Iron Man

Psychospielchen und blanker Wille: Der Kampf um die Krone

Autor: 
dpa
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12. Oktober 2018
Sebastian Kienle (l-r), Jan Frodeno und Patrick Lange.

Sebastian Kienle (l-r), Jan Frodeno und Patrick Lange. ©dpa - Bruce Omori/EPA

Der verhinderte Top-Favorit Jan Frodeno will den Einpeitscher am Streckenrand geben, der Kampf der verbleibenden Triathlon-Giganten um den Blumenkranz auf Hawaii wird aber auch so erbittert genug.

Nach den Psychospielchen vor dem Start an diesem Samstag um 6.35 Uhr Ortszeit am Pier von Kailua-Kona zählt für Titelverteidiger Patrick Lange, seinen deutschen Nummer-Eins-Herausforderer Sebastian Kienle und die internationalen Jäger nur eines: der Sieg beim legendärsten aller Ironman.

Dass Zweifach-Champion Frodeno nach dem Drama von 2017 nun wegen einer Stressfraktur in der Hüfte vor wenigen Wochen nicht am Start ist, bedauert Lange. «Ich hätte ihn sehr gerne auf der Strecke im Wettkampf geschlagen. Dadurch wäre ein potenzieller Sieg noch viel wertvoller», sagte der 32-Jährige in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. «Ihn zu schlagen, ist eine der größten Trophäen, die man sich im Moment in unserem Sport an die Wand nageln kann», meinte auch der 34 Jahre alte Kienle in Richtung von Kumpel Frodeno.

Die Chancen auf den eigenen Triumph steigen zwar, die 40. Auflage auf Hawaii wird aber dennoch gnadenlos. Lange wird alles daran setzen müssen, die starken Radfahrer in der zweiten Disziplin nicht zu weit wegfahren zu lassen. «Mir stellt sich halt die Frage: Wie viel mehr geht da noch bei der Konkurrenz? Wie viel schneller wollen die noch auf den Rad fahren?», sagte Lange, nachdem vor einem Jahr bereits die Bestzeiten fielen.

Dass er den erwiesen starken Radfahrer Kienle erst auf Nachfrage zum Favoritenkreis rechnet, passt ins Bild der Sticheleien im Kampf um die Fortsetzung der deutschen Ära, die Kienle 2014 mit dem Titelgewinn startete und Lange im vergangenen Jahr nach Frodenos Doppelpack 2015 und 2016 weiterführte.

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«Wenn man es freundlich ausdrücken will, dann testet er die Grenzen aus, und er überschreitet sie auch», giftete jüngst Kienle in der «Frankfurter Allgemeine Zeitung» in Richtung Lange. Gemeint ist dessen eher zurückhaltendes Verhalten auf dem Rad, auf dem Windschattenfahren strikt verboten ist. «Es wird drauf ankommen, ob Patrick auf dem Rad arbeiten muss oder ob er sich eher größtenteils verstecken kann», sagte Kienle der Deutschen Presse-Agentur.

Das Psychoduell wird über die 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen weitergehen. Bloß keine Blöße zeigen, dabei machen die Profis wie die über 2000 sogenannten Alterklassenathleten bei ihrem Acht-Stunden-Plus-X-Arbeitstag genauso ihre Tiefen durch. Kleiner Trost: Zumindest könnten allen Hitze erspart bleiben, derzeit sind fürs Rennen auch Regenschauer vorhergesagt.

Vor einem Jahr stellte Lange bei seinem Triumph in 8:01:40 Stunden einen Streckenrekord auf. Schon im Jahr zuvor war er den Marathon in 2:39:45 Stunden gelaufen und damit schneller als je ein Athlet bei einer WM auf Hawaii. «Man kann sich eigentlich bis zum Schluss nie sicher fühlen», sagte der Vorjahres-Vierte Kienle, den Lange bei seiner Aufholjagd vor zwölf Monaten auch locker überholt hatte.

Genauso wie Lionel Sanders, der es auf Rang zwei geschafft hatte. Der Kanadier, der als Spät-Jugendlicher Alkohol und Drogen verfallen war, ist eine regelrechte Kampfmaschine und dürfte sich für das schmachvolle Überholmanöver 2017 revanchieren wollen. «Lionel Sanders macht ordentlich Wind», sagte Lange zu dessen Veröffentlichungen eigener Leistungsdaten vor der WM. «Wenn das alles stimmen würde, dann bräuchten wir jedenfalls gar nicht mehr an den Start zu gehen, dann hätte er schon gewonnen», kommentierte Lange eher cool.

Sanders, der Schwede Patrick Nilsson, der Neuseeländer Braden Currie, vor allen der spanische Kurzstrecken-Superstar und Fünffach-Weltmeister Javier Gomez sowie nicht auszuschließende Überraschungen - Jäger von Lange gibt es reichlich. Seit seinem Sieg vor einem Jahr gewann der Hesse kein großes Rennen mehr. «Was heißt verunsichern?», entgegnete Lange auf die entsprechende Frage. «Ich weiß ja, woran es lag.» Er war mit der neuen Situation nicht zurecht gekommen, der Gejagte zu sein. «Im Laufe des Jahres wurde es besser, ich konnte besser mit der Situation umgehen. Am Ende des Tages zählt aber eh nur Hawaii.»

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