Modellvariante D240 AWD R-Dynamic HSE ist Flaggschiff der Kompaktreihe

Luxuriöse Baby-Katze: der Jaguar E-Pace

Autor: 
Thomas G. Zügner
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
25. August 2018
Jaguar E-Pace D240 AWD R-Dynamic HSE: Allradgetriebenes Mehrzweckfahrzeug, das viel Luxus bietet, aber auch einige Schwächen bei der Bedienung aufweist.

(Bild 1/4) Jaguar E-Pace D240 AWD R-Dynamic HSE: Allradgetriebenes Mehrzweckfahrzeug, das viel Luxus bietet, aber auch einige Schwächen bei der Bedienung aufweist. ©Thomas G. Zügner

Ein Mehrzweckfahrzeug mit dem Jaguar-Emblem erschien lange Zeit als undenkbar. Doch dann räumte der F-Pace mit allen Vorurteilen auf und setzte sich an die Spitze der markeninternen Hitliste. Nun erweitert eine Baby-Raubkatze die Modellfamilie. Bei den Versionen mit Dieselmotoren ist der neue Jaguar E-Pace D240 AWD R-Dynamic HSE das Flaggschiff der kompakten Baureihe.

Niedlich: Inspiriert vom Jaguar-Sportwagen F-Type sind die markanten Proportionen, die kraftvolle Seitenlinie und die kurzen Überhänge. Der schwarze Kühlergrill ist mit mattem Chrom eingefasst. Diese Art der Verzierung findet sich auch an den seitlichen Lufteinlässen. Einen ganz besonderen Gag hat sich Designdirektor Ian Callum an der Windschutzscheibe einfallen lassen: Ein kleines Symbol zeigt einen Baby-Jaguar, der seiner Mama ganz putzig hinterhertrottet. Dieses Logo werfen die Außenspiegel auch beim Öffnen der Türen auf das Pflaster, in der Dunkelheit ein witziger Hingucker.

Obwohl der bei Magna Steyr im österreichischen Graz produzierte Brite nur knapp 4,40 Meter zwischen den Stoßfängern misst, wirkt der Wagen größer. Die kompakten Abmessungen werden an der erstaunlich knappen Kniefreiheit im Fond deutlich. Der 577 Liter fassende Kofferraum lässt sich auf 1186 Liter erweitern, wenn die im Verhältnis 60:40 teilbare Rücksitzbank umgeklappt wird. Dabei entsteht eine fast ebene Ladefläche. Praktisch ist das elastische Befestigungsband seitlich im Laderaum, etwas nervig die beim Testwagen nicht immer funktionierende Gestensteuerung der elektrischen Heckklappe.

Umständlich: Dies ist leider nicht die einzige Bedienungsschwäche des E-Pace. So muss, wer auch tagsüber das Fahrlicht einschalten möchte, weil nur dann auch die Rückleuchten brennen, bei jedem Neustart die entsprechende Einstellung neu aktivieren. Zudem funktioniert die Darstellung von Display und Anzeigen teilweise recht kompliziert und umständlich. 

Um einen 2,0 Liter großen Twinturbodiesel handelt es sich beim Spitzenselbstzünder des E-Pace. Die Nennleistung des umgerechnet 240,75 PS starken Vierzylinders rundet Jaguar großzügig, aber mathematisch nicht ganz korrekt nach unten ab. Der eigentlich 241 PS starke Motor zeichnet sich durch Laufruhe und Elastizität schon bei niedrigen Drehzahlen aus. 

- Anzeige -

Überschäumendes Temperament dämpft das hohe Leergewicht von fast zwei Tonnen. Zudem scheint die serienmäßige Neun-Stufen-Automatik einen nicht unbeträchtlichen Teil der Motorleistung zu schlucken. Auf diese Weise entpuppt sich der Ölbrenner weniger als sportlicher Überflieger, sondern eher als entspannter Langstreckengleiter.
Raubeinig: Mehr Feinschliff würde dem Fahrkomfort der kleinen Raubkatze guttun, die in dieser Beziehung etwas arg kratzbürstig zu Werke geht. Das wenig geschmeidige Überrumpeln schlechter Wegstrecken war sicherlich auch den auf dem Mittelbadische Presse-Testwagen montierten riesigen 21-Zöllern geschuldet. Dafür punktet der E-Pace mit einem überaus rassigen Fahrverhalten. 

Der Allradantrieb mit zwei elektrisch gesteuerten Lamellenkupplungen sorgt für ausgezeichnete Traktion. Außerdem ist er in der Lage, die Verteilung des Drehmoments nicht nur auf eine oder beide Achsen vorzunehmen, sondern zusätzlich an der Hinterachse auf ein einzelnes Rad. Das garantiert auf kurvenreichen Strecken für jede Menge Fahrspaß.

Angenehm: Nochmals einen Tick hurtiger geht es mit der konfigurierbaren Fahrdynamikregelung im sportlichen Modus über kurvenreiche Strecken. Ob sich das kostenpflichtige Ex­tra allerdings lohnt, bleibt Geschmacksache. Im Testalltag kristallisierte sich der Komfort-Modus als die auf Dauer angenehmste Einstellung heraus.

In der höchsten Ausstattungslinie R-Dynamic HSE hat der E-Pace eine Reihe wichtiger, praktischer und luxuriöser Details an Bord. Die Liste reicht von Totwinkel- und Notfall-Bremsassistent über Einparkhilfen, Rückfahrkamera und Navigationsgerät bis hin zu reichlich Ablagemöglichkeiten und feinen Lederpolstern. Für deren Beheizung verlangt Jaguar allerdings einen Extraobolus. 

Datenblatt

  • Motor: 4-Zylinder-Twinturbodiesel mit Common-Rail-Direkteinspritzung und 16 Ventilen
  • Hubraum: 1999 ccm
  • Leistung: 241 PS bei 4000 U/min
  • Maximales Drehmoment: 500 Nm bei 1500 U/min
  • Übersetzung: 9-Gang-­Automatik
  • Antrieb: Permanenter ­Allradantrieb
  • Radstand: 2681 mm
  • Länge/Breite/Höhe: 4395/1900/1649 mm
  • Leer­gewicht: 1958 kg
  • Zulässiges Gesamt­gewicht: 2420 kg
  • Anhängelast gebremst/ungebremst: 1800/
  • 750 kg
  • Wendekreis: 11,9 m
  • Beschleunigung 0 bis 100 km/h: 7,4 sec
  • Höchstgeschwindigkeit: 224 km/h
  • Normverbrauch: innerstädtisch: 7,2 l/100   km; außerstädtisch: 5,5 l/100 km; insgesamt: 6,2 l/100 km
  • CO2-Ausstoß: 162 g/km
  • Tankinhalt: 56 Liter
  • Testverbrauch: 8,46 l Diesel/100 km
  • Preis: 63 475 Euro

Weitere Artikel aus der Kategorie: Autotest exklusiv

Nachdem der Opel Corsa OPC nicht mehr gebaut wird, ist der GSi die neue sportliche Speerspitze des Opel Klein­wagens.
Sportwagenfeeling im Kleinwagen / Kraftwerk mit athletisch-markantem Auftritt
15.09.2018
Der Opel Corsa GSi soll der neue Kraftzwerg unter den Corsas sein. Schon optisch wird das deutlich. Chromumrandete Design­elemente, eine Spange in Carbon-Optik über dem Wabenkühlergrill, auch die Außenspiegelgehäuse kommen in Carbon-Optik.
Seat Arona 1.6 TDI Xcellence: Spanisches Mehrzweckfahrzeug, das technisch auf dem Kleinwagen Ibiza basiert.
Modellvariante 1.6 TDI Xcellence hat Technik vom kleineren Bruder Ibiza
15.09.2018
Mehrzweckfahrzeuge sind derzeit der Renner, quer durch alle Größensegmente. Das gilt auch für die ganz kleinen Vertreter ihrer Art, zu der der neue Seat Arona 1.6 TDI Xcellence zählt.
Jaguar XF Sportbrake 25d AWD R-Sport: Fast 4,96 Meter lang ist der allradgetriebene Kombi.
Modell-Variante 25d AWD R-Sport ist ein allradgetriebener Kombi
14.09.2018
In der oberen Mittelklasse sind Kombis durchaus gefragt. Das erkannte auch Jaguar und schob nach einer längeren Wartepause und zwei Jahre nach der Limousine die zweite Generation des XF mit Business-Ladeabteil nach.
Der Mitsubishi Outlander Plug-in-Hybrid fährt dank eines E-Motor an Vorder- und Hinterachse mit Allradantrieb vor.
Ordentlich ausgestatteter großer Plug-in-Hybrid mit viel Nutzwert
14.09.2018
Als der Outlander 2013 mit Plug-in-Hybrid auf den Markt gekommen ist, ahnte noch kaum jemand, welche Eruption der Diesel-Skandal zwei Jahre später verursachen sollte. Und so war damals klar, dass der Diesel-Antrieb für ein großes SUV in Europa der richtige Antrieb ist.