»Platium Version« hinterlässt mächtig Eindruck / Aus- und einfahrende Trittbretter

Cadillac Escalade: Amerikas fahrbares Wohnzimmer

Autor: 
Friedbert Weizenecker
Lesezeit 4 Minuten
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04. August 2018
Amerikanischer wie der Cadillac Escalade kann ein Fahrzeug gar nicht sein.

(Bild 1/6) Amerikanischer wie der Cadillac Escalade kann ein Fahrzeug gar nicht sein. ©Friedbert Weizenecker

Was für ein Riesenteil. Der Cadillac Escalade steht wohl für das automobile Amerika wie der Eiffelturm für Paris. Beide drücken die Kultur ihres Landes aus. Der Eiffelturm hoch, mächtig und doch fragil in seiner feinen Gliederung. Der Escalade groß, machtvoll und massig. Der Escalade ist ein Statement. Hier bin ich. Mir kann keiner. Ich bin übermächtig. 22-Zoll-Räder sind Serie in der von mir getesteten Platinum Version. 

Das glänzende Weiß meines Testwagens (Preis 116 000 Euro) steht ihm gut. Reichlich Chrom auch. Wer dieses Auto kauft, der will nicht unerkannt durch die Straßen zuckeln. Der Escalade garantiert den wuchtigen Auftritt. Mit ihm kann man es den Klassenkameraden, die einen früher gehänselt haben, mal so richtig zeigen. 

Die elektrisch beim Öffnen und Schließen der Türen aus- und einfahrenden Trittbretter hinterlassen mächtig Eindruck, wenn man das Fahrerhaus leichtfüßig erklimmt.  Die Reaktionen auf den Escalade sind höchst unterschiedlich. Er polarisiert gewaltig. Das variiert vom verständnislosen Kopfschütteln bis zum nach oben gerissenen Daumen und offenen Mündern.

Wie ein Fernsehsessel: Ganz ähnlich ist der Auftritt des Escalade auch innen. Typisch amerikanisch. Aber durchaus hochwertig, was man beim Preis von über 100 000 Euro allerdings auch erwarten darf. Hochwertiger Kunststoff und Semianilin-Leder, wo es nur möglich ist. Drei Sitzreihen, drei Monitore (8 Zoll und 12,3 Zoll), und eine fette Mittelkonsole, die sogar einen Kühlschrank in sich trägt. Sitze auf dem qualitativen Niveau von Fernsehsesseln. Die schwarzen Ledersitze verfügen über Heizung, Belüftung und drei verschiedene Massagefunktionen in jeweils drei Intensitäten. Das ist feudal und tut dem geplagten Rücken mehr als gut.

Die Japanisch-Schwarzesche-Dekore passen gut zur schwarzen Innen-Ausstattung. Sensitive Touch-Elemente sind fast zu empfindlich, denn sie lösen ihre jeweilige Funktion aus, bevor man es erwartet. Daran gewöhnt man sich aber bald.

Durch die hohe Sitzposition, das große Schiebedach und die riesigen Dimensionen des Innenraums fühlt man sich im 7-Sitzer ganz und gar nicht eingeengt. Im Gegenteil: Die Beifahrerin sitzt jedoch so weit weg, dass jegliche Annäherungsversuche mit dem Fahrer durch den in der Mittelkonsole sitzenden Kühlschrank eiskalt verhindert werden. Dafür fast er sechs Halbe-Liter-Flaschen oder was sonst so zu abzukühlen ist. 

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Gewöhnen musste ich mich an den Gangwahlhebel im Escalade. Hebel ist hier wirklich der passende Ausdruck. Hinter dem Lenkrad liegend braucht das runde 30 Zentimeter lange Teil wirklich Kraft und etwas Geschick, um den richtigen Gang einlegen zu können. Schnell geht das Schalten mit diesem Teil jedenfalls nicht. Auch mit dem Multimediasystem hatte ich zunächst zu kämpfen. Intuitiv geht jedenfalls anders. 

Wie ein Rockkonzert: Der Klang des Monsters unter der Haube ist der Wahnsinn. Beim Kick-Down vollführt der V8-Saugmotor ein wahres Konzert. Nicht Mozart. Iron Maiden. 

Effizienz? Wer einen Escalade haben will, der kauft ihn nicht deshalb. Um die 15 Liter laufen da je 100 Kilometer schon durch. Es sei denn man schiebt ihn. Aber wann hat man schon mal zehn Mann zur Verfügung. Der 6,2-Liter-V8-Sauger mit seinen 426 PS und den 610 Newtonmetern  Drehmoment und Allradantrieb befördert den schweren Escalade aus dem Stand in 6,7 Sekunden auf Tempo 100. Danach geht es zügig auf maximal 180 Stundenkilometer. Danach wird elektronisch abgeriegelt. Sicherheit und Verbrauch sind gute Argumente dafür.

Der Cadillac Escalade verfügt über eine überraschende Fahrdynamik. In den USA wird er bekanntlich oft als Regierungsfahrzeug oder für hochrangige Wirtschaftsbosse eingesetzt. Da ist nicht allein zügige Beschleunigung gefragt, sondern auch ein komfortables, aber auch überaus präzises Fahrverhalten.

Wie ein Uhrwerk: Durch Kurven führt einen das variabel einstellbare Magnetic-RideFahrwerk durchaus dynamisch. Wobei man die Fahrdynamik selbstredend nicht mit einer deutschen Luxus-Limousine vergleichen kann. Die Lenkung des Escalade arbeitet präzise. Die 8-Gang-Wandler-Automatik ist mehr auf Komfort denn auf schnellstens Schalten ausgelegt, lässt sich aber auch manuell schalten.

Die Höhe des Escalde von 1,89 Meter ist für so manch betagtes Parkhaus ein ausschließendes Kriterium. Nicht aber seine Länge. Denn mit seinen 5,18 Metern ist der Escalade nur unwesentlich länger als ein Panamera oder eine S-Klasse. Das Einparken mit ihm geht zwar nicht automatisch, aber die Rundum-Kameras sorgen in Kombination mit den großen und geradlinigen Fensterflächen für gute Übersicht. Auch sein Wendekreis von 11,9 Metern ist für dieses 2,8 Tonnen schwere Gefährt gar nicht mal schlecht. Seine Breite von 2,04 Meter macht Fahrten durch Parkhäuser allerdings nicht zum Vergnügen. 

 

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