Lokalsport

Rasante Karriere im Kickbox-Ring

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11. Dezember 2012
Erfolgsverwöhnt: Stolz präsentierte sich Elena Brazhnik bei der WM-Siegerehrung in Paris nach ihrem Titelgewinn.

Erfolgsverwöhnt: Stolz präsentierte sich Elena Brazhnik bei der WM-Siegerehrung in Paris nach ihrem Titelgewinn.

Mit dieser Frau ist nicht zu spaßen – zumindest nicht, wenn sie im Ring steht: Elena Brazhnik aus Freistett hat eine rasante Kickbox-Karriere hingelegt, die sie bis zum Weltmeister-Titel geführt hat.

Rheinau-Freistett. Gemütlich warm ist es in ihrem Haus, und auf dem Esszimmertisch steht ein Käsekuchen, der mit seiner satten gelben Farbe den Besucher zum Reinbeißen geradezu animiert. Sportler müssen ja normalerweise sehr auf eine gesunde Ernährung achten, aber der selbst gebackene Kuchen ist eine der kleinen »Sünden«, die sich Elena Brazhnik gelegentlich gönnt. Was auch ihre Arbeitskollegen bei der Freistetter Zimmer-Group freut: Jedes Mal, wenn sie einen Titel gewonnen hat, bringt sie ihnen einen selbst gebackenen Kuchen mit.

Titelsammlung

Und das ist in letzter Zeit öfters vorgekommen. Viermal ist die gebürtige Sankt-Petersburgerin, die vor elf Jahren zusammen mit ihrem Mann Vladislav nach Deutschland kam, schon Internationale Deutsche Kickbox-Meisterin geworden. Mitte November erklomm sie sogar bei der Weltmeisterschaft des ICO/AFSO-Karate-Verbandes das oberste Treppchen in ihrer Gewichtsklasse (bis 55 Kilogramm) – und das gleich zweimal: im Kickboxen Vollkontakt und im K-1. Und eine Woche später holte sie sich auch bei der Europameisterschaft in Hagen bei Dortmund den Titel.

Eine Edelmetall-Sammlung, die umso bemerkenswerter ist, als sie das Kickboxen erst vor vier Jahren für sich entdeckt hat. »Ich war schon vorher oft im Fitness-Studio. Und da habe ich irgendwann auch Fitness-Boxen entdeckt«, erzählt sie. »Da habe ich sofort gespürt: Das liegt mir, da könnte ich was erreichen.« Und so nahm sie sich vor, »so hart zu arbeiten, bis ich Deutscher Meister bin. Doch dass ich mal Weltmeisterin werden könnte, daran habe ich damals nicht gedacht.«

Marco Roß vom »Shorin« Honau wurde ihr erster Coach. Doch inzwischen hat sie auch mit anderen Trainern zusammengearbeitet – vor allem mit Bernd Dost in Heilbronn, Mirco Reinhardt in Offenburg und Andreas Preuss, der unter anderem auch WIBF-Profi-Box-Weltmeisterin Lucia Morelli unter seinen Fittichen hat. Diese haben ihr nicht zuletzt den Glauben an sich selbst vermittelt, sagt sie: »Man kann nur gewinnen, wenn man überzeugt ist, dass man gewinnen kann.« Bei Wettkämpfen steht auch ihr Mann mit in der Ecke.

»Gym« im Keller

Mehrmals in der Woche ist Kickbox-Training angesagt; vor Turnieren trainiert sie täglich zweimal. Im Keller ihres Hauses hat sie ein kleines »Gym« eingerichtet – mit Hanteln, Hand- und Beingewichten, Sandsack, Expander. Auch ins Fitness-Studio geht sie häufig. Zum Sparring fährt sie nach Honau oder nach Offenburg.

»Ein bisschen geht nicht. Dafür ist die Verletzungsgefahr zu groß. Entweder man macht’s richtig, oder man lässt es.«

Training ist harte Arbeit, sagt sie; der Kampf, das ist Spaß – und sie strahlt, als sie das sagt. Sie liebt den »Kick« des direkten Duells. »Jeder Gegner ist anders«, beschreibt Elena Brazhnik die Faszination dieses Sports.

»Man muss für jeden Gegner den passenden ‚Schlüssel’ finden. Da kommt es auf Kreativität an – und auf schnelles Denken.« Nur sein »Schema F« durchzuziehen – damit komme man nicht weit. Denn Kickboxen gehöre nicht umsonst zu den Kampf-Künsten. »Jeder Kampf hat einen bestimmten Rhythmus. Das ist wie ein Tanz«, sagt sie.

Und was kommt nun? – Die große Profi-Karriere? Nein, sagt Elena Brazhnik. Einen Profi-Kampf hat sie zwar schon bestritten – im Juli in Offenburg. Da besiegte sie Daniela Graf aus Karlsruhe einstimmig nach Punkten. »Wenn ich wieder einen Vorschlag für einen Profi-Titelkampf bekomme, sage ich natürlich sofort zu«, sagt sie. Aber »als Profi kannst du in diesem Sport nicht wirklich was verdienen«.

Viel mehr liebt sie die Galas, wo viele Zuschauer da sind und wo die Kämpfer mit Auftrittsmusik in den Ring geleitet werden. »Man will ja zeigen, wie gut man ist. Und man will es sich auch selbst beweisen – vielleicht mehr noch als anderen. Das ist wie im Theater – und du bist auf der Bühne. Da möchte ich für die Zuschauer kämpfen und sie begeistern.«

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Hintergrund

AFSO und ICO

AFSO steht für »All Fight Systems Organisation«, eine Dachorganisation für Kampfsport-, Selbstverteidigungs-, Präventions-, und Kampfkunstverbände. Fachverbände der unterschiedlichsten Stilrichtungen kommen hier unter der Prämisse der Zusammenarbeit für den einzelnen Sportler zusammen. Die

AFSO versteht sich außerdem als privatrechtlicher Interessensverbund für Kampfsport und Kampfkunst. Und nicht zuletzt fördert sie den Wettkampfsport in Zusammenarbeit mit internationalen Verbänden.

Hinter der Abkürzung ICO verbirgt sich die »International Combat Organisation«, ein im Oktober 2009 gegründeter Internationaler Kampfkunst- und Kampfsport-Verband.

STICHWORT

Kickboxen

Das Kickboxen ist eine Kampfsportart, bei der das Schlagen mit Füßen und Händen wie beim Karate mit konventionellem Boxen verbunden wird. Es gibt verschiedene Wettkampfarten.

Beim Semikontakt wird nach jedem erfolgreichen Treffer der Kampf kurz unterbrochen, und die Kämpfer begeben sich wieder in die Ausgangsstellung. Jeder Treffer wird dann von drei Kampfrichtern bewertet. Können sie sich nicht auf eine Bewertung einigen, gibt es keinen Punkt, denn die Techniken sollen sauber und eindeutig ausgeführt werden. Letztlich gewinnt derjenige, dem am meisten Punkte zugesprochen werden. Semikontakt-Kämpfe werden häufig auf Matten ausgetragen.

Auch beim Leichtkontakt wird meist auf Matten gekämpft. Das Ziel ist es, mehr Treffer als der Gegner zu erzielen. Im Gegensatz zum Semikontakt wird nicht nach jedem Treffer unterbrochen, sondern weitergekämpft. Das Tragen von Schutzausrüstung ist Pflicht.

Die Vollkontakt-Variante des Kickboxens wird dagegen in einem Boxring ausgetragen. Dabei kann der Kampf nicht nur über Punkte gewonnen werden, sondern auch durch K.o. In der Regel sind Tritte und Schläge nur oberhalb der Gürtellinie erlaubt.

K-1 ist ein in den 1980er Jahren entstandenes Kampfsport-Regelwerk mit dem Ziel, Kämpfer aus verschiedenen Kampfkünsten sinnvoll gegeneinander antreten lassen zu können. Es wurde in Japan erfunden. K-1-Kämpfe sind im Turniermodus auf drei Runden zu je drei Minuten, mit möglicher Verlängerung auf bis zu fünf Runden, festgelegt. Erlaubt sind auch Tritte auf die Oberschenkel (sogenannte Lowkicks) oder mit dem Knie zum Kopf des Gegners.

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