107. Frankreich-Rundfahrt

Roglic fliegt in Richtung Tour-Sieg - Vorsprung ausgebaut

Autor: 
dpa
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16. September 2020
Primoz Roglic machte einen großen Schritt in Richtung Gesamtsieg bei der Tour de France. Foto: Christophe Petit Tesson/EPA/AP/dpa

Primoz Roglic machte einen großen Schritt in Richtung Gesamtsieg bei der Tour de France. Foto: Christophe Petit Tesson/EPA/AP/dpa ©Foto: dpa

Primoz Roglic fährt unaufhaltsam seinem ersten Gesamtsieg bei der Tour de France entgegen. Auf der Königsetappe baut der Ex-Skispringer seinen Vorsprung auf Landsmann Tadej Pogacar aus. Den Tagessieg holt sich Lopez. Bei Lennard Kämna war die Luft raus.

Méribel - Primoz Roglic ging auf den brutalen Rampen wie ein Sprinter aus dem Sattel, dann hatte der Ex-Skispringer in 2304 Metern Höhe die größte Hürde auf dem Weg zum ersten slowenischen Tour-Triumph gemeistert.

Vor den Augen von Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron zementierte der slowenische Radstar bei dem unmenschlich anmutenden Kletterspektakel auf dem Dach der Tour mit seinem zweiten Platz auf der Königsetappe hinter dem Kolumbianer Miguel Angel Lopez die Führung in der Gesamtwertung.

Roglic knöpfte nach 170 Kilometern bei der Bergankunft auf dem Col de la Loze seinem drittplatzierten Rivalen Tadej Pogacar wichtige 15 Sekunden ab. Damit leuchtete das Gelbe Trikot von Roglic inmitten der Alpenriesen noch etwas gelber, 57 Sekunden liegt der Vuelta-Champion nun vor seinem neun Jahre jüngeren Landsmann Pogacar. Die Vorentscheidung um den Gesamtsieg scheint fast gefallen, die letzten Prüfungen auf dem Weg nach Paris sind überschaubar. Denn das Bergzeitfahren am vorletzten Tag dürfte eine klare Angelegenheit für Superstar Roglic sein. Neuer Gesamtdritter ist Lopez 1:26 Minuten zurück.

Beim deutschen Youngster Lennard Kämna war einen Tag nach seinem beeindruckenden Etappensieg in Villard-de-Lans die Luft raus. Der 24-Jährige gehörte zunächst einer Ausreißergruppe an, doch bereits am vorletzten Berg musste der Norddeutsche abreißen lassen. "Die Tour geht auch an Lennard nicht spurlos vorbei. Es schaut so aus, dass die Kraft dem Ende zugeht", sagte Teamchef Ralph Denk der ARD.

Gar nicht mehr am Start war der von Rückenschmerzen geplagte Titelverteidiger Egan Bernal. Der Kolumbianer stieg noch vor der Etappe aus und machte damit das Debakel seines Super-Rennstalls Ineos Grenadiers perfekt. "Natürlich wollte ich nicht, dass meine Tour de France so endet, aber ich stimme zu, dass es unter den gegebenen Umständen die richtige Entscheidung für mich ist", sagte Bernal, der am Vortag fast eine halbe Stunde auf Kämna verloren hatte.

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Die Kletterpartie auf dem 21,5 Kilometer lange Anstieg mit durchschnittlich 7,8 Prozent Steigung entwickelte sich regelrecht zu einem Ausscheidungsfahren. Es ging es richtig zur Sache. Die slowenischen Stars schüttelten die Mitkonkurrenten wie lästige Fliegen ab. Rigoberto Uran, Mikel Landa, Richie Porte - nichts ging mehr bei Steigungen von bis zu 24 Prozent. 2,9 Kilometer vor dem Ziel war in Giro-Sieger Richard Carapaz auch der letzte Ausreißer gestellt.

Der Tag begann, wie der vorige endete - mit Kämna an der Spitze. Als Mitglied in einer Ausreißergruppe, der auch wieder Carapaz und Frankreichs Star Julian Alaphilippe angehörten, wollte das Riesentalent nun das Gepunktete Trikot in Angriff nehmen. Gut geschlafen habe er, auch wenn er ein wenig aufgedreht gewesen sei. Kein Wunder, hatte er bei seinem Etappensieg am Dienstag doch ein Gefühlschaos erlebt. Am Ende standen Champagner und Smoothies auf dem Speiseplan bei der kleinen Teamfeier in Grenoble. "Die Erleichterung war beim Team größer als bei mir. Ich habe mich nicht riesig unter Druck gefühlt", sagte Kämna.

Wo soll das mal hinführen? "Er ist ein Ausnahmetalent. Er steigert sich zum Ende einer Rundfahrt. Das macht Mut für die Zukunft, dass er auf das Podium fahren kann, wenn alles passt", sagte Didi Thurau der Deutschen Presse-Agentur. Der Frankfurter war 1977 sogar 15 Tage lang im Gelben Trikot gefahren und gewann insgesamt sechs Tour-Etappen.

Ähnlich sieht es Olaf Ludwig. "Er sitzt sehr ästhetisch auf dem Rad, hat ein hohes Leistungsvermögen, ist taktisch clever. Da werden wir noch viel Spaß an dem Rennfahrer in den nächsten Jahren haben", sagte der Olympiasieger von 1988 der dpa.

Die letzte Alpen-Etappe über 175 Kilometer von Méribel nach La Roche-sur-Foron ist am Donnerstag nicht mehr gar so schwer, hat aber trotzdem ihre Tücken. Am Ende des letzten Anstiegs zum Plateau des Glières wartet noch eine fast zwei Kilometer lange Schotterpiste. Ein Defekt kann hier gravierende Folgen haben und wäre auf den letzten 31 Kilometern mit der rasenden Abfahrt zum Ziel kaum mehr aufzuholen.

© dpa-infocom, dpa:200916-99-590064/3

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