Lokalsport

»Der OFV ist ein Markenartikel«

Autor: 
Thomas Kastler
Lesezeit 5 Minuten
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27. März 2001
Aufbruchstimmung beim Fußball-Landesligisten Offenburger FV: Nach der Steueraffäre hat der Deutsche Amateurmeister von 1984 neue Ziele: Aufstieg in die Verbandsliga, Stärkung der Finanzkraft, Stadion-Sanierung und noch intensivere Jugendarbeit. »Der OFV muss wieder ein Gegenpol zu den Zentren Karlsruhe und Freiburg werden. Daher ist die Oberliga ein Gebot«, peilt Vorsitzender Armin Woll mittelfristig die Rückkehr in alte Gefilde an. »Der OFV in Offenburg« war das Thema beim 9. Sport-Stammtisch der MITTELBADISCHEN PRESSE mit zwölf Vertretern von Verein, Stadt und Wirtschaft.
Offenburg. Nach dem Zugriff der Steuerbehörden, der 1991 begann, stand der Offenburger FV zeitweilig vor dem Ruin. Nach anfangs 1,7 Millionen Mark Steuernachforderungen einigte man sich nach zähen Verhandlungen schließlich mit dem Finanzamt auf 1,4 Millionen Mark, die im Laufe der Jahre auch von seiten ehemaliger Spieler abzutragen waren. Im Herbst 1999 ging die schwierigste Zeit der Vereinsgeschichte mit der letzten Rate an den Fiskus zu Ende. »Der Verein ist aus der Sache raus«, sieht Armin Woll, der letzte von fünf betroffenen OFV-Vorsitzenden seit 1991, die Vergangenheit bewältigt. Auch wenn der ehemalige Hauptsponsor Louis Fischer und das frühere Vorstandsmitglied Klaus Göppert persönlich noch ein Verfahren in Freiburg laufen haben: »Wir treten ja als Schuldner des Vereins auf. Ich habe schon 100 000 Mark bezahlt, und hoffe nun, mit 60 000 Mark davonzukommen«, so Fischer am Montagabend. Trotz allem bejahten die Gesprächsteilnehmer eindeutig die Frage von Moderator Thomas Kastler, Sportchef der MITTELBADISCHEN PRESSE, ob es sich gelohnt habe, den Namen OFV zu erhalten. Georg Heigrodt drückte es am prägnantesten aus. »Für uns ist der OFV ein Markenartikel. Die Produkte sind die sportliche Leistung. Da fehlt`s zwar noch, aber die Marke ist da«, sagte das Mitglied der Geschäftsleitung von Vivil. Die Offenburger Firma ist seit 20 Jahren Trikotsponsor des OFV und hat auch in den schwierigen Zeiten zum Traditionsklub von der Badstraße gestanden - »wie auch die Kronen-Brauerei, Peterstaler Mineralquellen und Louis Fischer. Ohne die wäre der Kompromiss mit dem Finanzamt gar nicht möglich gewesen«, betonte Armin Woll. Jugend als Kapital Um wieder an erfolgreiche Zeiten anzuknüpfen, benötigt der OFV Geld. Der Gesamt-Etat des Vereins müsste mittelfristig laut Woll von 350 000 Mark auf 500 000 Mark gesteigert werden. Keine einfache Aufgabe, auch wenn alle betonten: »Es gibt aufgrund der Steueraffäre keine negativen Auswirkungen mehr bei den Sponsoren.« »Der Ruf ist gut. Das hört man immer wieder aus Sportlerkreisen«, erklärte Thomas Vogt, Vorsitzender des Sportkreises Offenburg. Heigrodt ergänzte: »Der OFV ist für eine regionale Firma eine gute Plattform.« Nicki Streit sieht den Verein auf dem richtigen Weg. »Mit Bandenwerbung und Stadionzeitung machen wir schon wieder einen Umsatz von 80 000 Mark. Zu Oberliga-Zeiten waren es auch nur 100 000 Mark«, so der Verantwortliche für den Vereins-Vermarkter OSW (Offenburger Sport-Werbung). Um mehr zu bewegen, muss nun der sportliche Erfolg kommen - sprich der Aufstieg in die Verbandsliga. »Das ist ein Kreislauf. Mit dem sportlichen Erfolg springen auch wieder die Sponsoren auf«, glaubt Woll. Das größte Kapital ist derzeit die erfolgreiche Jugendarbeit. Aushängeschild sind die A-Junioren in der Regionalliga, die in der höchsten deutschen Nachwuchsklasse gegen Topvereine wie Bayern München, VfB Stuttgart und SC Freiburg spielen. 80 000 bis 100 000 Mark aus dem Haushalt fließen in die Jugendarbeit. Geld, das gut angelegt scheint. Wurden doch immerhin 15 von 19 Spielern der aktuellen Landesliga-Mannschaft irgenwann einmal in der OFV-Jugend ausgebildet. Dennoch gibt es ein Umwandlungs-Problem vom Jugend- in den Seniorenbereich. »Unsere Jugendspieler werden derzeit von allen Seiten umworben«, so Spielleiter Karlheinz Kuderer, der befürchtet, dass Klubs mit mehr Geld wie Verbandsligist SV Linx oder die Oberligisten SC Bahlingen und FC Denzlingen das Rennen machen und der OFV leer ausgeht, obwohl er in die jungen Spieler investiert hat. Ein Vorwurf richtet sich dabei auch an den südbadischen Verband: »Die Wechselbestimmungen machen kleine Vereine kaputt. Wenn ein Jugendspieler irgendwo einen Amateurvertrag bekommt, entfällt die Ausbildungsvergütung, und er ist sofort frei«, so Kuderer. Ein zentraler Punkt im Zukunfts-Konzept des OFV ist auch die Sanierung des Karl-Heitz-Stadions. Die 44 Jahre alte »Müllkippe« (Kuderer) soll bis 2004 für rund 1,4 Millionen Mark zu einem Sportpark aufgerüstet werden. Der Tribünenanbau mit neuen Umkleiden sowie die Sanierung von Gaststätte/Geschäftsstelle, Kassenhäuschen und Spielfeldern wird in drei Stufen durchgeführt. Stadion-Sanierung Der 2. Vorsitzende des OFV, Uwe Feiler, erläuterte die Machbarkeit: 690 000 Mark von der Stadt, 190 000 Mark vom Sportbund, 100 000 Mark an Sachspenden, dazu ein Baustein-Konzept als Spende, bei dem jeder einen Stein zu 1000 Mark erwerben kann, der sichtbar in der Gaststätte angebracht wird, und 200 000 Mark vom Verein. »Das Geld gedenken wir über die Verpachtung der Gaststätte wieder reinzubringen«, erklärt Feiler. Die Stadiongaststätte soll demnächst zu einem symbolischen Kaufpreis von einer Mark von der Stadt in den Besitz des OFV übergehen. »Wenn wir wieder eine Immobilie haben, sind wir wieder wer«, frohlockt Armin Woll, der auch etwas gegen den Mitgliederschwund von 750 zu Oberliga-Zeiten auf »blamable« 330 tun will. »Schließlich bedeuten 300 Mitglieder mehr auch 30 000 Mark pro Jahr mehr in der Kasse«, sagte der OFV-Vorsitzende. Das Feld für eine bessere Zukunft ist also bestellt. Mit Blick auf die Kritiker und Winfried Schäfers gescheiterter Vision vom »KSC 2000« im Hinterkopf warnt Otmar Bürgelin allerdings vor vollmundigen Parolen: »Der OFV muss einen Schritt nach dem anderen machen. Er hat Struktur, ist in Aufbruchstimmung, muss aber vorsichtig sein in der Zielformulierung. Wenn wir uns die Verbandsliga erspielen, wird es jedoch weiter aufwärts gehen«, sagte der OFV-Trainer, der mit seinem jungen Team in der Landesliga als Tabellenzweiter den Aufstieg anpeilt, vorsichtig. Beim OFV scheint man aus alten Fehlern gelernt zu haben. Warten wir`s ab.

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