Lokalsport
Dossier: 

Der Titelhamster im »Fuchsbau«

Autor: 
Michaela Quarti
Lesezeit 6 Minuten
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23. Juli 2013

©Ulrich Marx

Die Ausbeute ist beeindruckend: ein Jahr Berlin, drei deutsche Meistertitel geholt. »Alles richtig gemacht«, lacht Handballer Moritz Schade beim Heimatbesuch in der Ortenau und zeigt stolz seine drei Medaillen.

  • Deutscher Meister mit der B-Jugend der Füchse Berlin
  • Deutscher Meister mit der A-Jugend der Füchse Berlin
  • Sieger im Bundesfinale von »Jugend trainiert für Olympia« mit dem Coubertin-Gymnasium Prenzlauer Berg

»Es ist unfassbar. Damit hätte ich nie gerechnet«, freut sich der 17-jährige Offenburger, der einst bei den Minis des TuS Schutterwald mit dem Handball begonnen hat und nun im Berliner »Fuchsbau« einer der Hoffnungsträger ist.

In den vergangenen Jahren war bei Moritz Schade der Traum gereift, »einmal Bundesliga zu spielen«. Nach einer Sichtung des Deutschen Handball-Bundes Anfang 2012 stand für den damaligen Schüler des Offenburger Schiller-Gymnasiums fest: Das ist der richtige Moment für einen Wechsel. Und da für den 16-Jährigen »nur Berlin in Frage gekommen ist«, brach er wenig später mit der Familie in die Hauptstadt auf. Erst mal nur zum Informieren, denn Mama Cosima und Papa Thomas fanden die Idee ihres jüngsten Sohnes so klasse nicht.

Kreisläufer Moritz imponierte dann im Probetraining Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning, während die Eltern sich das Internat im Sportforum Höhenschönhausen ansahen. »Das hat auch sie überzeugt, dass ich gut aufgehoben bin«, erzählt Moritz Schade.

Im Berliner »Fuchsbau«, mittlerweile die Top-Adresse im deutschen Handball-Nachwuchsbereich, hatte er sich nach dem Umzug schnell reingefunden, er durfte auch relativ viel spielen, bis ihm am 11. November das Labrum in der Schulter gerissen ist. Operation in Bonn, vier Monate Pause – und das rund 750 Kilometer von Familie und Freunden entfernt. »Leicht war es nicht, die anderen spielen zu sehen. Doch ich hatte tolle Leute um mich, die mich aufgefangen haben«, betont Schade. Auch Bob Hanning hat beeindruckt, wie der Kreisläufer nach der Verletzung zurückgekommen ist. »Das zeugt von Ehrgeiz und Willensstärke.«

In Berlin kann sich Moritz Schade voll auf den Sport konzentrieren. Alles ist dem Handball untergeordnet, die Schule inklusive. Das Coubertin-Gymnasium, eine Elite-Schule des Sports und laut Eigenwerbung »die erfolgreichste Schule Deutschlands«, richtet sich sogar nach den Trainingseinheiten. Ein Tag im Leben des Moritz Schade sieht so aus: Training von 7.45 bis 9.15 Uhr, danach Schule von 9.50 bis 15.40 Uhr und von 17 bis 18.30 Uhr noch mal Training.

Im Internat in Höhenschönhausen lebt der 17-Jährige auf rund 15 m2 mit dem aus Nürnberg stammenden Max Scheithauer. Relativ spartanisch ist das Zimmer eingerichtet, das Essen gibt es in der Schule oder der Mensa. In vier Häusern auf dem Sportforum Höhenschönhausen sind Talente diverser Sportarten untergebracht. »Es ist fast ein kleines olympisches Dorf«, merkt Schade an.

Auch die Sportprominenz gibt sich in Deutschlands größtem Olympia-Stützpunkt die Türklinke in die Hand. Diskus-Riese Robert Harting trainiert hier, auch Schwimmerin Britta Steffen oder die Eisbären Berlin. Der Kontakt zu den Handball-Profis der Füchse Berlin ist eh vorhanden. Schon in der Vorbereitung gab es ein Trainingslager mit allen Füchse-Mannschaften. Motto: Die Profis geben Tipps an die Jüngeren weiter. Sie haben auch vorbeigeschaut, als die Jungfüchse um Schade Anfang Juni binnen einer Woche mit A- und B-Jugend die deutsche Meisterschaft feiern konnten.

Dass sich Bob Hanning persönlich um den Nachwuchs kümmert, ist für Schade das Sahnehäubchen. »Er ist für mich der beste Trainer überhaupt. Er schafft es, uns so vorzubereiten, dass wir fast alle schlagen«, schwärmt er. Darüber hinaus achtet Hanning darauf, dass sich die Stars von morgen wohlfühlen. »Er geht mit uns essen, ins Kino, ins Theater oder auch ins Kasino«, berichtete der Offenburger.

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Bob Hanning hat zuletzt immer wieder betont, dass Sportler auch zu Persönlichkeiten ausgebildet werden sollen. »Ich bin der Meinung, dass alles hilfreich ist, was man an zusätzlichen Informationen bekommt. Und mit ein paar Anstandsformen kommt man später auch im Arbeitsleben weiter«, erklärt Hanning, weshalb er seine Talente sogar zu einem »Benimmkurs« schickt. Moritz Schade, der keinen Vertrag mit den Füchsen hat, ist jedenfalls überzeugt: »Besser als in Berlin könnte ich es nirgends haben. Ich habe nicht vor zu wechseln.«

Dass er kaum noch Freizeit hat, nimmt er gerne in Kauf. »Die verbringe ich im Bett, um mich zu regenerieren.« Manchmal geht der Fan des Sportclubs Freiburg auch zum Fußball – dann aber lieber zu Union als zu Hertha BSC Berlin. Fast hätte er selbst sogar eine Fußball-Karriere eingeschlagen. Parallel zum Handball in Schutterwald spielte er nämlich auch beim Offenburger FV, hatte sogar ein Angebot vom SC Freiburg. »Doch Handball habe ich mein ganzes Leben gespielt. Da sah ich einfach die besseren Chancen.«

Mittlerweile ist Moritz Schade auch in der Jugendnationalmannschaft angelangt. Fünf Länderspiele und zehn Tore stehen für den Kreisläufer zu Buche, der sich seine ersten Sporen einst auf der Mittelposition verdiente. »Die Konkurrenz war dann zu groß, aber am Kreis hat es gepasst«, schmunzelt Schade, der mit 1,92 Metern und 92 Kilogramm auch körperlich gut dabei ist.

Seine Ziele sind klar abgesteckt. Zwei Jahre spielt er noch in der Jugend der Füchse Berlin. »Da will ich noch zweimal deutscher Meister werden und mich so gut, wie es geht, für den Profikader empfehlen.«

»Moritz hat noch viel Potenzial«, sieht Bob Hanning Reserven und fordert nun »Nachhaltigkeit« ein. »Er muss bereit sein, all das zu nutzen, was ihm der Verein bietet. Das heißt, dass er die Komfortzone verlassen muss. Leistungssport tut jeden Tag weh.«

Moritz Schade ist gerade dabei, das zu verinnerlichen.

Am nächsten Dienstag lesen Sie: Tischtennisspielerin Theresa Lehmann von der DJK Offenburg.

Steckbrief: Moritz Schade

Geburtstag: 10. Januar 1996
Wohnort: Berlin
Geburtsort: Offenburg
Familie: Mutter Cosima, Vater Thomas, Bruder Lukas (19/Handballer HGW Hofweier)
Schule: Coubertin-Gymnasium Berlin (11. Klasse)
Verein: seit 2012/13 Füchse Berlin, davor TuS Schutterwald
Größte Erfolge: deutscher A- und B-Jugend Meister 2013, Sieger bei Jugend trainiert für Olympia 2013; 5 Länderspiele/10 Tore

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