Autotest exklusiv

Peugeot Traveller Business ist ein wahres Multitalent

Autor: 
Thomas G. Zügner
Lesezeit 4 Minuten
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29. Juli 2017
Peugeot Traveller Business BlueHDi 150 Standard: Fünfsitziger Familien-Van, Großraum-Shuttel oder Transportfahrzeug mit ­langem Radstand.

(Bild 1/3) Peugeot Traveller Business BlueHDi 150 Standard: Fünfsitziger Familien-Van, Großraum-Shuttel oder Transportfahrzeug mit ­langem Radstand. ©Thomas G. Zügner

Multifunktionaler Familien-Van, praktischer Großraum-Shuttel oder variables Transportfahrzeug: Mit dem neuen Peugeot Traveller Business BlueHDi 150 Standard hat der französische Hersteller einen Nachfolger für den Expert Tepee auf die Räder gestellt. Baugleich mit dem Citroën Spacetourer und dem Toyota Proace rollt er im PSA-Werk Valenciennes in Nordfrankreich vom Band.

Die kurze Fronthaube mit ihrer horizontalen Ausrichtung wirkt fast wie eine kecke Stupsnase. Der ziemlich weit oben angeordnete Kühlergrill trägt stolz und selbstbewusst einen großen Peugeot-Löwen auf dem Gitter. Das Raubtier-Logo ist ebenso in elegantem Chrom ausgeführt wie der trapezförmige Rahmen um den gesamten Grill und die Winkel im unteren Frontbereich. In diese sind jeweils sechs LED-Lichter eingearbeitet, die wie Eiskristalle glitzern. Die Zusatzbezeichnung Standard weist auf je 35 Zentimeter mehr Radstand und Länge gegenüber der Kurz-Version hin. Mit einer Höhe von 1,92 Meter passt der Traveller in jedes moderne Parkhaus.

Jede Menge Raum: Kurze Überhänge und ein üppiger Radstand von fast 3,28 Metern signalisieren deutlich, dass es den Ingenieuren bei der komplett neu entwickelten Plattform darum ging, möglichst viel Platz zu gewinnen. Dieses Vorhaben ist zweifelsohne gelungen. Der knapp 4,96 Meter lange Traveller bietet auf den beiden vordern Einzelplätzen ein ebenso großzügiges Raumangebot wie auf der dreisitzigen Fondbank, Business eben. Diese lässt sich nicht nur nach vorne klappen, sondern auch komplett ausbauen. Dann wird der Van zum Lieferwagen: Statt 1624 Liter, gemessen bis zur Oberkante der Rückenlehne, stehen plötzlich gigantische 3968 Liter Stauraum zur Verfügung, ermittelt bis zur Innendachhöhe.

Bei der Materialanmutung bleibt der Business-Eindruck dagegen völlig auf der Strecke: Hartplastik, wohin das Auge reicht. Der Boden im Traveller besteht aus einem überaus rutschigen Gummibelag, Fußmatten gibt es nicht einmal über die Aufpreisliste. Da auch der Laderaum über keinerlei Auskleidung verfügt, entwickeln Gegenstände, die nicht an den Verzurrösen gesichert sind, schon in harmlosen Kurven ein heftiges Eigenleben. Nicht sehr griffig ist auch das Kunststofflenkrad, das sich aber immerhin in Höhe und Weite positionieren lässt.

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Ebenfalls wenig business-like ausgefallen ist die Serienausstattung des großen Galliers. Die Liste der aufpreispflichtigen Extras ist lang. Dazu gehören Spurhalter, Verkehrszeichenerkennung, die im Mittelbadische Presse-Testwagen oftmals das Tempolimit eher »auswürfelte«, oder automatisches Fernlicht, das prima funktioniert, aber nur in der Auto-Stellung des Lichthebels. Auch Frontkollisionswarner, Bremsassistent, Radioanlage, die zusätzliche praktische Schiebetür mit der gut 93 Zentimeter breiten Öffnung auch auf der linken Seite oder eine Antriebsschlupfregelung, welche die Traktion unter verschiedenen Betriebsarten auf den jeweiligen Untergrund abstimmt, kosten extra. Der nicht in die Zentralverriegelung integrierte Tankdeckel, der jedes Mal mit dem Zündschlüssel bedient werden muss, ist fast schon automobiler Anachronismus.

Große Ablagefächer: Immerhin, ein paar Lichtblicke im Innenraum gibt es dennoch. Dazu gehören beleuchtete Schminkspiegel in den beiden Sonnenblenden, große Ablagefächer in den Vordertüren, über dem Handschuhfach und auf dem Armaturenträger sowie Sonnenrollos an den Fenstern der Schiebetüren.

Wirklich Business ist der 2,0 Liter große Turbodiesel. Der Direkteinspritzer leistet 150 PS und ist im Fahrbetrieb ein wahrer Muskelprotz. Schon bei sehr niedrigen Drehzahlen zieht der Selbstzünder vehement an, die Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h erreicht er nicht nur auf dem Papier, sondern erstaunlich flott. Dabei hält sich die Geräuschkulisse in einem absolut vertretbaren Rahmen.

 Bemerkenswert günstig: Wer nicht permanent im „Tiefflug“ auf der linken Autobahnspur unterwegs ist, kommt mit Verbräuchen von etwas mehr als sieben Litern Diesel auf 100 Kilometer problemlos über die Runden. Angesichts der einem mittleren Kleiderschrank nicht unähnlichen „Windschnittigkeit“ der Karosserie ist dies ein durchaus bemerkenswert günstiger Wert.

Datenblatt

  • Motor: 4-Zylinder-Turbodiesel mit Common-Rail-Direkteinspritzung
  • Hubraum: 1997 ccm
  • Leistung: 150 PS bei 4000 U/min
  • Maximales Drehmoment: 370 Nm bei 2000 U/min
  • Übersetzung: 6-Gang-Schaltgetriebe
  • Antrieb: Vorderradantrieb
  • Radstand: 3275 mm
  • Länge/Breite/Höhe: 4956/1920/1881 mm
  • Leer­gewicht: 1705 kg
  • Zulässiges Gesamtgewicht: 2740 kg
  • Anhängelast gebremst/ungebremst: 2300/
  • 750 kg
  • Wendekreis: 11,8 m
  • Beschleunigung 0 bis 100 km/h: 11,0 sec
  • Höchstgeschwindigkeit: 170 km/h
  • Normverbrauch: innerstädtisch: 5,9 l/100 km; außerstädtisch: 4,9 l/100 km; insgesamt: 5,3 l/100 km
  • CO2-Ausstoß: 139 g/km
  • Tankinhalt: 70 Liter
  • Testverbrauch: 7,27 l Diesel/100 km
  • Preis: 36 690 Euro
     

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