Serie zum Saisonstart: SC Sand (Frauenfußball-Bundesliga)

Klassenerhalt primäres Ziel

29. August 2017
&copy Urlich Marx

Mit einem relativ kleinen Kader von 21 Spielerinnen startet DFB-Pokalfinalist SC Sand am kommenden Sonntag bei Neuling SV Werder Bremen in die neue Saison. Primäres Ziel ist der Klassenerhalt, so  Trainer  Sascha Glass und der sportliche Leiter Dieter Wendling.

 

»Perfekt aufgenommen« in Sand fühlt sich der neue Coach Sascha Glass, der vom VfL Wolfsburg II ins Hanauerland gekommen ist und einen Zweijahres-Vertrag unterschrieben hat. Der 44-Jährige brachte seine bisherige Co- und Fitness-Trainerin Mirella Junker (27) mit. Außerdem ist seine Freundin inzwichen nach Sand umgesiedelt. »Privat fühlen wir uns sehr wohl – und sportlich wurden Mirella Junker und ich von der Mannschaft und vom Umfeld ebenfalls gut aufgenommen. Wir haben schon sehr viele nette Leute kennengelernt. Es ist ein familiär geführter Verein, alles ist sehr herzlich – das fängt bei den Spielerinnen an und hört bei den Sponsoren auf«, ist Sascha Glass rundum zufrieden mit seiner neuen privaten und sportlichen Heimat. »Es ist ein sehr angenehmes Arbeiten«. 

21 Spielerinnen
Beim Blick auf die sportliche Seite, die Vorbereitungszeit, erkennt der Ex-Wolfsburger eine leichte personelle Besserung. »Denn zu Beginn fehlten uns einige Nationalspielerinnen, was für sie natürlich eine schöne Sache ist, zumal die Österreicherinnen bei der Europameisterschaft sehr weit gekommen sind. Wir hatten in der Zeit aber auch einige Trainingseinheiten mit nur sechs oder sieben Spielerinnen, was nicht optimal war. Doch langsam füllen sich die Lücken«, erklärt Glass. Ohnehin sei der Kader nicht groß – 21 Spielerinnen inklusive zwei Torhüterinnen, das sei nicht üppig, zumal Claire Savin und Anna Schlarb noch verletzt sind. 

»Viel zu arbeiten«
Trotz allem sind die Testspiele gut gelaufen (ohne Niederlage und gegen Frauen-Teams ohne Gegentore). Allerdings sieht Sascha Glass noch genügend Luft nach oben: »Wir haben noch viel zu arbeiten, gerade in der Defensive, wo wir bisher noch nicht so gefordert wurden. Von den vielen Spielen ohne Gegentor lasse ich mich nicht beeindrucken. In den letzten Trainingseinheiten haben wir viel im taktischen Bereich gearbeitet, vor allem, was das Abwehrverhalten betrifft. Da brauchen wir schon noch mehr Ordnung«, weiß der Coach, wo die Baustellen sind.

Werder-Spiel im Fokus
Sascha Glass strahlt dennoch mit Blick auf die am kommenden Sonntag mit dem Gastspiel bei Werder Bremen beginnende Saison Optimismus aus. Er ist nur auf das Auftaktmatch beim Neuling fokussiert: »Ich bin keiner, der sich jetzt schon Gedanken über die Duelle mit dem VfL Wolfsburg oder 1. FFC Frankfurt macht. Das Erste, was ich mittlerweile gelernt habe, ist, den Blick auf das nächste Spiel zu richten – auch wenn das schon in abgedroschener Spruch ist. Ich  mache mir nur Gedanken zum Spiel in Bremen und vielleicht noch einen Tick zum VfL Wolfsburg, dem ersten Gegner im Orsay-Stadion. Selbstverständlich werde ich die Wolfsburger in ihrem ersten Spiel beobachten.«
Über die erfolgreichen Auftritte der drei Österreicherinnen Laura Feiersinger, Nina Burger und Laura Vetterlein im Trikot ihrer Nationalmannschaft bei der EM in Holland freut sich Sands Coach natürlich. Dass dadurch auch mehr Zuschauer zu den Heimspielen ins Orsay-Stadion pilgern könnten, lässt er allerdings offen. »Hier in Sand ist immer eine gute Stimmung, das weiß ich von Spielen zu Zweitligazeiten mit dem VfL Wolfsburg II. Ohnehin sind die Heimspiele ganz gut besucht. Allerdings war im Umfeld schon eine kleine Ösi-Euphorie auszumachen. Ob sich das auch auf die Zuschauerzahlen auswirkt, das müssen wir abwarten.«

Kein schlechtes Team
Die Qualität des Kaders im Vergleich zur vergangenen Saison sei schwer zu beurteilen, antwortet Dieter Wendling auf eine entsprechende Frage. »Wir haben mit Dominika Skorvankova und Jovana Damnjanovic (zum FC Bayern München) zwei gute Offensivspielerinnen verloren, bekamen dafür einige junge Spielerinnen dazu, die einen guten Eindruck machen. Wie es dann in den Pflichtspielen aussieht, wird sich zeigen. Ich denke, wir haben keine schlechte Mannschaft. Unser Hauptziel ist natürlich, die Klasse zu halten, und wenn wir dann im Pokal wieder relativ weit kommen könnten, dann wäre das optimal. Aber dazu gehört auch Auslosungsglück«, so die Einschätzung des sportlichen Leiters. 
»Wir wollen mit kleinen Schritten vorwärtsgehen, uns Stück für Stück verbessern. Bisher sieht alles gut aus, es passt zusammen, zumal Sascha Glass und Mirella Junker überhaupt keine Anpassungsprobleme haben. Aber wir können jetzt viel reden, am Ende zählen die Punkte«, ergänzt Dieter Wendling. 
Die Kaderplanung ist beim SC Sand noch nicht ganz abgeschlossen. Eine Position sei noch offen, ließ Dieter Wendling durchblicken. »Aber wir brauchen keine Ergänzungsspielerin, sondern wenn wir was bekommen, soll es eine sein, die gleich von Beginn an spielen kann und uns weiterbringt.«

Quallität im Kader
Allerdings ist Trainer Sascha Glass von den Neuzugängen sehr angetan, wie er dies formuliert. Selina Wagner und Sylvia Arnold (beide SC Freiburg) seien Spielerinnen mit Bundesligaerfahrung. Die jüngeren bräuchten noch etwas Zeit, auch was das Tempo angeht. »Aber die finden sich auch immer besser ein. Doch darf bei uns verletzungstechnisch nicht viel passieren, denn sonst könnte es schon eng werden«, sagt Sascha Glass, der nicht verschwieg, dass in der letzten Woche Spielerinnen im Probetraining waren. 
Trotzdem: »Wir haben eine gute Truppe beisammen und hoffen, dass wir vom Verletzungspech verschont bleiben.« Glass spricht zwar von »Qualität im Kader«, doch habe man im Vergleich zu den meisten Konkurrenten nicht alle ­Positionen doppelt besetzt. »Mit Sicherheit würde uns noch die eine oder andere Spielerin mit Tempo guttun, ohne von der Position zu reden.«
Was die Titel-Favoriten betrifft, sind sich Sascha Glass und Dieter Wendling einig: VfL Wolfsburg und Bayern München – Turbine Potsdam und SC Freiburg gehören zum erweiterten Kreis. 

Info

Steckbrief: SC Sand

Verein (www.scsand-frauen.de):
Vorsitzender: Hans-Peter Krieg
Geschäftsführer/Manager: Gerald Jungmann 
Sportlicher Leiter: Dieter Wendling
Leiter Marketing: Johannes König
Geschäftsstellen-Leiterin: Claudia von Lanken
Medianbeauftragter: Udo Künster
Erfolge: Südbadischer Meister 1992 und 1996, Bundesliga-Aufstieg 1996 und 2014, Aufstieg in die 2. Bundesliga 2004 und 2012, Südbadischer Pokalsieger 1996, 1997, 1999, 2002, 2012; DFB-Pokalfinale 2016 und 2017. 
Letzte Saison: Rang 8 in der 1. Bundesliga
Saisonziel 2017/2018: Primär der Klassenerhalt 
Orsay-Stadion: 3200 Zuschauer.
Zuschauerschnitt 2016/2017:
1000.
Trikotwerbung: Edgar Feger, Bundesliga und DFB-Pokal.
E-Mail: vonlanken@scsand-frauen.de

Der Kader
Tor: Carina Schlüter, Sabrina Lang.
Abwehr: Leticia Santos, Diane Caldwell, Johanna Tietge, Jenny Gaugigl, Anna Schlarb, Claire Savin, Jana Vojtekova, Laura Vetterlein.
Mittelfeld: Anne van Bonn, Selina Wagner, Angela Migliazza, Adina  Hamidovic, Verena Aschauer, Isabelle Meyer, Laura Feiersinger.
Angriff: Milena Nikolic, Sylvia Arnold, Dina Blagojevic, Nina Burger.

Zugänge: Leticia Santos (Avaldsnes IL), Johanna Tietge (VfL Wolfsburg II), Anna Schlarb (FC Bayern München II), Selina  Wagner (SC Freiburg), Adina  Hamidovic (St. Pölten), Sylvia Arnold (SC Freiburg), Dina Blagojevic (Roter Stern Belgrad).
Abgänge: Chioma Igwe (Karriere­ende), Silvana Chojnowski (1. FC Köln), Dominika Skorvankova, Jovana Damnjanovic (beide FC Bayern München), Cecilie Sandvej (1. FFC Frankfurt), Saskia Meier (Ziel unbekannt).
Trainer: Sascha Glass (1. Saison)
Co-Trainer: Mirella Junker (1. Saison)
Torwarttrainer: Timo Gartner (1. Saison)
Physiotherapeut: Alexander Pfeifer.
Mannschaftsarzt: Patrick Schiemann.

Vorbereitungsspiele
SC Sand - Offenburger FV II    4:2
SC Sand - Young Boys Bern     3:0
SC Sand - Freiburg 2               5:0
SC Sand - 1. FFC Niederkirchen  3:0
SC Sand – 1899 Hoffenheim II4:0

Autor:
Fritz Bierer

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