Ski-Marathon

Mühlenbacherin meistert extremen Kraftakt am Polarkreis

Von Marc Faltin
Lesezeit 7 Minuten
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04. April 2024
Nach dem längsten Langlaufrennen der Welt, 220 Kilometern und über 17 Stunden happy im Ziel in Jokkmokk am Polarkreis: Luisa Grießbaum vom Skiclub Mühlenbach.

Nach dem längsten Langlaufrennen der Welt, 220 Kilometern und über 17 Stunden happy im Ziel in Jokkmokk am Polarkreis: Luisa Grießbaum vom Skiclub Mühlenbach. ©Privat

Luisa Grießbaum, die inzwischen in Oslo wohnt und am Holmenkollen mit Profi-Lizenz trainiert, kämpft sich bei dem längsten Langlaufrennen der Welt nach knapp 17,5 Stunden auf Rang 14 durch.

Das Jahr 2023 war für Luisa Grießbaum ein sportlich herausragendes. Im März bei den „European Ski Marathon Championships“ in Biela Stopa/Slowakai feierte die damals 25-Jährige Silber in „50 Kilometer freie Technik“. Danach beschloss sie ihre erste Saison in der Eliteklasse mit Rang 3 beim extremen „Troll-Skimarathon“ in Norwegen. Inzwischen ist die norwegische Hauptstadt Oslo die Wahlheimat der Mühlenbacherin, die weiter besondere Herausforderungen meistert, wie jüngst den „Nordenskiöldsloppet“ in Schweden mit 220 Kilometern und 2000 Höhenmetern in Jokkmokk am Polarkreis.

Nach Oslo umgezogen

„In Oslo war ab August ein einfaches Auslandssemester geplant, das fünf Monate dauern sollte, nun aber hat es mich längerfristig nach Norwegen verschlagen“, lächelt Luisa Grießbaum, die Sportwissenschaften studiert. Im Oktober stieg sie beim Verein „Lyn Ski“ als Trainerin ein, trainierte mit Norwegern und „der Holmenkollen, die wohl bekannteste Wintersportstätte, die ich zuvor nur aus dem Fernsehen bei etlichen Weltcups in Wintersportarten kannte, wurde zur Heimattrainingsanlage.“ Doch trotz idealer Rahmenbedingungen habe sie nicht gut in die Saison starten können: „Zweimalige Covid-Erkrankung und drei Erkältungen in der Vorbereitung und zu Beginn der Rennsaison ließen mich immer wieder zurückfallen“. Beim Saisonauftakt Anfang Dezember in Bad Gastein/Österreich startete sie mit ihrer ersten Profi-Lizenz bei den „SkiClassics“, der Langdistanz-Weltcup-Serie, kehrte aber erkrankt zurück nach Oslo. Erst seit Anfang Februar konnte sie wieder normal trainieren, seitdem gehe es bergauf.

„Ich habe viel Doppelstock trainiert, um das längste und härteste Langlaufrennen der Welt ohne Klassikwachs zu laufen und das Rennen durchzuschieben“, erklärt sie: „Wenn man dafür die nötige Muskulatur aufbaut, ist dies die schnellere Variante.“ Trainingswettkämpfe in Doppelstocktechnik seien nötig gewesen, um die Muskulatur auf diese Belastung vorzubereiten. So lief sie am 3. März den 90 Kilometer langen „Vasalauf“ von Sälen nach Mora in Schweden, den weltweit größten Langlaufwettkampf mit 16.000 Teilnehmern beim Hauptlauf, und zwei Wochen später den „Birkebeinerrennet“ (54 Kilometer von Rena nach Lillehammer).

Zusätzlicher Kick aus der Heimat

Beim „Vasalauf“ setzte die Mühlenbacherin mit Platz 61 im Gesamtklassement der Frauen ein erstes Ausrufezeichen. Zeitgleich wurde sie in ihrer Heimat wegen ihrer Erfolge 2023 für den Skiclub Mühlenbach geehrt. „Das gab viel Motivation, es gibt nichts Schöneres als das Gefühl zu bekommen, dass die eigene Heimat hinter einem steht, auch wenn man nur noch selten zu Hause sein kann.“

Mit ihren dank Rang 61 ersten nennenswerten SkiClassics-Punkten und neuem Selbstbewusstsein ging es zurück nach Oslo, 16 Tage später nach Lulea und von dort aus mit einem anderen Team per Mietauto drei Stunden weiter nördlich nach Jokkmokk. „In den ersten zwei Nächten hat uns der Polarkreis mit Polarlichtern beschenkt, was meine Strapazen zu Beginn wieder vergessen ließ“, so die Kinzigtälerin: „Am Donnerstag kamen auch meine Schwester Jenny, die aus Haslach den weiten Weg in den Norden auf sich nahm, und zwei Teamkollegen an. Wir haben zusammen im Arctic-Camp in einer Hütte gewohnt. Am Freitag war Skitesten angesagt, ein Teamkapitän-Meeting von den Veranstaltern, Taktik für Betreuung planen und das Wichtigste: Essen, essen, essen und die Carbs auffüllen. Als wir mit Jenny und einer weiteren Betreuerin von einem anderen Team einen Plan zwecks Verpflegung machten, merkten wir, wo wir gelandet sind. Die Orte unserer Rennstrecke existieren großteils überhaupt nicht in Googlemaps, die Navigation über ein Handy war teils unmöglich.“

Mit Legendenstatus

Luisa Grießbaum startete wieder „explizit für meinen Heimatverein SC Mühlenbach, dem ich alles zu verdanken habe, was ich erleben darf.“ Dieses längste Rennen der Welt ist sicherheitsbedingt limitiert auf 600 Starter, 87 Plätze wurden an Frauen vergeben. „Es war sehr stark besetzt“, so Luisa Grießbaum: „Viele SkiClassics-Langläufer haben das rennfreie Wochenende genutzt, um hier fürs Podium zu fighten. Wenn du dieses Rennen gewinnst, bist du nicht nur um 5000 Euro reicher, sondern unter den Langläufern eine Legende.“

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Start war um 5 Uhr morgens mit Wendepunkt in Njavve, wo es wieder zurück nach Jokkmokk ging. „Auch einige Seen müssen überquert werden, unberührte Natur, die nur fürs Rennen einmal präpariert wird, auf der ganzen Strecke habe ich ein paar Hütten gesehen, sonst nur Bäume, Schnee und Tiere“, so die Mühlenbacherin. Am Ende standen drei bekannte Schwedinnen aus der SkiClassics-Serie auf dem Siegerpodest: Linnea Johansson vor Sofia Lindberg und Frida Hallqvist. „Die Rekordzeit bei den Damen liegt bei 14 Stunden, alle hatten männliche Pacemaker dabei, sodass sie – besonders auf windanfälligen Seen – über das gesamte Rennen im Windschatten laufen konnten, betreut wurden diese Profis von Ski-Doos auf der Strecke, von Schneemobilen aus“, erläutert Luisa Grießbaum: „Bei den Männern gewann der Schwede Oskar Kardin vor Joar Thele, einem Teamkollegen aus meinem norwegischen Verein Lyn Ski, und Johan Loevgrenà – alle knapp unter 13 Stunden.“

Sie selbst erreichte nach 17 Stunden, 22 Minuten und 31 Sekunden das Ziel. Was Platz 14 bei den Frauen als beste Mitteleuropäerin und Platz 115 (inklusive Herren) bedeutete: „Das Zeitlimit lag bei 30 Stunden, die einige fast völlig ausgenutzt haben. Finishen konnten bei Schneefall und deshalb schwierigen wie langsamen Bedingungen 393 Athleten. Die Durchschnittstemperatur lag bei angenehmen minus fünf Grad Celsius, der Wind ließ es manchmal kälter wirken.“

Emotionale Achterbahnfahrt durch Wildnis

Am Renntag gab es 17 Zentimeter Neuschnee, vor allem aber „eine emotionale Achterbahnfahrt durch die Wildnis“, schüttelt Luisa Grießbaum ihren Kopf etwas und beginnt zu erzählen: „Bis Kilometer 120 hatte ich so gut wie nie Windschatten, bin alleine über die Seen gegleitet, durch einsame Wildnis gelaufen. Bis ich Lukas Gutmann vom Team XCS Ammertal getroffen habe. Wir haben es nicht ausgesprochen, aber von da an war für uns beide klar, wir ziehen das Ding zusammen durch! Nach und nach sind wir durch gute Teamarbeit auf einige Läufer aufgelaufen, haben aber durch Ruhe an den Verpflegungsstellen einige ziehen lassen. Wir haben über Gott und die Welt geredet, geflucht über die harten Bedingungen, uns gepusht und den emotionalen Zieleinlauf geteilt. Es gibt nichts Schöneres als solche Momente mit anderen zu teilen! Tausend Dank auch an meine Schwester Jenny und Daniela Unger, die ich beim Troll-Skimarathon 2023 kennenlernte, für unermüdlichen Einsatz während des Rennens! Danke an Local-Hero Peter Arvidsson, der immer wieder vom Ski-Doo aus angefeuert hat.“

„Die ersten 110 Kilometer haben sich super angefühlt, danach war es mehr ein mentales Ding, wenn du den ganzen Weg zurück laufen musst und weißt, wie lange welcher Anstieg ist, der zuvor eine Abfahrt war“, denkt sie zurück: „Während des Rennens hat man viel Zeit nachzudenken, manchmal wird man emotional. Als ich das Schild sah mit 90 km left, habe ich mich erstmal gefreut, da ich dachte: Juhu, jetzt nur noch ein Vasalauf! Das habe ich vor drei Wochen schon geschafft. Zehn Sekunden später denkst du dir: Verdammt, noch ein ganzer Vasalauf!“ Auf den letzten 30 Kilometern „tat einfach nur noch alles weh, es war stockdunkel, wir liefen die letzten drei Stunden mit Stirnlampe“.

Doppelstart am Wochenende

Nun ließ sie wissen: „Neben starkem Muskelkater am ganzen Körper, Blasen an den Händen und einer kleinen Entzündung am Ellenbogen wegen der hohen Belastung durchs Schieben, bin ich ganz gut weggekommen und habe mich vollständig erholt.“ Aufgrund ihrer Ergebnisse bei „Vasalauf“ und „Nordenskiöldsloppet“ wurde sie von ihrem Skimarathon-Team Austria für weitere Wettkämpfe im hohen Norden Norwegens nominiert – in Bardufoss steigt am Samstag der „Reistadloppet“ (50k Classic) und am Sonntag der „Summit2Senja“ (60k Classic). „Beide Rennen gehören zur SkiClassics-Serie, Ziel ist es, in die Top-60 zu laufen, um Punkte für mich und das Team zu sammeln“, so Luisa Grießbaum. Mit 50 und 60 Kilometern stehen fast schon Kurzstrecken bevor.

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