Geländewagen in dritter Generation komplett neu entwickelt

Porsche Cayenne gibt sich sportlich

Autor: 
Thomas G. Zügner
Lesezeit 4 Minuten
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23. Juni 2018
Porsche Cayenne: Luxus-Geländewagen mit dem Charakter eines Hochleistungssportlers.

(Bild 1/4) Porsche Cayenne: Luxus-Geländewagen mit dem Charakter eines Hochleistungssportlers. ©Thomas G. Zügner

Das Auto mit dem Pfeffer-Namen rettete vor 16 Jahren den seinerzeit kriselnden Sportwagenhersteller aus dem Schwabenland und hat sich allen damaligen Unkenrufen zum Trotz zum Erfolgsmodell entwickelt. Beim neuen Porsche Cayenne standen in seiner dritten Generation Sportlichkeit und Alltagstauglichkeit ganz oben im Lastenheft, ohne aber den Geländewagencharakter zu vernachlässigen.

Auf den ersten flüchtigen Blick sind optisch kaum Unterschiede zum Vorgänger auszumachen. Dennoch wirkt der neue Cayenne muskulöser und athletischer. Die wuchtige Front erhielt neu gezeichnete Scheinwerfer. Die charakteristischen dreiteiligen Lufteinlässe wurden nochmals ein Stück größer. Einen Schuss Coupé-Optik vermitteln die schräger stehenden hintersten Dachpfosten. Das durchgängige Leuchtenband am Heck und der dreidimensional ausgeführte Porsche-Schriftzug peppen die rückwärtige Seite des Cayenne deutlich auf.

Größer: Bei unverändertem Radstand ist die dritte Auflage in der Länge um 6,3 und in der Breite um 4,4 Zentimeter gewachsen. Dass sich der Cayenne um neun Millimeter duckt, fällt dagegen überhaupt nicht auf. Luftig geht es im Innenraum zu. Selbst im Fond mit der um 16 Zentimeter verschiebbaren Rücksitzbank reisen die Passagiere »erster Klasse«. 

Um satte 100 auf 770 Liter zugelegt hat das Kofferraumvolumen. Durch Umklappen der geteilten Rücksitzlehne lässt sich das Stauabteil auf stattliche 1710 Liter erweitern. Eine ziemliche Schräge muss dabei in Kauf nehmen, wer das fast 2000 Euro teure Sportsitze-Paket ordert. Denn darin enthalten sind unter anderem erhöhte Sitzwangen der Fondsitzbank. Eines luxuriösen Fahrzeugs unwürdig ist die etwas labbrige Gepäckraumabdeckung.

Traditionell steht auch beim neuen Cayenne der Drehzahlmesser im Zentrum der Anzeigen. Ebenso Porsche-typisch wird der Motor links vom Lenkrad gestartet. Wo früher der Zündschlüssel ins Schloss gesteckt wurde, thront jetzt ein merkwürdiger Knubbel, der eine gewisse Ähnlichkeit mit den Schaltern an Großmutters Küchenherd nicht verleugnen kann. Statt der gut zu bedienenden Tasten des Vorgängers werden die entsprechenden Einstellungen in der Mittelkonsole über berührungsempfindliche Elemente vorgenommen, die in pechschwarzes Glas integriert sind. Darauf bilden sich mit der Zeit auch ohne »Pommes-Finger« massenhaft unschöne Tapsen.

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Kraftvoll: Angetrieben wird der Cayenne von einem 3,0 Liter großen Turbo mit Benzin-Direkteinspritzung. Der komplett neu entwickelte Sechszylinder läuft seidenweich, erwirtschaftet 340 PS und schaufelt schon kurz über Leerlaufdrehzahl 450 Nm auf die Kurbelwelle. 

Dabei nippt er angesichts der Fahrleistungen eines Sportwagens verhältnismäßig zurückhaltend an der Benzinleitung. Wer den im slowakischen Bratislava gebauten Cayenne nicht überwiegend im »Tiefflug« über die Autobahn jagt, kommt mit Werten um die elf Liter Super auf 100 Kilometer aus.

Gelenkiger: Mit der Einstellmöglichkeit verschiedener Fahrmodi lässt sich der leer bereits mehr als zwei Tonnen schwere »Brocken« erstaunlich dynamisch über den Asphalt scheuchen. Zur Agilität und dem daraus resultierenden Fahrvergnügen trägt auch die über 2000 Euro teure Hinterachslenkung bei. Bis Tempo 80 steuern die Hinterräder entgegen der Richtung der vorderen Pneus und verringern auf diese Weise den Wendekreis von 12,1 auf 11,5 Meter. Bei höheren Geschwindigkeiten ist die Lenkrichtung »synchron«, was das sportliche Handling unterstützt. 

Obendrein besitzt der Cayenne serienmäßig permanenten Allradantrieb, der sich auf verschiedene Untergrundzustände einstellen lässt und bei dem eine elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung für die Verteilung des Antriebsmoments zwischen den Achsen zuständig ist.

Sportlicher: Wo einst der Offroad-Charakter ganz eindeutig im Vordergrund stand, kommt die komplett neu entwickelte dritte Generation des Porsche Cayenne als Sportler im Geländewagen-Dress daher. Das ist mit Sicherheit die richtige Philosophie. Denn mit einem edlen Gefährt, das mit ein paar Extras weit in den sechsstelligen Euro-Bereich kommt, will sicher kaum jemand durch schmutzige Lehmkuhlen suhlen und die schmucken Leichtmetallräder beschädigen.

Datenblatt

  • Motor: 6-Zylinder-Turbo mit Benzin-Direkteinspritzung und 24 Ventilen
  • Hubraum: 2995 ccm
  • Leistung: 340 PS bei 5300 bis 6400 U/min
  • Maximales Drehmoment: 450 Nm bei 1340 bis 5300 U/min
  • Übersetzung: 8-Stufen-Automatik
  • Antrieb: Permanenter Allradantrieb
  • Radstand: 2895 mm
  • Länge/Breite/Höhe: 4918/1983/1696 mm
  • Leer­gewicht: 2060 kg
  • Zulässiges Gesamt­gewicht: 2830 kg
  • Anhängelast gebremst/ungebremst: 3500/
  • 750 kg
  • Wendekreis: 12,1 m
  • Beschleunigung 0 bis 100 km/h: 6,2 sec
  • Höchstgeschwindigkeit: 245 km/h
  • Normverbrauch: innerstädtisch: 11,1 l/100 km; außerstädtisch: 7,9 l/100 km; insgesamt: 9,0 l/100 km
  • CO2-Ausstoß: 205 g/km
  • Tankinhalt: 75 Liter
  • Testverbrauch: 10,92 l Super/100 km
  • Preis: 74 828 Euro

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