Lokalsport

Das Glück in der Hand

04. November 2009

Von Isabelle Janz
Ein grüner Wagen parkt vor dem neuen Vereinsheim der selbsternannten »Snookersüchtigen« aus Offenburg. WF 147. Das sind die Initialen von Florian Werres, dem deutschen Jugendmeister der U21 diesen Jahres. »Und 147 steht für das höchste Break, das ein Snookerspieler erreichen kann«, lüftet Werres den sportlichen Sinn seines Kennzeichens.
Etwas versteckt im DJK-Zentrum befindet sich die »Trainingsoase« der Snookerliebhaber. Das Heiligtum, der Snookertisch mit den bunten Kugeln, verteidigt seinen Platz in der Mitte des Raumes standhaft auf allen acht Beinen. Die Räumlichkeiten bieten zudem genügend Platz für eine schwarze »Wohlfühl-Couch« und einen Tresen für durstige Sportler.
Vor genau viereinhalb Jahren schaltete Florian Werres durch die TV-Programme und blieb gebannt bei der Übertragung eines Snookerturniers hängen. »Snooker, die Königsdisziplin des Billardsports, Mann gegen Mann oder gegen sich selbst, der Gentlemen- Sport schlechthin, anspruchsvoll und variantenreich«, weiß Werres heute, warum er damals überzeugt war: »Snooker muss sein!«
Prompt besorgte er sich mit ein paar Freunden einen Snookertisch. Das Manko: »Der Tisch war größer als erwartet«, und damit gibt Werres zu, sich der unbekümmerten Kauflust hingegeben zu haben.
Das Zimmer bei Werres zu Hause war fast zu klein. Da half nur: »Die Queues ein Stück abzusägen und die Fenster zu öffnen, damit man keine Löcher und Flecken an der Wand hinterließ.« Fast täglich stießen die Freunde nun die Kugeln in die Taschen. Das Resultat: Florian Werres nahm nach einiger Zeit an Turnieren teil. Und das mit Erfolg.
Trainieren konnte er mittlerweile in einer Offenburger Spielhalle an Originaltischen. »Damals benötigte ich noch eine Sondergenehmigung der Polizei. Ich war doch erst 17!«, erinnert sich Werres. Für einen angehenden »Snookerkönig« war die Spielhölle mit den dicken Rauchwolken und dem Automatenlärm jedoch alles andere als optimal. »Die Konzentration hat unter diesen Bedingungen unheimlich gelitten«, so Werres.
Die Zeit schrie nach Veränderungen. Und dann, nach drei Jahren Überredungskunst der Sportstadt Offenburg und etlichen Umwegen, hat Florian Werres es heute geschafft, seinen eigenen Verein mit einem neuen Vereinsheim zu gründen. »Jeder ist herzlich willkommen, ob Profi oder Anfänger«, lädt der ehemalige Bundesligaspieler des SC 147 Karlsruhe Interessierte und Neugierige zum Training ein.
Dabei feilt der angehende Mediamanagement-Student viermal in der Woche selbst an seiner Technik. »Das ist noch meine größte Schwäche«, erklärt er überzeugend. Der Laie kann bei dieser Aussage nur die Stirn runzeln, wenn er beobachtet, wie der amtierende deutsche Meister sich auf den Tisch zubewegt, sich positioniert, die Augen spaßeshalber schließt und die Kugeln routiniert mit einem leisen Klack im Loch versinken lässt.
Mit Bällen hat Werres generell ein gutes Händchen beziehungsweise gute Beine. Sei es als talentierter Basketballer oder als potenzieller Fußballer. Mit seinem Rekord im Snooker, in einem Break 30 Kugeln hintereinander zu versenken (107 Punkte), kann er bei seinen Hobby-Sportarten jedoch nicht mithalten.
Im April 2010 möchte Werres als Titelverteidiger bei den deutschen Meisterschaften nicht nur den Tisch, sondern auch den Titel abräumen. Dabei vertraut der Wettkampftyp auf seine Nervenstärke. Sein Primärziel ist es allerdings, auf internationalem Terrain zu spielen. Die Tür zur letzten U21-WM stand schon einmal offen, jedoch war sie versehen mit dem Schild: Betreten auf eigene Gefahr! »Die WM fand im Iran statt, zeitgleich mit den Wahlen«, erinnert sich Florian Werres an die Probleme. »Meine Eltern sahen mich schon beerdigt, und der Bundestrainer wollte kein Risiko eingehen. Ich musste die Absage akzeptieren.«
Aber Ziele bleiben Ziele. Die WM kommt wieder – und mit dem Queue hat Florian Werres auch sein Glück erneut in der Hand.

@ http://www.
snookersuechtige.de.tf

Autor:
Isabelle Janz

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