Autotest exklusiv

Mercedes E-Klasse All-Terrain modern und alltagstauglich

Autor: 
Friedbert Weizenecker
Lesezeit 4 Minuten
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30. Juni 2017
Die Mercedes E-Klasse All-Terrain gibt es serienmäßig mit Allradantrieb. Das neue Modell ist am SUV-Grill klar als All-Terrain zu ­erkennen. Unterfahrschutz vorne und am Heck macht fit fürs leichte Gelände.

(Bild 1/3) Die Mercedes E-Klasse All-Terrain gibt es serienmäßig mit Allradantrieb. Das neue Modell ist am SUV-Grill klar als All-Terrain zu ­erkennen. Unterfahrschutz vorne und am Heck macht fit fürs leichte Gelände. ©Friedbert Weizenecker

Während andere Premium-Hersteller die leicht höher gelegten Varianten mit der etwas  handfesteren Optik längst im Programm haben, hat sich Mercedes hier bislang vornehm zurückgehalten. Der weiter wachsende Trend hin zu Autos, die zwar überwiegend in der Zivilisation genutzt werden, aber nach Freiheit und Abenteuer aussehen, geht auch an einer schwäbischen Automarke nicht vorbei. Mit dem All-Terrain kann man Kunden erreichen, die zwar kein SUV wollen, aber eben diese leicht wildere Anmutung in Kombination mit der von vielen als angenehm empfundenen, höheren Sitzposition. 

Dazu kommt die E-Klasse All-Terrain serienmäßig mit Allradantrieb und erhöhter Bodenfreiheit (plus 29 Millimeter). So müssen unbefestigte Feldwege oder verschneite Serpentinen kein Hindernis mehr sein. Übrigens: Die Luftfederung gehört zum Serienumfang.

Grob gezeichnete Front: Wenn man die E-Klasse von schräg hinten betrachtet, erkennen wohl nur Insider, dass es sich hier nicht um einen »stinknormalen« E-Klasse-Kombi handelt.  Allein die Radlaufverkleidungen geben einen Hinweis. Von vorn erkennt man an der grober gezeichneten Front mit dem SUV-Grill allerdings klar die All-TerrainVariante. 

Im Innenraum ist dann alles wie in der Mercedes-Business-Class gewohnt. Der doppelte in einen Rahmen gegossene riesige Bildschirm dominiert das Blickfeld. Die geschwungene Form des Armaturenbretts hebt sich angenehm von den rechteckigen Strukturen ab. Der Fahrer kann wählen, ob er mittels Dreh-/Drück-Regler bedienen möchte oder mit der handschmeichelnden Touchfläche oder per Sprachanweisung.

Was dieses Auto für mich zu etwas Besonderem macht ist der Grad, in dem es autonom fährt. Bisher habe ich kein anderes Auto gefahren, das hier so weit gegangen ist. Diese E-Klasse hat ein Assistenz-Paket an Bord, das nach dem Setzen des Blinkers selbstständig ausschert und überholt. Es fährt bei eingeschaltetem Tempomaten auch bei hoher Autobahngeschwindigkeit ohne Lenkeingriffe des Fahrers. Es beschleunigt, bremst ab, lenkt und hält sich automatisiert an auftauchende Tempolimits. Der Fahrer muss dazu nur immer wieder kurz eine Hand ans Lenkrad nehmen, sonst schaltet sich das System aus und reduziert das Tempo gen null. Für mich ist das der vielversprechende Vorgeschmack auf das, was in einigen Jahren wohl kommen wird – das autonome Fahren.

Meinen Testwagen treibt ein 1,9-Liter-4-Zylinder-Diesel mit einer maximalen Leistung von 194 PS (143 kW) an, der sich im Mittel des 14 Tage währenden Testzyklus mit 6,6 Liter (kombinierter Normwert 5,2 Liter) begnügt hat. Ein guter Wert für einen so großen Wagen mit viel Platz für Mensch und Gepäck.

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Bei Tempo 232 ist Schluss: Die Kraft (maximal 400 Nm) wird mit einer neuen 9-Gang-Automatik an alle vier Räder verteilt. Selbstredend kommt ein 1900 Kilo wiegender Kombi mit einem Antrieb, der bis zu 194 PS leistet, nicht wie ein Rennwagen aus den Puschen. Aber ich hatte nie den Eindruck, untermotorisiert unterwegs zu sein. In acht Sekunden kommt man aus dem Stand auf Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 232 Stundenkilometer. 

Die Leistungscharakteristik dieses modernen Diesels mit Harnstoffeinspritzung passt wunderbar zu diesem Auto. Oft werden diese Business-Kombis über lange Strecken getrieben, da würde ein Benziner bei den Fahrtkosten deutlich stärker zu Busche schlagen.

Wie er sich fährt? Souverän. Die verschiedenen Fahrmodi setzen die Wünsche von Fahrern oder Passagieren mühelos um. Einfach »Comfort« wählen und es geht gediegen zur Sache. Oder eben »Dynamic«, dann werden die Zügel enger gezogen. Selbstredend gehört das Internet heute in ein solches Business-Mobil. Das funktioniert prima, so lange die Netzversorgung mit 3G oder 4G vorhanden ist. 

Mit heißer Luft: Ein Kompliment muss ich auch den Sitzdesignern machen. Bequem und perfekten Seitenhalt geben die Sitze mit ihrer gelochten Lederhaut. Mein Tipp für geneigte Käufer: Gönnen Sie sich die Massagefunktion. Für Rückengeplagte ein Träumchen. Sogar mit heißer Luft wird hier massiert. Fürs leichte Gelände verfügt der E-All-Terrain serienmäßig über fünf Fahrprogramme, die Motorleistung, Getriebe und Lenkung an das jeweilige Gelände anpassen. 

Datenblatt

  • Motor: Vierzylinder 1950-ccm-Voll-Alu-Diesel
  • Leistung: 194 PS (257 kW) bei 3800 U/min
  • Max. Drehmoment: 400 Nm bei 1600 U/min
  • Länge/Breite/Höhe: 4947/1861/1497 mm 
  • Radstand: 2,93 m
  • Leergewicht/Zuladung: min. 1920/max. 670 kg
  • Max. Anhängelast, gebremst: 2100 kg
  • Wendekreis: 11,90 m
  • Gepäckraumvolumen: 670 bis 1820 l (inkl. Sitzbereich)
  • Höchstgeschwindigkeit: 232 km/h
  • Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 8,0 sec 
  • NEFZ-Durchschnittsverbrauch: 5,2 l Diesel
  • Testverbrauch: je nach Gangart 6,6 Liter
  • CO2-Ausstoß: 137 g/km
  • Schadstoffklasse: 
  • Euro 6
  • Tankinhalt: 64 Liter
  • Preise: ab 58 100 Euro

 

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