3. Fußball-Liga

Karlsruher SC zum Wiederaufstieg verdammt

Autor: 
Christoph Ruf
Lesezeit 3 Minuten
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20. Juli 2017
KSC-Trainer Marc-Patrick Meister (KSC) zeigt den Spielern Malik Karaahmet, Marc Lorenz, Valentino Vujinovic, Kai Bülow und Andreas Hofmann (von links), wo es langgeht.

KSC-Trainer Marc-Patrick Meister (KSC) zeigt den Spielern Malik Karaahmet, Marc Lorenz, Valentino Vujinovic, Kai Bülow und Andreas Hofmann (von links), wo es langgeht. ©GES-Sportfoto

Nach der abgelaufenen Katastrophensaison leistet sich der Karlsruher SC einen gut zusammengestellten, aber teuren Kader. Nichts anderes als der direkte Wiederaufstieg in die 2. Liga ist das Ziel des Fußball-Drittligisten, der am Freitag mit einem Heimspiel (20.30 Uhr) gegen den VfL Osnabrück in die Saison startet.

 

Am vergangenen Sonntag sind 20 000 Menschen in den Wildpark gekommen, obwohl dort nicht einmal ein Fußballspiel stattfand. Das alleine wäre schon seltsam, doch angesichts der jüngeren Geschichte des gerade aus der 2. Fußball-Bundesliga in die 3. Liga abgestiegenen Karlsruher SC ist die Unterstützung, die die Badener beim traditionellen »Familientag« erfuhren, schier unglaublich. »Einfach geil«, fanden das Spieler wie der aus Darmstadt gekommene Stürmer Dominik Stroh-Engel, während Trainer Marc-Patrick Meister gesetztere Worte fand. Er sprach lieber von einem »riesigen Vertrauensvorschuss«. 

Zwei Rekorde
Und das aus gutem Grund, schließlich war nach der zurückliegenden Katastrophensaison nicht unbedingt damit zu rechnen gewesen, dass die Fan-Basis so schnell wieder versöhnt sein würde. Mit mickrigen 25 Punkten verabschiedete man sich ja am 21. Mai aus der Zweiten Liga, nicht ohne dabei gleichzeitig zwei Rekorde aufzustellen. Der KSC schoss am wenigsten Tore, kassierte dafür aber am meisten Gegentreffer.
Es war eine Saison, die Keeper Dirk Orlishausen »die schlimmste meiner Karriere« nannte. Als Kapitän habe er die Brandherde in der heillos zerstrittenen Mannschaft löschen wollen. »Aber irgendwann wusste ich gar nicht mehr, wo man anfangen sollte.«
Dass die Atmosphäre im Team rettungslos vergiftet war, dürfte dann auch ein Grund gewesen sein, warum Sportdirektor Oliver Kreuzer den Kader im Sommer fast komplett austauschte. Außer Orlishausen, der seinen Stammplatz an Benjamin Uphoff verlor, Matthias Bader, Marcel Mehlem und Martin Stoll ist kein Spieler mehr aus der vergangenen Saison übrig, der Chancen auf einen Platz in der ersten Elf hätte. 

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Finanziell abhängig von Pilarsky
Geholt wurde dafür jede Menge Routine und Qualität. Spieler wie David Pisot, Marc Lorenz, Anton Fink, Andreas Hofmann oder der neue Kapitän Kai Bülow sind eine Klasse für sich in der Dritten Liga und scheinen – sofern die Eindrücke aus den Testspielen und dem Trainingslager nicht trügen – dem KSC sofort weiterzuhelfen. Dass 17 von 20 Drittliga-Trainern den KSC zum Topfavoriten auf den Aufstieg erklären, spricht dann auch für sich.
Dass die Badener nach der desaströsen vergangenen Saison, die mit einem massiven Zuschauerschwund einherging, wieder solch große Sprünge auf dem Transfermarkt machen konnten, haben sie allerdings nur einem Mann zu verdanken: Vizepräsident Günter Pilarsky, der mit seinen Millionen wieder in die Bresche sprang, um einem Verein kostspielige Transfers zu ermöglichen, die er aus eigener Kraft nie hätte stemmen können. Im Gegenteil: Ohne die Bürgschaften des schwerreichen Unternehmers hätte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) dem KSC wohl die Lizenz entzogen.

Weniger TV-Gelder
Die prekären Finanzen – und die dadurch zementierte Abhängigkeit von Pilarsky – sind ein weiterer Grund, warum der KSC die Dritte Liga nicht dauerhaft finanzieren kann. Statt der elf Millionen an TV-Geldern, die der KSC bei einem Klassenerhalt eingenommen hätte, wird er in der dritthöchsten Spielklasse nur rund 800 000 Euro erlösen. Das ist viel zu wenig, um einen solch ambitionierten Kader zu finanzieren. Der KSC ist also zum Wiederaufstieg verdammt. Allem Anschein nach hat er aber auch eine Mannschaft beisammen, mit der das ehrgeizige Ziel zu schaffen ist.

Info

STECKBRIEF: Karlsruher SC

Der Verein (www.ksc.de):
Präsident: Ingo Wellenreuther (seit 17. November 2010)
Vizepräsident: Günter Pilarsky (seit 17. November 2010), Holger Siegmund-Schultze (seit 24. September 2016)

Sportdirektor: Oliver Kreuzer (seit 1. Dezember 2016)
Teammanager: Burkhard Reich (seit 1. Juli 2011)

Erfolge: Deutscher Meister (1909), DFB-Pokalsieger (1955 und 1956), UEFA-Pokal-Teilnahme (1993/94,Halbfinale), 1996/97 und 1997/98 (jeweils Achtelfinale), DFB-Hallen-Pokal-Sieger (1995), DFB-Pokal-Finalist (1996) UI-Cup-Gewinner (1996) 

Saison 2016/2017: Platz 18 in der 2. Liga. 
Saisonziel 2017/2018: Sofortiger Wiederaufstieg. 
Stadion: Wildparkstadion, 28 752 Zuschauer.
Zuschauerschnitt 2016/2017: 14 142 Zuschauer.
Geplanter Zuschauerschnitt 2017/2018: 11 000 Zuschauer
Dauerkarten 2016/2017: 7300.
Dauerkarten 2017/2018: 5700  (Stand 18.Juli)
Trikotwerbung: Klaiber Markisen.
Etat 2017/2018: ca. 5 Millionen Euro.

Der Kader:
Tor: Jens Uphoff (28), Dirk Orlishausen (1), Sebastian Gessl (28)
Abwehr: David Pisot (5), Daniel Gordon (3), Martin Stoll (4), Jonas Föhrenbach (25), Severin Buchta (17), Matthias Bader (35), Burak Camoglu (2), Ylli Salahi (-).
Mittelfeld: Andreas Hofmann (6), Kai Bülow (13), Marcel Mehlem (8), Marc Lorenz (7), Marvin Wanitzek (10), Boubacar Barry (11), Marvin Wanitzek, Alexander Siebeck (14), Florent Muslija (23).
Angriff: Fabian Schleusener (24), Anton Fink 30), Oskar Zawada (9), Dominik Stroh-Engel (27) , Valentino Vujinovic (20), Malik Karaahmet (19), Nathaniel Amamoo (22), Kai Luibrand (29).
Zugänge: Jens Uphoff (VfB Stuttgart), David Pisot (Würzburger Kickers), Daniel Gordon (SV Sandhausen), Jonas Föhrenbach (ausgeliehen von SC Freiburg), Burak Camoglu (Borussia Dortmund), Andreas Hofmann (Greuther Fürth), Kai Bülow (1860 München), Marc Lorenz (SV Wehen Wiesbaden), Marvin Wanitzek (VfB Stuttgart), Alexander Siebeck (RB Leipzig), Fabian Schleusener (ausgeliehen von SC Freiburg), Anton Fink (Chemnitzer FC), Dominik Stroh-Engel (Darmstadt 98), Malik Karaahmet (Eintracht Frankfurt), Nathaniel Amamoo (SC Freiburg).

Abgänge: René Vollath (KFC Uerdingen), Moritz Stoppelkam (FC Erzgebirge Aue), Bjarne Thoelke (HSV), Niklas Hoffmann (SC Freiburg II), Manuel Torres (Greuther Fürth), Benedikt Gimber (Jahn Regensburg, war aus Hoffenheim ausgeliehen), Jonas Meffert (zurück zum SC Freiburg, war ausgeliehen), Marvin Mehlem, Florian Stritzel (beide SV Darmstadt 98), Florian Kamberi (Grasshoppers Zürich), Fabian Reese (Schalke 04, war ausgeliehen), Gaétan Krebs (SV Elversberg), Enrico Valentini (1. FC Nürnberg), Grischa Prömel (Union Berlin), Dimitrios Diamantakos (VfL Bochum), Stefan Mugosa (1860 München, war ausgeliehen), Pierre Fassnacht (1. FC Saarbrücken), David Kinsombi (Holstein Kiel), Franck Kom, Yann Rolim, Hiroki Yamada, Jordi Figueras, Charalampos Mavrias, Tim Grupp, Erwin Hoffer (alle Ziel unbekannt).

Trainer: Marc-Patrick Meister (seit 4. April 2017).
Co-Trainer: Christian Eichner, Zlatan Bajramovic.
Torwarttrainer: Kai Rabe (seit 1. Juli 2012)
Athletiktrainer: Florian Böckler (seit 1. Juli 2016)
Mannschaftsarzt: Marcus Schweizer (seit 1. Juli 2003)
Zeugwart: Hüseyin Cayoglu (seit 1. August 1993)
Stadionsprecher: Martin Wacker (seit 1. Juli 2000)

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