Lokalsport

»Er spielte mit der Handgranate«

Autor: 
Kastler Thomas
Lesezeit 4 Minuten
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07. Juli 2012

Simon Schobel (62) hat mit seinem legendären Fenstersprung aus dem Hofweierer Gasthof »Rössle« nicht nur 35 Jahre Handball-Bundesliga in der Ortenau ins Rollen gebracht. Der gebürtige Siebenbürge, der sich im März 1973 aus Rumänien in den Westen aufmachte, kann mit den Geschichten, die sein Leben schrieb, aus dem Stand ein abendfüllendes Programm bieten. Beste Unterhaltung garantiert.

Olympia und Schobel – das sind vor allem zwei Schlagzeilen: das Attentat von München 1972 und die Verschwörungstheorie von Los Angeles 1984.

München, der 5. September 1972. Ein Dienstag. Jäh hat der Überfall palästinensischer Terroristen aufs Quartier der israelischen Mannschaft die so fröhlichen Spiele aus ihrem heiteren Himmel gerissen.

Es war so grotesk.

Schobel, 22 und ein aufstrebender rumänischer Handballer mit urgewaltiger Klebe, stand auf der Veranda im Dorf und sah zu, wie auf dem Balkon gegenüber maskierte Männer mit Politikern verhandelten. Schobel: »Während sie diskutierten, warf einer eine Handgranate hoch und fing sie wieder auf.« Mehr bekam er nicht mehr mit – das Betreten des Balkons wurde untersagt.

Sportlich gingen die Spiele trotz insgesamt 15 Toten nach dem Machtwort von IOC-Chef Avery Brundage (»The games must go on«) weiter – und für Rumäniens Handballer mit Bronze erfolgreich zu Ende. Wenngleich Schobel heute noch schwört: »Die Tschechen hätten wir im Finale weggeblasen.« Aber sein Team um Superstar Gheorge Gruia war zuvor am späteren Olympiasieger Jugoslawien gescheitert, dessen Team vom Willstätter Ex-Coach Hrvoje Horvat dirigiert wurde.

Doch der junge Schobel hatte schon die Flucht im Kopf. »München war eine Bühne, mich zu präsentieren«, wusste er damals schon. »Ich sah in Rumänien keine Zukunft nach dem Sport«, sagt er. Als im Dezember 1972 sein Vater starb, war klar: »Ich kann der Familie nur helfen, wenn ich aus dem Land rauskomme.«

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Kontakte nach Hofweier bestanden bereits, und so plante Schobel seine Flucht beim anstehenden Gegenbesuch im Frühjahr 1973. »Über die Donau schwimmen ging nicht«, sagt er, »die Grenzer hatten Schussbefehl wie in der DDR.«

Im Handumdrehen warf Schobel dann den TuS Hofweier in die Bundesliga und gehörte auch schon zum deutschen Kader für Olympia 1976 in Montréal. Aber in der Endphase der Vorbereitung holte er sich einen Kapselriss in der Schulter des Wurfarmes. Eine böse Verletzung. Doch der Freiburger Mediziner Armin Klümper kriegte ihn wieder flott.

Ins Nationalteam aber kehrte der 1,96-m-Hüne nicht mehr zurück. Stattdessen wurde er nach dem Karriereende Studienleiter der Sportschule Steinbach. Ein guter, ein sicherer Job. Deshalb geriet Schobel ins Schleudern, als im Frühjahr 1982 ein Anruf aus Dortmund kam. Der Offenburger Engelbert Heck, TK-Chef beim Deutschen Handball-Bund, fragte: »Kannst du kommen?« Schobel staunte nicht schlecht, was auf ihn zukam. »Magier« Vlado Stenzel hatte gerade bei der missratenen WM im eigenen Land seinen Zauber verloren – und der DHB suchte einen neuen Bundestrainer.

Nach einigem Zaudern betrat Schobel mit 32 die ganz große Bühne. Die Olympia-Qualifikation verpasste er mit seiner Glücksgeneration um Martin Schwalb und die Roth-Zwillinge, profitierte dann aber vom Boykott starker osteuropäischer Nationen. Für Nachrücker Deutschland tat sich plötzlich 1984 in Los Angeles die ganz große Chance auf.

Nach fünf Siegen aus fünf Spielen standen seine Jungs im Finale gegen Jugoslawien. Am Ende hieß es 17:18. Und »Silber«-Simi Schobel ärgerte sich über das geklaute Gold. Denn: Die Schiedsrichter hatten mit 9:1 Siebenmetern seiner Meinung nach das Spiel manipuliert. Nach dem Spiel, erzählt er, sei es zum Dialog mit dem aus Lörrach stammenden Generalsekretär des Weltverbandes gekommen, Dabei habe Max Rinkenburger gesagt: »Merk’ dir eins: Gold gewinnst du erst, wenn wir dich lassen – und deine Zeit ist noch nicht gekommen...« Dann ging der Gaul mit Schobel durch, er wollte Rinkenburger an den Kragen, aber seine Spieler warfen ihn zur Abkühlung in den Pool.

Seither hat Schobel eine Menge mit- und durchgemacht. Bis hin zu acht-monatiger U-Haft wegen einer Steuergeschichte. Jetzt lebt er wieder in Rumänien und ist Geschäftsführer eines Möbelherstellers in Hermannstadt.

Neulich zur Abschiedsgala von Heiner Brand kam er nach Mannheim. Ein Reporter von »Sport-Bild« hat ihn gefragt, ob er nicht noch mal in der Bundesliga einsteigen möchte. Das ging Simon Schobel runter wie Öl. Aber geantwortet hat er dann: »Eins möchte ich nie mehr sein – abhängig davon, ob der Ball vom Pfosten ins Tor springt – oder nicht.«

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