Nachruf

Bernd Schmider: Sein Antritt war unwiderstehlich

Autor: 
Thomas Kastler
Lesezeit 5 Minuten
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20. März 2014

Auch am Tag danach sitzt der Schock ganz, ganz tief. »Ich liege flach, bin fertig und könnte den ganzen Tag nur heulen«, sagte der frühere OFV-Jugendkoordinator Christoph Wetzel-Veilandics gestern. Da wusste er schon mehr als 24 Stunden lang, dass sein Freund Bernd Schmider nicht mehr lebt. Am Dienstag war der ehemalige Profi-Fußballer aus Wolfach völlig überraschend in seinem Haus in Zunsweier gestorben. Noch ist die Todesursache nicht bekannt. Schmider ist einer der besten Ortenauer Fußballer der Nachkriegszeit. Und einer, der dem Offenburger FV – speziell in den letzten Jahren als Funktionär – ein Gesicht gab. Er wurde nur 58 Jahre alt.

»Hier herrscht totale Trauerstimmung«, sagte OFV-Urgestein Heinz Falk, nachdem die schreckliche Neuigkeit zur Gewissheit geworden war. Bleischwer hängt die unfassbare Nachricht nun über Zunsweier – und auch über Wolfach, wo Bernd Schmider seine Kindheit und Jugend verbrachte. Die Eltern waren die Wirtsleute des renommierten Lokals »Herrengarten«, mitsamt der Kegelbahn schon lange eine wichtige Adresse der lokalen Gastronomie. Doch während sein Bruder Helmut als Koch früh in den elterlichen Betrieb einstieg und ihn später übernahm, zog es »Bernie« Schmider stets auf den Fußball-Platz. Daran änderte auch die kaufmännische Lehre bei einem Möbelhaus nichts.

Die erste Gelegenheit packte Schmider gleich beim Schopf. Der vier Jahre ältere Alfred Metzler, ebenfalls aus Wolfach, wechselte 1973 vom FC Villingen zum Offenburger FV und nahm den 18-jährigen Schmider mit zum Training an die Badstraße. Der legte dort dermaßen los, dass sich Trainer Hans Cieslarczyk verwundert die Augen rieb. Als Schmider schließlich noch aus 25 Metern ein »Gerät« in den Winkel nagelte, hatte »Cis« genug gesehen: »Den nehmen wir.«

Der nur 1,70 Meter große Schmider war ein Volltreffer: beidfüßig, wendig, antrittsschnell, dynamisch und explosiv – im Mittelfeld und auch sonst. Auf dem Platz, wo er meist über die Außenbahn kam, war er kaum zu stoppen – außerhalb konnte er, wenn’s sein musste, auch mal ordentlich Dampf ablassen. Da machte er selbst vor dem »Kaiser« des OFV nicht halt. Sein Kabinenstreit mit »Kalla« Bente wäre heutzutage der Renner auf youtube. Aber – und jetzt kommt’s: Danach standen beide wieder gemeinsam an der Theke der Stadiongaststätte.

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Schmiders Charmeoffensiven samt seinem gewinnenden Lächeln waren so unwiderstehlich wie seine Vorstöße auf dem Rasen – wo ohnehin klar war: Offenburg kann nur eine Zwischenstation auf dem Weg nach oben sein.
Nach zwei südbadischen Meisterschaften mit dem OFV gab es 1975 ein Schlüsselspiel für den Wolfacher. Und zwar in Baden-Baden. Dort traf die südbadische Auswahl, in der auch Kollege Metzler stand, auf die Nationalelf. OFV-Mittelstürmer Hans Hägele, der damals schon als Spielervermittler an allen möglichen Strippen zog, sagte nur: »Ihr müsst was zeigen, VfB-Trainer Istvan Sztani schaut zu ...«

Der wuslige Schmider imponierte dem Ungarn dermaßen, dass es zu einem Vertrag für die damals in der 2. Bundesliga Süd spielenden Stuttgarter reichte. Vom Wasen aus wurde Schmider nach dem Wiederaufstieg in die Bundesliga an den 1. FC Nürnberg ausgeliehen, kehrte 1979 nochmal kurz zum VfB zurück, um dann bei Borussia Mönchengladbach anzuheuern. Dort erlebte er eine illustre Zeit mit Lothar Matt­häus, Armin Veh und Winnie Schäfer als Partner im Mittelfeld – und: Sein Trainer hieß Jupp Heynckes.
Nach 121 Bundesliga- und 13 Europacupspielen kehrte Schmider im Sommer 1983 nach Offenburg zurück. Und passte perfekt in die qualitativ beste Mannschaft, die der OFV je hatte. Am 16. Juni 1984 stand Schmider in der legendären Elf, die im eigenen Stadion gegen Hamm Deutscher Amateurmeister wurde.

Er ließ seine Karriere dort auslaufen, wo sie begonnen hatte – an der Kinzig. Zweimal griff Schmider beim OFV auch noch als Coach ein, forcierte aber die berufliche Schiene beim Sportartikelhersteller Nike. In dieser Zeit lernte er seine Frau Andrea kennen und wurde bei ihr in Zunsweier heimisch. Die beiden gemeinsamen Söhne kamen zur Welt. Felix (25) spielt heute beim FV Rammersweier, Rico (22) war bis vor einem Jahr für den Drittligisten Preußen Münster am Ball.
Als die beiden Jungs dem Zunsweierer Fußballgeschehen entwachsen und zum OFV gewechselt waren, tauchte auch Bernd Schmider dort wieder auf. »Der OFV war ihm immer ein Anliegen – und die Jugendarbeit hat ihn besonders angezogen«, sagt Wetzel-Veilandics.
Schmider, für den es nie halbe Sachen gab, übernahm bald Verantwortung, wurde Vorstand für Jugend und Sport und blieb auch später ohne direktes Führungsmandat der starke Mann an der Badstraße. Als Teamleiter Mannschaftssport bei Nike hatte er jede Menge »Vitamin B«. So kam es, dass 2009 nicht nur der spätere Meister Borussia Dortmund, sondern in den letzten Jahren auch der SC Freiburg, Karlsruher SC und FSV Mainz 05 den Weg zu Testspielen nach Offenburg fanden.

Bei Mitgliederversammlungen konnte Schmider im Stile von Uli Hoeneß mit dem Vereinsschal um den Hals flammende und emotionale Reden halten. Er verkörperte die Abteilung Attacke und war der Mann für Aufbruchstimmung, was in den zähen Jahren nach der Steueraffäre des Vereins erfrischend war. Und mit seinem ausgewiesenen Fußball-Verstand konnte er stets allen zeigen, wo der Barthel den Most holt.

Schmider formte in seiner Zeit als Sport-Vorstand auch das »Kabinett« um Uwe Hoffmann, das am 25. Januar 2010 den Vereinssanierer Jürgen Görhardt als OFV-Chef ablöste. Weil Schmider bei Nike in Sachen Ausrüstung neben dem deutschen Fußballmarkt dann auch noch den von Österreich und der Schweiz übernahm, musste er beim OFV schrittweise kürzertreten. Nach einem Intermezzo im Aufsichtsrat zog er sich im Frühjahr 2013 schließlich ganz zurück.
Dass es ein Abschied für immer sein würde, kann noch keiner wirklich fassen. Obwohl man seit zwei Tagen weiß, dass es so ist.

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