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Alfa Romeo Giulia Veloce: Kurventanz reinstes Vergnügen

Autor: 
Thomas G. Zügner
Lesezeit 4 Minuten
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07. Oktober 2017
Alfa Romeo Giulia 2.2 Diesel 16V Q4 Veloce: sportlich-elegante Stufenheck-Limousine der Mittelklasse.

Alfa Romeo Giulia 2.2 Diesel 16V Q4 Veloce: sportlich-elegante Stufenheck-Limousine der Mittelklasse. ©Thomas G. Zügner

Romeo und Julia« ist eine Tragödie von William Shakespeare, die in Italien spielt. Von dort stammt auch der neue Alfa Romeo Giulia 2.2 Diesel 16V Q4 Veloce, der die Namen des unglücklichen Liebespaares in seiner Typenbezeichnung trägt. Mit dieser sportlich-eleganten Stufenheck-Limousine, die in Cassino zwischen Rom und Neapel gebaut wird, ist die einst in Mailand gegründete Marke, die heute in Turin beheimatet ist, zurück im Segment der Mittelklasse.

Natürlich trägt die Giulia (gesprochen: Tschulia) typische Markenelemente wie den als Scudetto (italienisch für Schildchen) bezeichneten Kühlergrill, der spitz nach unten zuläuft, eine lange Motorhaube und kurze Karosserieüberhänge.

Spezielle Sport-Stoßfänger vorne wie hinten oder Fensterrahmen mit Zierleisten in glänzendem Schwarz sind Erkennungsmerkmale der Ausstattungslinie Veloce, was soviel wie zügig und flott bedeutet. Wie es sich für eine hübsche Italienerin geziemt, geizt Julia auch nicht mit ihren Reizen in Form einer harmonisch fließenden Linienführung.

Mit Heizung: Sportlichkeit mit Eleganz verbindet sich im Innenraum. So versteckt sich der Starterknopf des Motors im mit Kunstleder bezogenen und beheizbaren Lenkrad. Titanium-Dekorleisten an Armaturenbrett, Mittelkonsole und Türen verströmen Premiumcharakter. Die Instrumenteneinheit ist schlicht, aber informativ. Allerdings versperren die riesigen Schaltwippen den ungehinderten Zugang zu den Lenkstockhebeln.

Der für eine Mittelklasse-Limousine recht üppige Radstand von 2,82 Metern weckt hohe Erwartungen an das Platzangebot. Doch in dieser Beziehung ist die Italienerin erstaunlicherweise ziemlich zickig. Die Beinfreiheit im Fond ist für dieses Segment etwas knapp bemessen, der schmale Ausschnitt der hinteren Türen verlangt von den Mitfahrern ein gewisses Maß an Gelenkigkeit. Der riesige Kardantunnel macht den ohnehin unbequemen Mittelplatz auf der Rücksitzbank noch unattraktiver.

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Mit Erweiterung: Immerhin 480 Liter fasst der Kofferraum. Das Abteil weist eine nur rund 40 Zentimeter hohe Luke auf und reicht entsprechend weit ins Fahrzeug hinein. Die serienmäßig im Verhältnis 40:20:40 geteilte und sogar vom Kofferraum aus umklappbare Rücksitzlehne erhöht aber die Variabilität beim Beladen des Gepäckraums.

Eine Neuentwicklung stellt der 2,2-Liter-Turbodiesel dar, dessen 210 PS die stärkste von vier Leistungsstufen ist. Allerdings flunkern die Italiener bei den Daten ein wenig. Denn mathematisch genau umgerechnet müssten die 209,44 PS eigentlich abgerundet werden, ebenso der 2143 ccm große Hubraum des Vierzylinders.

Dafür pocht Julias Herz zwar nicht immer dezent, aber dafür stets temperamentvoll und agil. So richtig in Fahrt kommt sie, wenn in der dreistufigen Fahrdynamikregelung der Dynamic-Modus aktiviert ist. Der Normverbrauch von 4,7 Litern Diesel auf 100 Kilometer ist allerdings illusorisch. Selbst im tempolimitierten Ausland schluckte die Selbstzünder-Julia zwischen knapp sechs und fast sieben Litern. Erfreulicherweise ist kein nerviges Harnstoff-Doping notwendig, um die Abgasgrenzwerte einzuhalten.

Mit Haftung: Wohl fühlt sich die Giulia nicht nur auf dem Prachtboulevard, sondern auch beim flotten Kurventanz. Der serienmäßige Allradantrieb, am Heck durch eine unscheinbare Q4-Plakette ersichtlich, scheint den Wagen mit »Spezialhaftcreme« auf dem Asphalt zu halten. Leichtbau mit Aluminium, Kohlefaser und Kunststoff-Verbundmaterial, eine optimale Gewichtsverteilung sowie eine zielgenaue und direkte Lenkung tragen ebenfalls bei zum leichtfüßigen Handling und entsprechend hohen Fahrspaß. Da werden trotz des relativ großen Wendekreises Haarnadelkurven zum reinsten Vergnügen.

Schade, dass die Geschichte von Romeo und Julia bei Shakespeare ein so tragisches Ende des wohl berühmtesten Liebespaares der Weltliteratur nimmt. Umgemünzt auf die vierrädrige Julia in Form des Alfa Romeo Giulia 2.2 Diesel 16V Q4 Veloce passt die Liaison der beiden Namensgeber jedenfalls. Aber da haben auch keine verfeindeten Familien ihre Hände mit im Spiel. 

Datenblatt

  • Motor: 4-Zylinder-Turbodiesel mit Common-Rail-Direkteinspritzung und 16 Ventilen
  • Hubraum: 2143 ccm
  • Leistung: 209 PS bei 3750 U/min
  • Maximales Drehmoment: 470 Nm bei 1750 U/min
  • Übersetzung: 8-Stufen-Automatik
  • Antrieb: Permanenter Allradantrieb
  • Radstand: 2820 mm
  • Länge/Breite/Höhe: 4643/1860/1450 mm
  • Leer­gewicht: 1610 kg
  • Zulässiges Gesamt­gewicht: 2110 kg
  • Anhängelast gebremst/ungebremst: 1600/
  • 745 kg
  • Wendekreis: 10,8 m
  • Beschleunigung 0 bis 100 km/h: 6,8 sec
  • Höchstgeschwindigkeit: 235 km/h
  • Normverbrauch: innerstädtisch: 5,8 l/100 km; außerstädtisch: 4,0 l/100 km; insgesamt: 4,7 l/100 km
  • CO2-Ausstoß: 122 g/km
  • Tankinhalt: 52 Liter
  • Testverbrauch: 6,57 l Diesel/100 km
  • Preis: 46 800 Euro

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