Fußball

Offenburger FV: Neu sortieren und angreifen

Autor: 
Thomas Kastler
Lesezeit 5 Minuten
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02. August 2017
OFV-Trainer Kai Eble hat den Blick nach vorne gerichtet.

OFV-Trainer Kai Eble hat den Blick nach vorne gerichtet. ©Ulrich Marx

Mit dem Titel »Fahrstuhlmannschaft« muss der Offenburger FV vorläufig leben. Zu schlecht für die Oberliga, zu gut für die Verbandsliga – in den letzten neun Jahren ging’s dreimal rauf und wieder runter. Zuletzt im Mai. Jetzt heißt es: den Etat steigern, die Gaststätte sanieren – und eine Etage tiefer wieder oben mitspielen.

Beim OFV haben sie den insgesamt vierten Oberliga-Abstieg der Vereinsgeschichte akzeptiert. »Nur mit Spielern aus der eigenen Jugend ist das brutal schwer«, lautet die Erkenntnis von Kai Eble. Der neue Trainer hatte mit seinem Einstieg in der Rückrunde zwar nochmal Aufbruchstimmung erzeugt, scheiterte dann jedoch am Verletzungspech und den fehlenden Alternativen.

An letzterem ändert sich aus finanziellen Gründen vorläufig noch nichts. Aber in einem Punkt sind sie sich an der Badstraße ganz sicher: »Die Mannschaft ist nicht schlechter als in der letzten Saison.« Präsident Uwe Hoffmann sagt das, Teammanager Heinz Falk  betont es ebenfalls.
Was heißt das nun für die Verbandsliga?

"Unter die ersten drei"
»Ich sehe uns unter den ersten fünf. Das muss der Anspruch des OFV sein«, sagt Eble. Hoffmann, gewohnt forsch, setzt einen drauf: »Ich gehe davon aus, dass wir um den Aufstieg spielen.« Und Falk bewegt sich salomonisch dazwischen: »Mein Ziel lautet: unter die ersten drei.«

Der 35-jährige Trainer nennt die entscheidende Einschränkung: »Wir haben nicht den Druck, direkt wieder hoch zu müssen.« Stimmt. Denn wirklich Sinn macht ein erneuter Aufstieg eigentlich nur dann, wenn auch eine reelle Chance besteht, sich in der Oberliga zu etablieren.

Was dazu fehlt? Kai Eble, in seiner Doppelrolle als Trainer und Marketing-Vorstand inzwischen auch als Geldbeschaffer unterwegs, weiß eine präzise Antwort: »Wir müssen dazu den Etat zumindest verdoppeln. Dazu sollten wir versuchen, jedes Jahr 10 000 bis 15 000 Euro draufzusatteln.«
Beim heiklen Thema Geld reagieren die Verantwortlichen neuerdings entspannt. »Wir sind auf einem sehr guten Weg und in ernsthaften Gesprächen mit größeren Sponsoren«, deutet Hoffmann an. Parallel dazu lobt Falk erste Erfolge von Eble: »Er geht hin zu den Firmen und hat einiges bewegt.« 

Kuderer ist zurück
Die Großwetterlage war schon deutlich schlechter über dem Karl-Heitz-Stadion. Vereinschef Karl-Heinz Kuderer ist nach überstandenem Herzinfarkt wieder an Bord – und Eble bastelt an einer neuen Mannschaft. Kernproblem: Der Abgang des zum Meisterschaftskonkurrenten SV Linx gewechselten Adrian Vollmer muss kompensiert werden. Der OFV hat durch ihn eine Menge verloren: den Kopf der Mannschaft, den Strategen im Mittelfeld und den Schützen wichtiger Tore.

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»Ein extremer Verlust«, gibt Eble zu, blickt aber, was er als Coach muss, gezielt nach vorne: »So ein Abgang birgt auch eine Chance. Viele junge Spieler haben sich auf Adi Vollmer verlassen und sich hinter ihm versteckt. Jetzt müssen sie selbst Verantwortung übernehmen.«

Konkret wird Louis Beiser-Biegert Vollmer in dessen vorwiegender Rolle als Sechser im Mittelfeld beerben. Auf der »10«, die Vollmer ebenfalls beherrschte, sind laut Eble die Neuzugänge Eimen Kelbi vom SV Oberkirch oder Danny Laag vom 1. FC Saarbrücken  ein Thema. Als Führungsspieler kommen neben Kapitän Marco Petereit, Abwehrchef und Sportvorstand Jan Kahle sowie Keeper Florian Streif auch Keven Feger und der vom SC Lahr zum OFV gewechselte Abwehr-Routinier Sascha Ruf in Frage.
»Die Hierarchie hat sich gut herausgebildet«, berichtet Eble nach dem Trainingslager in Bühlertal, wo in einer Jugendherberge Regeln und Rituale aufgestellt wurden.

Feger im Angriff

Was das Spielsystem angeht, neigt Eble im eigenen Stadion zur Dreierkette in der Abwehr und zwei Spitzen im Angriff. Auswärts bevorzugt er das klassische 4-2-3-1. »Mit Stoßstürmer«, ergänzt er, »denn die falsche Neun ist gar nicht meins.« Überraschung: Dieser Stoßstürmer soll Keven Feger werden, der bislang die rechte Außenbahn erfolgreich bearbeitet hat. Um den Hausacher, der von den Oberligisten Bahlingen und Villingen umworben war, hat der OFV zäh gekämpft. Zünglein an der Waage war der neue Co-Trainer Frank »Käpps«Armbruster, ein Hausacher wie Feger

.
Weitere Kandidaten für den Sturm sind Dimitrios Tsolakis und vorerst als Einwechseloption der vom SC Offenburg gekommene Aliu Cisse.
Hinten sind mit Kahle, Nico Schlieter und Artur Baitenger drei Routiniers gesetzt. Das heißt Sascha Ruf (31), sechs Jahre lang unangefochtener Stammspieler des SC Lahr, muss um seinen Platz kämpfen. »Er hat sich damit arrangiert«, versichert Eble.

Um den Platz im Tor duellieren sich zwei neue Alte: der vom Kehler FV zurückgekehrte Florian Streif (29) und Sinan Süme (21), der die Jugend des OFV durchlief und zuletzt in Waldkirch war. Ein bislang überraschend offener Zweikampf, den laut Eble auch Ex-Keeper Armbruster und Torwart-Trainer Marco Schäfer mitentscheiden sollen.
Heiß sind Anfang und Ende des Jahres. Der OFV bestreitet am Freitag das Saisoneröffnungsspiel in Stadelhofen, dann kommt der angeblich gut verstärkte SV Endingen. Danach ließe es sich gegen etliche vermeintlich mittelmäßige Gegner einspielen, ehe es in den letzten fünf Wochen zu fünf Hammerspielen kommt: Die Derbys gegen Kehl, Linx und Stadelhofen sowie die Duelle mit den designierten Spitzenteams Endingen und Freiburger FC.

Bis dahin soll endlich auch wieder die Gaststätte geöffnet sein. Nach dem Fahrstuhl-Image ist das die zweitgrößte Baustelle des OFV.

Info

Steckbrief OFV

Internet: www.offenburgerfv.de
E-Angri

mail: info@offenburgerfv.de

Der Kader (mit Rückennummer)
Tor: Florian Streif (12), Sinan Süme (29).
Abwehr: Sascha Ruf (4), Jan Kahle (5), Louis Beiser-Biegert (15), Nico Hilger (21), Artur Baitenger (25), Nico Schlieter (28). 
Mittelfeld: Johannes Geyer (3), Lukas Schätzle (6), Stefano Anzaldi (7), Keven Feger (10), Danny Laag (16), Samuel Geiler (17), Fabian Feißt (19), Luca Ernst (23), Luca Kehl (32).

Angriff: Marco Junkler (8), Aliu Cisse (9), Nurdogan Gür (11), Eimen Kelbi (18), Marco Petereit (27), Dimitrios Tsolakis (9).

Zugänge: Danny Laag (1. FC Saarbrücken), Florian Streif (Kehler FV), Aliu Cisse (SC Offenburg), Sascha Ruf (SC Lahr), Eimen Kelbi (SV Oberkirch), Nico Hilger (SV Linx), Sinan Süme (FC Waldkirch), Fabian Feißt (SV Hausach), Johannes Geyer (Spvgg Neu-Isenburg), Nurdogan Gür, Luca Ernst, Luca Kehl (alle Offenburger FV U 19).

Abgänge: Adrian Vollmer, Manuel Vollmer (beide SV Linx), Eugen Sokolov (FV Langenwinkel), Dominik Bergdorf (FC Denzlingen), Yannick Lawson (SV Endingen), Max Chrobok (FV Ravensburg), Markus Feger (SV Ober­achern), Noah Veilandics (Auslandsaufenthalt), Rachid Gueddin, Christian Neumeier (beide SC Lahr), Marvin Schillinger (FV Schutterwald)

Trainer: Kai Eble (seit Januar 2017).
Co-Trainer: Frank Armbruster.
 

Vorbereitungsspiele
OFV – SC Freiburg U 19 0:0 
SC Offenburg – OFV 0:4 
Blitzturnier Hausach (25 Minuten)
OFV – SV Hausach 5:0 
OFV – Kehler FV1:0
OFV – FC Villingen0:2
OFV – SC Hofstetten1:1

TuS Oppenau – OFV1:4
OFV – Karlsruher SC U 190:1

Südbadischer Pokal, 1. Runde
SV Sinzheim – OFV 0:8

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