Autotest exklusiv

Audi SQ7 TDI mit herrlich unvernünftigen 435 PS

Autor: 
Thomas G. Zügner
Lesezeit 4 Minuten
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01. April 2017
Audi SQ7 TDI: Ein 4,0 Liter großer Achtzylinder mit 435 PS macht das Dickschiff zum stärksten Mehrzweckfahrzeug mit Diesel-Triebwerk.

(Bild 1/4) Audi SQ7 TDI: Ein 4,0 Liter großer Achtzylinder mit 435 PS macht das Dickschiff zum stärksten Mehrzweckfahrzeug mit Diesel-Triebwerk. ©Thomas G. Zügner

Das S in der Typenbezeichnung erhalten bei Audi nur die besonders sportlichen Modelle. Das gilt auch für den neuen Audi SQ7 TDI, dem Flaggschiff der Q7-Baureihe. Das Dickschiff hat es faustdick unter der Haube: vier Liter Hubraum, acht Zylinder, 900 Nm Zugkraft und mit 435 PS Leistung im Überfluss.

Weltpremiere: Normalerweise handelt es sich bei den S-Modellen von Audi meist um kraftstrotzende Benziner, die sich ihr Potenzial mit einem entsprechend tiefen Schluck aus der Spritpulle honorieren lassen. Beim SQ7 TDI verbirgt sich hinter dem mächtigen Kühlergrill mit den horizontalen Aluminiumstreben aber ein neu entwickelter 4,0-Liter-Biturbodiesel mit beinahe schon irrwitzigen 435 PS, bei dem die Ingenieure alle Register ihrer Kunst gezogen haben. Weltweit erstmals in einem Serienfahrzeug arbeitet nämlich ein elektrisch angetriebener Verdichter, der seine Energie aus einem 48-Volt-Teilbordnetz bezieht. Seine Aufgabe besteht darin, beim Anfahren und beim Beschleunigen aus niedriger Last die beiden Abgasturbolader zu unterstützen. Im Gegensatz zu diesen stellt der Verdichter dem Motor in weniger als 250 Millisekunden die nötige Ladedruckenergie zur Verfügung.

Die Wirkung im Alltag ist frappierend, entwickelt diese Technik doch mit 900 Nm bei gemächlichen 1000 Umdrehungen eine ungeheure Dynamik praktisch ohne Turboloch. Trotz eines Leergewichts von mehr als 2,3 Tonnen katapultiert sich das rund 5,07 Meter lange Trumm von einem Auto aus dem Stand heraus mit einer Souveränität und Leichtigkeit nach vorne wie ein bis in die Haarspitzen motivierter Skirennläufer aus dem Starthäuschen. 

Typisches Brabbeln: Dabei klingt der weltweit stärkste Achtzylinder-Dieselmotor in einem Mehrzweckfahrzeug zu keiner Phase auch nur annähernd angestrengt. Hin und wieder lässt er ein für einen »Achtender« so typisches Brabbeln vernehmen, das beinahe wie das zufriedene Schnurren eines Katers klingt.

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Der permanente Allradantrieb sorgt dafür, dass der SQ7 TDI sein überschäumendes Temperament jederzeit sicher und sauber auf die Fahrbahn bringt. Normal erfolgt die Kraftverteilung im Verhältnis 40:60 auf Vorder- und Hinterachse. Bei Bedarf fließen bis zu 70 Prozent nach vorne oder bis zu 85 Prozent nach hinten. 

Schwebezustand: Zum überaus hohen Fahrkomfort trägt auch die serienmäßige, elektronisch geregelte und auf die persönlichen Vorlieben individuell einstellbare Luftfederung bei, die den Koloss selbst über rumpelige Bahnübergänge beinahe schon schweben lässt. Von Behäbigkeit ist selbst bei flottem Kurventanz nichts zu spüren. Das liegt nicht zuletzt an einer Wankstabilisierung und der einstellbaren Allradlenkung. Diese technischen Schmankerln kosten im Paket zwar stolze 8500 Euro ex­tra, tragen aber zu einer geradezu sportlichen Leichtigkeit auf kurvenreichen Strecken bei.

Bei einem fast drei Meter langen Radstand bietet das riesige Gefährt Platz in Hülle und Fülle. Das üppige Raumgefühl besonders im Fond würde jeder Chauffeurslimousine gut zu Gesicht stehen. Nach Öffnen der elektrisch betätigten Heckklappe erwartet ein 805 Liter großer Laderaum Urlaubsgepäck oder Getränkekisten. Durch Umklappen der im Verhältnis 35:30:35 dreigeteilten Rücksitzlehne erweitert sich das Stauabteil sogar auf respektable 1990 Liter. Schade, dass sich der Hersteller selbst in diesem luxuriösen Fahrzeugsegment die überaus praktische elektrische Laderaumabdeckung extra honorieren lässt.

Zahlenspiele: Okay, eine Wuchtbrumme vom Schlag eines Audi SQ7 TDI mit den Fahrleistungen eines ausgewachsenen Sportwagens und dem Drehmoment einer mittelgroßen Baumaschine braucht trotz des angesichts der Fahrleistungen fast schon ökomäßig zurückhaltenden Verbrauchs eigentlich niemand. Schon der Grundpreis von 91 000 Euro, zu denen sich problemlos wie beim Mittelbadische Presse-Testwagen Extras für mehr als 50 000 Euro gesellen können, hält eine größere Verbreitung in engen Grenzen. Aber wenn es um beinahe schon grenzenlosen Fahrspaß geht, ist der Wagen erste Wahl. So schön und reizvoll kann Unvernunft sein.   

Datenblatt

  • Motor: 8-Zylinder-Biturbodiesel mit Common-Rail-Direkteinspritzung und 32 Ventilen
  • Hubraum: 3956 ccm
  • Leistung: 435 PS bei 3750 bis 5000 U/min
  • Maximales Drehmoment: 900 Nm bei 1000 bis 3250 U/min
  • Übersetzung: 8-Gang-­Automatik
  • Antrieb: Permanenter ­Allradantrieb
  • Radstand: 2996 mm
  • Länge/Breite/Höhe: 5069/1968/1741 mm
  • Leer­gewicht: 2345 kg
  • Zulässiges Gesamt­gewicht: 3030 kg
  • Anhängelast gebremst/ungebremst: 3500/
  • 750 kg
  • Wendekreis: 12,4 m
  • Beschleunigung 0 bis 100 km/h: 4,8 sec
  • Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h (abgeregelt)
  • Normverbrauch: innerstädtisch: 8,4 l/100 km; außerstädtisch: 6,5 l/100 km; insgesamt: 7,2 l/100 km
  • CO2-Ausstoß: 189 g/km
  • Tankinhalt: 85 Liter
  • Testverbrauch: 9,91 l Diesel/100 km
  • Preis: 91 000 Euro

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