Fußball

SC Sand hat auf Fels gebaut

Autor: 
Udo Künster
Lesezeit 6 Minuten
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27. August 2014

Die Fußball-Frauen des SC Sand fiebern dem Sonntag entgegen. Denn dann tritt der Ortenauer Aufsteiger in die Bundesliga um 14 Uhr zu seiner ersten Partie gegen den USV Jena an. Vor eigenem Publikum im Sander Kühnmattstadion.

Willstätt-Sand. Das Warten hat ein Ende. Die Vorfreude aufs erste Spiel in einer eingleisigen Frauenfußball-Bundesliga ist gewaltig. Nach mehr als sechs Wochen Vorbereitung, vielen kleinen Baustellen rund ums Stadion und dem Erfüllen zahlreicher Auflagen durch den Deutschen Fußball-Bund geht es endlich um Punkte. Zudem steht gegen den Fünften der letzten Saison die erste richtige Standortbestimmung an. Denn weder in den Testspielen noch in der ersten Runde des DFB-Pokals wurde die Defensive des SC Sand ernsthaft in Verlegenheit gebracht. Nur die Männer des VfR Zusenhofen zeigten mit ihrer körperlichen Überlegenheit den Sander Frauen ihre Grenzen auf.
Sand hält derzeit einen Rekord für die erste und zweite Liga. Am 4. November 2012, fünf Monate nach der Rückkehr in die zweite Liga gab es gegen den 1. FC Köln im Kühn­mattstadion die letzte Niederlage. Nach dem Abstieg in die Regionalliga im Sommer 2011 wurde die Mannschaft fast komplett umbesetzt. Nur Angela Migliazza, Sinah Amann, Christine Veth und Ersatztorfrau Sabrina Lang gehören zum 23-köpfigen Kader, der nun auch in der ersten Liga bestehen möchte. Mit einem weiteren noch nie erreichten Saisonabschluss ohne Niederlage bei nur einem Unentschieden in 22 Spielen wurde dieses Jahr die Zweitliga-Meisterschaft gefeiert.
Die erste Saison in der Frauen-Bundesliga bestreitet der SC Sand nun mit dem Aufstiegskader. Nur die Kanadierin Alyscha Mottershead, im Winter ins Hanauerland gewechselt, verließ den Verein. Dafür kamen vier neue Spielerinnen. Vom SC Freiburg die erfahrene Carmen Höfflin als Alternative für den Sturm und die 17-jährige Vivien Wagner als hoffnungsvolles Nachwuchstalent. Julia Schneider bringt vom Erstliga-Absteiger VfL Sindelfingen Routine aus der höchsten Liga mit. Internationale Erfahrung kam aus den USA. »Wir haben mit der dänischen Nationalspielerin und Linksfuß Cecilie Sandvej unsere Wunschspielerin für die Abwehr und das Mittelfeld gefunden«, sagt Dieter Wendling, der inzwischen als sportlicher Leiter fungiert.
Sein Nachfolger auf dem Trainerposten, Niko Koutroubis, hat mit dem VfL Sindelfingen (2005, 2012) und dem TSV Crailsheim (2006) den Aufstieg in die erste Liga geschafft. »Wo wir nach der Vorbereitung genau stehen, kann ich gar nicht sagen«, weiß Koutroubis die Leistungsstärke seiner Elf noch nicht exakt einzuschätzen. Sand kassierte in acht Spielen einschließlich Pokal keine Gegentore.
4-4-2-System bleibt
Weder die Schweizer Topteams FC Luzern oder FC Basel noch die zahlreichen deutschen Zweitligisten konnten die Defensive ernsthaft in Verlegenheit bringen. Der Sander Coach will am 4-4-2-System seines Vorgängers wenig ändern: »Das hängt vom Gegner ab. Aber die Abwehr steht gut und das schnelle Umschalten liegt der Mannschaft.« Damit fuhr die Sander Elf auch im Pokalwettbewerb der letzten Saison gut. Nach Erfolgen gegen den MSV Duisburg und beim USV Jena riss die Siegesserie erst im Halbfinale beim späteren Pokalsieger 1. FFC Frankfurt.
Mit dem Aufstieg in die Bundesliga mussten zahlreiche Auflagen des DFB erfüllt werden. Neben der hauptamtlichen Trainerstelle musste auch eine Geschäftsstelle eingerichtet werden. Deren Leitung übernahm in Personalunion Co-Trainerin Claudia von Lanken. Auch das Kühnmattstadion erhielt mit Hilfe der Gemeinde Willstätt einen Feinschliff. Das neue Fassungsvermögen beträgt 2500 Zuschauer. Zwei neue Sitzplatztribünen mit 350 Plätzen, davon 150 überdacht, wurden errichtet. »Wir sind gut gerüstet und werden auch während der Runde weitere Veränderungen vornehmen«, sagt der geschäftsführende Manager Gerald Jungmann. Er war schon dabei, als Sand 1996 der Aufstieg in die damals zweigleisige Bundesliga gelang. »Das ist nicht mehr zu vergleichen«, sagt Jungmann. Zur Höhe des Etats äußert er sich nicht, allerdings sei er nicht höher als letzte Saison. Aus Fernsehgeldern und Zuwendungen des Ligasponsors Allianz kann jeder der zwölf Vereine mit etwa 280 000 Euro rechnen. Der Rest muss über Sponsoren eingenommen werden.
Als Aufsteiger strebt der SC Sand den Klassenerhalt an. »Wir sind nicht ohne Chancen. Aber es wäre der größte Fehler, die Gegner zu unterschätzen«, sagt Wendling. Koutroubis ergänzt: »Wir wollen so früh wie möglich nichts mit dem Abstieg zu tun haben.« Jungmann stimmt dem zu, möchte aber die Saison gerne auf einem einstelligen Tabellenplatz beenden: »Mein Wunsch wäre Platz sieben.« Eine Tendenz könnten schon die ersten drei Spiele gegen Jena, bei Mitaufsteiger Herford sowie gegen Essen, Sechster der Vorsaison aufzeigen. Danach kommen die dicken Brocken. Das Sander Team ist bis in die Haarspitzen motiviert und muss zeigen müssen, wie es nach 22 Monaten Unbesiegbarkeit mit eventuellen Niederlagen umgeht.

 

Steckbrief SC Sand

Verein (www.scsand-frauen.de):
Vorstand: Hans-Peter Krieg, Gerald Jungmann.
Geschäftsführender Manager: Gerald Jungmann).
Sportlicher Leiter: Dieter Wendling
Marketing: Gerald Jungmann, Dieter Wendling.
Spielleiter: Peter Engel.
Finanzen: Doris Engel.
Geschäftsstellenleiterin: Claudia von Lanken.
Schiedsrichterbetreuer: Rainer Jäger.
Fanbeauftragter: Jürgen Karch.
Stadionsprecher: Udo Büstrin.

Erfolge: südbadischer Meister 1992 und 1996; Bundesliga-Aufstieg 1996 und 2014; Aufstieg in die 2. Bundesliga 2004 und 2012; südbadischer Pokalsieger 1996, 1997, 1999, 2002, 2012.

Letzte Saison: Meister 2. Bundesliga Süd und Aufstieg in die Frauen-Bundesliga.
Saisonziel 2014/2015: Klassenerhalt.

Kühnmattstadion: 2500 Zuschauer, davon 350 Sitzplätze (150 überdacht).

Zuschauerschnitt 2013/2014: 500.

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Hauptsponsoren: Presstrade, Allianz.
Trikotwerbung Liga: Hilzinger Fensterbau.
Trikotwerbung DFB-Pokal: Press­trade.
Saisonetat: keine Angaben.

Der Kader
Tor: Juliane Fuchs, Maria Korenciová, Sabrina Lang, Mallori Lofton-Malachi.
Abwehr: Noémie Freckhaus, Jeanne Haag, Cecilie Sandvej, Allison Scurich, Rebekah Stott, Stéphanie Wendlinger, Julia Zirnstein.
Mittelfeld: Sinah Amann, Anne van Bonn, Louisa Frank, Isabelle Meyer, Angela Migliazza, Tatiana Pinto, Julia Schneider, Vivien Wagner.
Angriff: Patricia Hanebeck, Carmen Höfflin, Ilaria Mauro, Christine Veth.

Zugänge: Cecilie Sandvej (Washington Spirit/USA), Julia Schneider (VfL Sindelfingen), Carmen Höfflin, Vivien Wagner (beide SC Freiburg).

Abgänge: Anika Graves, Madeleine Kurek (beide 2. Mannschaft), Alyscha Mottershead (Ziel unbekannt).

Trainer: Niko Koutroubis (VfL Sindelfingen) für Dieter Wendling.
Co-Trainer: Claudia von Lanken, Jens Schreier.
Torwarttrainer: Simon Panter
Athletiktrainer: Marco Utz.
Physiotherapeut: Helmut Müller.

Vorbereitungsspiele
1. FC Saarbrücken – SC Sand  0:3
SC Sand – FC Luzern  1:0
SC Sand – FC Basel  2:0
SC Sand - 1899 Hoffenheim II  2:0
SC Sand - 1. FC Saarbrücken  4:0
Bayern München II – SC Sand  0:6
Zusenhofen (Männer) – Sand  6:1
SC Sand – 1899 Hoffenheim II  7:0

DFB-Pokal, 1. Runde
1. FC Nürnberg – SC Sand  0:9

 

Vorrunde:
SC Sand – USV Jena So. 31.08./14.00
Herforder SV – SC Sand So. 07.09./14.00
SC Sand – SGS Essen So. 21.09./14.00
1. FFC Frankfurt – SC Sand Mi. 24.09./16.00
SC Sand – SC Freiburg Mi. 01.10./16.30
TSG Hoffenheim – SC Sand So. 05.10./11.00
SC Sand – VfL Wolfsburg Sa. 12.10./11.00
Bayern München – SC Sand So. 19.10./14.00
SC Sand – MSV Duisburg So. 09.11./14.00
Turbine Potsdam – SC Sand So. 16.11./14.00
SC Sand – Bayer Leverkusen So. 30.11./14.00
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