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Volvo V90 D3 Momentum glänzt mit Eleganz und viel Platz

Autor: 
Thomas G. Zügner
Lesezeit 4 Minuten
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01. Juli 2017
Volvo V90 D3 Momentum: Großer Schweden-Kombi mit hohem Komfort, sparsamem Dieselmotor, aber eklatanten Schwächen bei der Bedienung des Berührungsbildschirms,

Volvo V90 D3 Momentum: Großer Schweden-Kombi mit hohem Komfort, sparsamem Dieselmotor, aber eklatanten Schwächen bei der Bedienung des Berührungsbildschirms, ©Thomas G. Zügner

Traditionell ein Synonym für aktive und passive Sicherheit stellen die Fahrzeuge von Volvo dar. Das gilt auch für den neuen Volvo V90 D3 Momentum. Serienmäßig oder gegen einen mehr oder weniger gepfefferten Zusatzobolus werden im großen Kombi aus dem schwedischen Torslanda gleich ganze Heerscharen von elek­tronischen Heinzelmännchen aktiv. 

Sie erkennen Hindernisse wie Autos, Fahrräder, Fußgänger oder Tiere und bremsen den Wagen automatisch ab. Sie leisten beim Aus- und Einparken tatkräftige Unterstützung. Sie halten die Spur und den Abstand zum Vordermann, lesen Verkehrszeichen und erstellen Bilder aus der Vogelper­spektive rund um das Fahrzeug. Selbsttätig folgen sie dem Vordermann und lenken dabei sogar um Kurven, wobei diese Art der »Hilfe« in der Praxis dem Fahrer dennoch eine Menge Aufmerksamkeit abverlangt und für jeden gestandenen Wagenlenker mit »Benzin im Blut« ohnehin ein Graus ist.

Schwäche: Völlig »neben der Spur« ist der neue Volvo V90 D3 Momentum dagegen in Sachen Bedienung. Für fast alle Funktionen ist nämlich ein Gedaddel, Gefummel und Getippe auf dem riesigen Berührungsbildschirm im Hochformat erforderlich. Das betrifft die Klimatisierung von der Temperatureinstellung bis zur Luftverteilung ebenso wie Radiosender, Fahrmodi (die sich zudem bei jedem Neustart wieder zurückstellen) sowie die diversesten Anpassungen und Einstellungen am Fahrzeug. Die wenig intuitive Menüführung verlangt zudem ein hohes Aufmerksamkeitspotential, das der Fahrer eigentlich besser auf das Verkehrsgeschehen richten sollte.

 
Sogar auf eine herkömmliche Betriebsanleitung verzichtet Volvo. An Bord befindet sich lediglich eine ziemlich laue und unübersichtliche »Sparversion« in gedruckter Form. Die eigentlichen Informationen sind digital hinterlegt. Dumm nur, dass sich das System nach geraumer Zeit aus Energiegründen selbsttätig ausschaltet, so dass der Bildschirm schwarz wird und der Nutzer sich vermutlich schwarz ärgert.

Lifestyle: Das alles ist jammerschade, weil den Skandinaviern mit dem neuen V90 ein ansonsten properes Gefährt gelungen ist. Breit steht der in hochglänzendem Schwarz ausgeführte Kühlergrill im Wasserfall-Design im Wind, eine extreme Breitenwirkung erzeugt die Heckpartie mit den riesigen Lichtern. 

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Mit der nicht enden wollenden Motorhaube, der langgezogenen Silhouette samt stark angeschrägter Heckscheibe und den kurzen Karosserieüberhängen streckt sich der V90 auf knapp 4,94 Meter und ist damit um rund elf Zentimeter länger als der Vorgänger V70. Einen hübschen Einfall der Designer stellt die Lichtgrafik der LED-Scheinwerfer dar, die nach der magischen Waffe des nordischen Donnergottes »Thors Hammer« benannt ist.

Basis: Als Ergänzung und Abrundung nach unten hat Volvo für den V90 einen neuen Einstiegsdiesel nachgeschoben. Es handelt sich wie bei allen Aggregaten der Baureihe um einen Vierzylinder, der aus 1969 ccm Hubraum eine Leistung von 150 PS generiert. Der Direkteinspritzer hat es mit dem leer weit über 1,8 Tonnen schweren Wikinger nicht einfach und lässt auch ein Turboloch spüren. Daher entpuppt er sich weniger als temperamentvoller Sportler, sondern eher als komfortablen Langstreckengleiter. 

Dass er dabei das Fahrwerk kaum überfordert, liegt auf der Hand. Selbst der Wechsel in die Sportabteilung des aufpreispflichtigen Fahrdynamikprogramms erzeugt nur dezent einen schneidigeren Charakter. Die Zwangskopplung mit dem adaptiven Luftfahrwerk, das Holperpisten geflissentlich ignoriert, ist dagegen trotz des happigen Mehrpreises von rund 2000 Euro eine Überlegung wert.

Fast schon verschwenderisch üppig ist die Knie- und Beinfreiheit im Fond ausgefallen. Verstärkt wird dieser Eindruck eines ausladenden Raumangebots durch die sehr tiefe Sitzposition auf der Rückbank. Durch Umklappen der im Verhältnis 60:40 geteilten Lehne lässt sich das Ladeabteil von 560 auf 1526 Liter vergrößern. Das sind dann zwar 74 Liter weniger als beim kleineren Vorgänger, aber im Alltag immer noch in den allermeisten Fällen ausreichend. Dass dabei der Laderaum topfeben bleibt, ist ebenso wenig selbstverständlich wie die elektrisch bedienbare Heckklappe oder die ebenso selbsttätig agierende Laderaumabdeckung. 

Datenblatt

  • Motor: 4-Zylinder-Turbodiesel mit Common-Rail-Direkteinspritzung und 16 Ventilen
  • Hubraum: 1969 ccm
  • Leistung: 150 PS bei 3750 U/min
  • Maximales Drehmoment: 320 Nm bei 1750 bis 2500 U/min
  • Übersetzung: 6-Gang-Schaltgetriebe
  • Antrieb: Vorderrad­antrieb
  • Radstand: 2941 mm
  • Länge/Breite/Höhe: 4936/1879/1475 mm
  • Leer­gewicht: 1833 kg
  • Zulässiges Gesamt­gewicht: 2260 kg
  • Anhängelast gebremst/ungebremst: 1800/
  • 750 kg
  • Wendekreis: 11,8 m
  • Beschleunigung 0 bis 100 km/h: 10,2 sec
  • Höchstgeschwindigkeit: 205 km/h
  • Normverbrauch: innerstädtisch: 5,4 l/100 km; außerstädtisch: 4,0 l/100 km; insgesamt: 4,5 l/100 km
  • CO2-Ausstoß: 119 g/km
  • Tankinhalt: 55 Liter
  • Testverbrauch: 5,93 l Diesel/100 km
  • Preis: 47 600 Euro

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