfen, einrasten, fertig. Für diese Prozedur, die gefühlte 3,4 Sekunden dauert, kann man getrost im Wagen sitzen blieben. Dank des kleinen, aber wirkungsvollen Windschotts halten sich die Luftverwirbelungen im Innenraum in erträglichen Grenzen.

Gegen Aufpreis: Gespart haben sich die Italiener beim Abarth 124 Spider elektronische Heinzelmännchen wie Toter-Winkel-Warner, Bremsassistent, Abstandshalter oder automatisches Fernlicht. Immerhin gibt es, wenn auch nur gegen Aufpreis, beispielsweise Parksensoren hinten, LED-Scheinwerfer, adaptives Frontlicht und Navigationsgerät.  

Datenblatt

  • Motor: 4-Zylinder-Turbobenziner mit 16 Ventilen
  • Hubraum: 1368 ccm
  • Leistung: 170 PS bei 5500 U/min
  • Maximales Drehmoment: 250 Nm bei 2500 U/min
  • Übersetzung: 6-Gang-Schaltgetriebe
  • Antrieb: Hinterradantrieb
  • Radstand: 2310 mm
  • Länge/Breite/Höhe: 4075/1740/1230 mm
  • Leer­gewicht: 1135 kg
  • Zulässiges Gesamtgewicht: 1315 kg
  • Anhängelast gebremst/ungebremst: Für Anhängerbetrieb nicht zugelassen
  • Wendekreis: 9,4 m
  • Beschleunigung 0 bis 100 km/h: 6,8 sec
  • Höchstgeschwindigkeit: 224 km/h
  • Normverbrauch: innerstädtisch: 8,5 l/100 km; außerstädtisch: 5,1 l/100 km; insgesamt: 6,4 l/100 km
  • CO2-Ausstoß: 148 g/km
  • Tankinhalt: 45 Liter
  • Testverbrauch: 6,71 l Super/100 km
  • Preis: 40 000 Euro