Leichtathletik

50 Jahre LG Offenburg – eine Erfolgsgeschichte

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26. November 2020
Die Speerwerfer Christina Obergföll (r.) und Johannes Vetter (l.) reiften bei der LGO zur Weltklasse. Doch auch andere Athleten prägten die Geschichte der LGO – die bekanntesten sind (oben von links): Hürdenläufer Matthias Bühler, Sprinter Milo Skupin-Alfa, Langhürdler Quentin Seigel, dazu (mittlere Reihe v. l.): Weitspringer Uli Meier, Speerwerferin Isabelle Janz, Hochspringerin Ellen Mundinger (im Foto mit Olympiasiegerin Ulrike Meyfarth) sowie unten (v. l.) Geher Robert Ihly und Mittelstreckler Jörg Haas

(Bild 1/5) Die deutschen Speerwurf-Rekordinhaber Christina Obergföll (r.) und Johannes Vetter (l.) reiften bei der LG Offenburg zur Weltklasse. Doch auch andere Athleten prägten die Geschichte der LGO – die bekanntesten sind (oben von links): Hürdenläufer Matthias Bühler, Sprinter Milo Skupin-Alfa, Langhürdler Quentin Seigel, dazu (mittlere Reihe v. l.): Weitspringer Uli Meier, Speerwerferin Isabelle Janz, Hochspringerin Ellen Mundinger (im Foto mit Olympiasiegerin Ulrike Meyfarth) sowie unten (v. l.) Geher Robert Ihly und Mittelstreckler Jörg Haas. ©Collage: Christel Stetter

Am 26. November 1970 konzentrierten die Leichtathletik-Abteilungen von vier Vereinen ihre Kräfte. Rüdiger Hurrle ist Präsident und großzügiger Mäzen seit der ersten Stunde. Sieben Olympiateilnehmer und mit Christina Obergföll und Johannes Vetter zwei deutsche Rekordhalter.

Man ahnt es sofort: Der kleine rote Ordner hat schon ein paar Jahre erlebt. „1969 – 1999“ steht auf dem Buchrücken. Drinnen ist eine einzige Erfolgsgeschichte, festgehalten in den Jahresheften der Leichtathletikgemeinschaft Offenburg für diesen Zeitraum. „Sport aktuell“ – so wie vor 50 Jahren – heißt die jährliche Vereinschronik noch immer. Mittlerweile gibt es weitere Ordner. „Wenn ich darin blättere, geht mir das Herz auf. Das ist eine richtige Nostalgieveranstaltung“, freut sich LGO-Geschäftsführer Dieter Roth.

Überm Schreibtisch in der kleinen Geschäftsstelle im ETSV-Stadion hängt ein Foto von Roth. Es zeigt ihn als Mitglied der 3x1000-m-Staffel, die 1961 beim Landesturnfest in Offenburg vor 10 000 Zuschauern im Kinzigstadion gewonnen hat. Ein Bild mit Symbolcharakter. Dieter Roth, das ist ein Menschenfänger. Einer, der begeistern kann und noch immer von der Leichtathletik begeistert ist. Einer, der Gott und die Welt kennt und diese Kontakte gerne für seine Ideen nutzt. Einer, der Ziele bis zum St. Nimmerleinstag verfolgt.

Ausgeklügelter Plan

In den 1960er-Jahren war er beim ESV, wie der ETSV vor der Fusion mit dem TV Offenburg hieß, gemeinsam mit Hannes Veit Trainer. Beide hatten den Wunsch, was Großes entstehen zu lassen. „Wir waren an einem Punkt, wo uns klar war: Wir müssen professioneller werden. Wir können nur weiterkommen, wenn wir den Weg selbst bestimmen“, berichtet Roth: „Und in den bisherigen Vereinsstrukturen war dies nicht möglich.“

Also hatten die zwei einen ausgeklügelten Plan: Eine LG als Dachorganisation mit den anderen Offenburger Vereinen musste her. DJK und PSV waren kein Problem, der TVO schon eher. Trainer war dort Gerd Böhle. Der war nicht minder Leichtathletik-verrückt wie Roth und Veit. „Gerd Böhle habe ich dann in einer nächtlichen Aktion in einer Offenburg Bar rumgekriegt“, lacht Roth und erzählt, wie er kurz danach mit Veit in den 13. Stock des Burda-Hochhauses marschiert ist. Dort arbeitete einer, der in Oberkirch einst Leichtathlet war, als 19-Jähriger schon eine deutsche Meisterschaft organisiert hatte und zuvor als Amtsleiter bei der Stadt einiges mit großem Erfolg auf den Weg gebracht hatte: Rüdiger Hurrle.

Gelungener Schachzug

„Ich wusste, er ist der richtige Mann“, freut sich Roth noch heute wie ein kleines Kind über diesen gelungenen Schachzug. „Sie meinten, dass ich der richtige Präsident wäre und das Amt mit fast keiner Arbeit und schon gar nicht mit Sorgen verbunden sein würde“, erinnert sich Hurrle und gibt zu: „Bei diesem Frontalangriff blieb nur noch die Kapitulation.“ Am 26. November 1970 wurde die LG Offenburg gegründet und damit eine einzigartige Erfolgsgeschichte gestartet.

Das erste Jahresheft hatte den Kölner Hürden-Rekordler Martin Lauer, eine schillernde Erscheinung seiner Zeit, als Titelbild. „Weil wir selbst keinen bekannten Athleten hatten“, so Roth. Das sollte sich schnell ändern. Wilhelm Seigel, später auch ein erfolgreicher Trainer, machte als Hochspringer und Hürdenläufer auf sich aufmerksam. Speerwerfer Gerd Simonsen startete 1971 bei den Europameisterschaften, Hochspringerin Ellen Mundinger schaffte es 1972 gar zu Olympia, wurde ein Jahr später Junioren-Europameisterin. Gunhild Hetzel sprang als 16-Jährige bereits 6,28 Meter weit und vertrat beim Frauen-Länderkampf in London Weitsprung-Olympiasiegerin Heide Rosendahl. Immer mehr Athleten kamen und mit ihnen der Erfolg. Die LG Offenburg war deutschlandweit eine Nummer.

Netzwerker auf Betteltour

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Und Dieter Roth, der Netzwerker, ging immer wieder auf Betteltour. Schmunzelnd erzählt er die Geschichte von Gunter Fimm, der aus Schuttern kam. „Ich bin zum Fischer-Louis und habe ihm gesagt, der Fimm kann nur kommen, wenn er ein Moped bekommt.“ Flugs stand vom einstigen Bauunternehmer für den jungen Speerwerfer eine Kreidler Florett bereit.

Ende der 70er-Jahre kam Werner Daniels über Rhede und Karlsruhe nach Offenburg. Erst als Athlet, später trainierte er Christina Obergföll zur Weltklasse-Speerwerferin. „Der nächste Big Point“, so Roth. Teil des Erfolgsgeheimnisses der LGO waren nämlich auch die Trainer. „Wir hatten immer gute, und viele waren auch im Verband als Trainer tätig. Das hat uns enorm weitergebracht.“ Das gilt noch heute: Boris Obergföll ist leitender Speerwurf-Bundestrainer Männer.

Zahlreiche Olympia-Teilnehmer

Doch entscheidend war Rüdiger Hurrle. Noch immer ist der Mann, der später als Klinikunternehmer und Kunstsammler bekannt werden sollte, Präsident der LGO und ihr großzügiger Mäzen. „Er hat uns immer wieder viele Türen geöffnet“, sagt Roth. Und er hat zum großen Teil auch die Rüdiger-Hurrle-Leichtathletikhalle finanziert, die heute auch im Winter beste Trainingsbedingungen bietet. „Es ging mir beruflich sehr gut. Ich empfand es als eine Verpflichtung, die eigenen Möglichkeiten nicht nur für mich selbst einzusetzen, sondern auch in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen“, begründet Hurrle sein großes Engagement. 

Wie kein anderer Verein der Region ist die LG Offenburg regelmäßig bei Olympischen Spielen vertreten. Hochspringerin Ellen Mundinger machte 1972 den Anfang, Weitspringer Uli Meier kostete 1980 der Boykott das Olympia-Ticket, Mittelstreckler Jörg Haas ging 1992 an den Start, Geher Robert Ihly 1992, 1996 und 2000. Von 2004 bis 2016 dauerte die außergewöhnliche olympische Karriere von Christina Obergföll. Vier Starts – zweimal Silber für die Speerwerferin, die auch noch Weltmeisterin und je zweimal Vize-Welt- und Vize-Europameisterin geworden ist. 2012 war Hürdensprinter Matthias Bühler dabei, 2016 erstmals Speerwerfer Johannes Vetter, der ein Jahr später Weltmeister wurde und dessen Bestmarke von 97,76 Metern dem Weltrekord mittlerweile sehr nahe gekommen ist.

Herausragende Talente

Dazu gab es immer wieder Talente, die schon in jungen Jahren Herausragendes geleistet haben: Bernd Adler, Anne Wöltge (heute Nickert), Isabell Janz, Quentin Seigel, Raphael Thoma und heute vor allem Milo Skupin-Alfa – sind nur die bekanntesten Namen.

Die Vereinschronik weist zudem 24 WM-Teilnahmen, 29-EM-Teilnehmer, zehn internationale Medaillen und 79 deutsche Meistertitel auf. Die Statistik ist auch auf dem Briefpapier der LG Offenburg zu finden. Deswegen wird jedes Jahr gerne neues gedruckt.

19 Trainer und 200 Athleten

„Wir sind die älteste noch funktionierende LG in Deutschland“, sagt Dieter Roth nicht ohne Stolz. Die LGO hat heute noch die gleichen Strukturen wie vor 50 Jahren. Neu hinzugekommen sind der TuS Rammersweier, TV Ortenberg und der TV Gengenbach. Mit dem TV Ohlsbach gibt es eine enge Kooperation. 19 Trainer sind für rund 200 Athleten zuständig. Und selbst Corona hat man bisher gut überstanden. „Wir haben auch in diesem Sommer viele neue Kinder im Training begrüßen können“, freut sich Werner Daniels. Und Dieter Roth sieht nach wie vor viele Talente im Stadion. „Um die Zukunft ist es mir da nicht bange.“

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