Modell-Variante Wagon 1.6 16V MultiJet Lounge ist der geräumigste 500er

Fiat 500L: Interessanter Ableger eines Kultautos

Autor: 
Thomas G. Zügner
Lesezeit 4 Minuten
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03. März 2018
Fiat 500L Wagon 1.6 16V MultiJet Lounge: Er trägt die »kultige« Zahl 500 in der Typenbezeichnung, ist aber ein geräumiger ­Mini-Van.

(Bild 1/5) Fiat 500L Wagon 1.6 16V MultiJet Lounge: Er trägt die »kultige« Zahl 500 in der Typenbezeichnung, ist aber ein geräumiger ­Mini-Van. ©Thomas G. Zügner

Beinahe schon inflationär hat Fiat inzwischen mit der Typenbezeichnung 500 um sich geworfen. Es ist nämlich schon erstaunlich, welch unterschiedliche Karosserieversionen diese legendäre und traditionsreiche Zahl am Heck tragen. Dazu gehört auch der neue Fiat 500L Wagon 1.6 16V MultiJet Lounge.

Zugegeben, über die Form des längsten und geräumigsten 500er lässt sich trefflich streiten. Besonders der mehr als 91 Zentimeter lange hintere Überhang trägt dazu bei, dass der im serbischen Kragujevac gebaute Italiener etwas pummelig wirkt.

 
Bei der gründlichen Überarbeitung mit rund 2200 neuen Bauteilen änderte sich der Name von 500L Living in 500L Wagon. Zudem rückte die Frontpartie mit den neu gestalteten Lufteinlässen im unteren Bereich, mit der gerade ausgerichteten Chromspange mit dem Fiat-Logo in der Mitte sowie mit der zusätzlichen Zierleiste über dem Nummernschild optisch ein Stück weit näher an den »klassischen« 500 heran.

Fast kompakt: Mit einer Länge von fast 4,38 Metern streckt sich der Mini-Van beinahe schon in die Kompaktklasse hinein. Der Radstand ist identisch mit den bis zu 13 Zentimeter kürzeren 500L-Brüdern Urban und Trekking. Knie- und Beinfreiheit im Fond des Wagon bewegen sich auf dem Niveau einer ausgewachsenen Mittelklasse-Limousine, langbeinige Fahrer wünschen sich einen größeren Verstellbereich ihres Sitzes. Das insgesamt angenehme Raumgefühl unterstützt die Zweiteilung der vorderen Dachpfosten, die von außen verglast sind.

Variabilität und Flexibilität versprechen der in drei Ebenen positionierbare Laderaumboden und die im Verhältnis 60:40 geteilte Rücksitzbank. Sie lässt sich um elf Zentimeter verschieben und bietet zudem eine Art Wickelfunktion, bei der nicht nur die Lehne, sondern der gesamte Sitz komplett nach vorne umklappbar ist. 

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Auf diese Weise erhöht sich das Kofferraumvolumen von 628 auf stattliche 1784 Liter. Da die Laderaumabdeckung nicht in Schienen verläuft, entwickelt sich das Zuziehen mitunter zur nervigen Fummelei. Dafür ist die Heckklappe mit einem massiven Innengriff ausgestattet.

Fast sportlich: Einen Hauch von Sportlichkeit vermittelt das griffige Lederlenkrad mit den verchromten Elementen. Die neue Handbremse schafft Platz für zwei Getränkehalter. Etwas höher positioniert wurde der Schalthebel des Sechsganggetriebes mit dem einer Billardkugel ähnlichen Knauf. Die überarbeitete Armaturentafel trägt ein hübsches 500-Logo auf dem Deckel eines zusätzlichen Handschuhfachs, das Teil ist von einer Reihe vielfältiger Ablagemöglichkeiten im Innenraum. 
Bei frostigen Temperaturen ein Manko ist die fehlende Lenkradheizung. Warme Vordersitze gibt es nur in teueren Paketen, die serienmäßige Klimaautomatik arbeitet im Normalbetrieb etwas schwachbrüstig, bollert dafür aber umso mehr bei zügiger Autobahnfahrt.

Hinreichend aus anderen Modellen des Fiat-Konzerns bekannt ist der 1,6 Liter große Turbodiesel, der mit 120 PS Leistung gemeinsam mit dem gleichstarken Benziner die Spitzenmotorisierung der 500L-Baureihe darstellt. Der Selbstzünder schüttelt sein Temperament erstaunlich leichtfüßig aus dem Ärmel und beißt bereits bei sehr niedrigen Drehzahlen kraftvoll zu, was einer schaltfaulen Fahrweise durchaus entgegenkommt. Allerdings verrichtet der Direkteinspritzer seine Tätigkeit akustisch recht präsent.

Fast holprig: Deutliche Rückmeldungen über den vielfach maroden Straßenzustand vermittelt das Fahrwerk des 500L Wagon. Hier wäre ein etwas höherer Komfortfaktor sicherlich angebracht. Eine nützliche Einrichtung stellt der City-Modus der Servolenkung dar. So lässt sich der Mini-Van per Knopfdruck mit einem Fingerdreh wenden und einparken, was auch wegen der nach vorne nicht gerade übersichtlichen Karosserie von Nutzen ist. Denn hilfreiche Parksensoren gibt es vorne überhaupt nicht und hinten nur gegen Aufpreis.

Mit dem neuen 500L Wagon hat Fiat einen interessanten »Ableger« des bekannten Kultautos geschaffen. Die Italiener verstehen es eben, auf der Klaviatur der »magischen« Zahl 500 die unterschiedlichsten Interpretationen zu spielen.

Datenblatt

  • Motor: 4-Zylinder-Turbodiesel mit Common-Rail-Direkteinspritzung und 16 Ventilen
  • Hubraum: 1598 ccm
  • Leistung: 120 PS bei 3750 U/min
  • Maximales Dreh­moment: 320 Nm bei 1750 U/min
  • Übersetzung: 6-Gang-Schaltgetriebe
  • Antrieb: Vorderrad­antrieb
  • Radstand: 2612 mm
  • Länge/Breite/Höhe: 4375/1784/1667 mm
  • Leer­gewicht: 1485 kg
  • Zulässiges Gesamt­gewicht: 1940 kg
  • Anhängelast gebremst/ungebremst: 1100/
  • 400 kg
  • Wendekreis: 11,1 m
  • Beschleunigung 0 bis 100 km/h: 10,9 sec
  • Höchstgeschwindigkeit: 189 km/h
  • Normverbrauch: innerstädtisch: 4,6 l/100 km; außerstädtisch: 4,0 l/100 km; insgesamt: 4,2 l/100 km
  • CO2-Ausstoß: 112 g/km
  • Tankinhalt: 50 Liter
  • Testverbrauch: 6,13 l Diesel/100 km
  • Preis: 22 240 Euro

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