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Beim Mazda MX-5 RF Sports-Line steht Fahrspaß im Vordergrund

Autor: 
Thomas G. Zügner
Lesezeit 4 Minuten
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09. September 2017
Eng und schmal geschnitten: der Mazda MX-5 RF Sports-Line

(Bild 1/5) Eng und schmal geschnitten: der Mazda MX-5 RF Sports-Line ©Thomas G. Zügner

Er ist eng und schmal geschnitten wie ein italienischer Designer-Schuh: Der neue Mazda MX-5 RF Sports-Line basiert auf der vierten Generation des längst als Klassiker eingestuften Fernost-Roadsters. Das schlanke Styling mit den fließenden Formen und Linien harmoniert mit der langen Schnauze und dem knackig-kurzen hinteren Überhang.

Für eingefleischte Stoffmützen-Freaks dürfte das feste Dach des MX-5 RF möglicherweise eine Art »Glaubensfrage« darstellen. Die beiden Buchstaben RF stehen für »Re­tractable Fastback«, was auf das elektrisch in Teilen versenkbare Klappdach hinweist. 

Damit mutiert das Coupé in kurzen 13 Sekunden per Tastendruck mit einer genialen und fast schon abenteuerlich-kompliziert anmutenden Falttechnik zum Targa. Die beiden vorderen Dachteile verschwinden zusammen mit der Heckscheibe hinter den Sitzen und werden unterhalb der schrägen Dachsäulen verstaut. Dann kehrt der hintere Dachbereich, der sich etwas angehoben hatte, wieder an seinen Ursprungsort zurück. 

Ein transparentes Windschott hinter den Kopfstützen sorgt dafür, dass sich die Luftverwirbelungen im Innenraum in erträglichen Grenzen halten. Dafür erzeugt der Fahrtwind, der schon bei geschlossenem Dach unüberhörbar ist, ein geradezu orkanartiges Getöse, was eine Unterhaltung fast unmöglich macht.

Puristisch: Wer in einem sportlichen Zweisitzer unterwegs ist, erwartet wohl keinen übertriebenen Komfort. So ist das griffige Drei-Speichen-Sportlenkrad zwar mit feinem Leder umwickelt, aber nur in der Höhe verstellbar. Die teilweise harten Kunststoffe im Innenraum sind sicherlich pflegeleicht, wirken aber nicht sonderlich hochwertig. Merkwürdigerweise bietet der Fußraum des Beifahrers deutlich weniger Platz als beim Nebenmann.  

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Sehr eingeschränkt sind auch die Ablagemöglichkeiten. Ein Handschuhfach ist ebenso wenig vorhanden wie Türtaschen. Kleinstutensilien passen in die Mittelkonsole und zwischen die Sitze. Halbwegs alltagstauglich sind das verschließbare Sitzablagefach an der Hinterwand und das Fondstaufach hinter dem Beifahrersitz.

Penibel ausgewählt werden sollte das Reisegepäck, denn der Kofferraum fasst sowohl bei geschlossenem wie auch bei geöffnetem Dach identische 127 Liter. Die Tiefe des Ladeabteils, dessen kleiner Deckel mit der Fernbedienung oder über einen tief im hinteren Stoßfänger versteckten Knopf öffnet, ist mit rund 41 Zentimetern ebenso beträchtlich wie die etwa 81 Zentimeter hohe Ladekante. Mazda nennt eine Zuladung des MX-5 RF von 200 Kilogramm, laut Fahrzeugschein sind es gerade einmal 138 Kilogramm.

Laut: Der Fahrspaß steht bei dem japanischen Targa-Coupé absolut im Vordergrund. Dazu steht als einzige Motorisierung ein 2,0 Liter großer Sauger mit Benzin-Direkteinspritzung zur Verfügung. Das 160 PS starke Triebwerk zeigt sich nach verhaltenem Antritt regelrecht süchtig nach hohen Drehzahlen. Das quittiert es dann aber mit lautstarken Jubelarien, die nicht einzig und allein der beim Ausstattungsniveau Sports-Line serienmäßigen Resonanzkammer zur Verstärkung des Motorsounds geschuldet sind.

Eine schnelle Autobahnhatz macht die dann ohrenbetäubende Akustik zu einem eher zweifelhaften Vergnügen. Die direkte und zielgenaue Lenkung sowie ein Hinterachs-Differenzial mit begrenztem Schlupf nähren vielmehr den Wunsch nach möglichst kurvenreichen Streckenabschnitten auf Landstraßen. Denn dabei kommt das kartähnliche Fahrverhalten besonders nachdrücklich zur Geltung. Dass der Mazda MX-5 RF buckelhart gefedert ist, unterstützt die sportliche Grundabstimmung und wird vermutlich nur von Personen mit massiven Rückenproblemen als störend wahrgenommen.

Sinnvoll: Die Top-Ausstattungsversion Sports-Line lässt kaum Wünsche offen. Automatisches Fernlicht, Klimaautomatik, Sitzheizung, Einparkhilfe hinten, Navigationsgerät, Spurwechselassistent und dynamisches Kurvenlicht sind serienmäßig an Bord. Das gilt auch für den überaus hilfreichen Ausparkassistenten. Er schlägt zuverlässig Alarm, sobald sich Querverkehr nähert, der durch die extrem schrägen hinteren Dachpfosten erst sehr spät erkennbar ist.

Datenblatt

  • Motor: 4-Zylinder-Benziner mit Direkteinspritzung und 16 Ventilen
  • Hubraum: 1998 ccm
  • Leistung: 160 PS bei 6000 U/min
  • Maximales Drehmoment: 200 Nm bei 4600 U/min
  • Übersetzung: 6-Gang-Schaltgetriebe
  • Antrieb: Hinterradantrieb
  • Radstand: 2310 mm
  • Länge/Breite/Höhe: 3915/1735/1236 mm
  • Leer­gewicht: 1167 kg
  • Zulässiges Gesamtgewicht: 1305 kg
  • Anhängelast: Für Anhängerbetrieb nicht zugelassen
  • Wendekreis: 10,04 m
  • Beschleunigung 0 bis 100 km/h: 7,5 sec
  • Höchstgeschwindigkeit: 215 km/h
  • Normverbrauch: innerstädtisch: 8,7 l/100 km; außerstädtisch: 5,4 l/100 km; insgesamt: 6,6 l/100 km
  • CO2-Ausstoß: 154 g/km
  • Tankinhalt: 45 Liter
  • Testverbrauch: 6,41 l Super/100 km
  • Preis: 32 090 Euro