Tour de France

Teamchef Denk: „Ein famoser Auftritt von Kämna“

Autor: 
Jochen Klingovsky
Lesezeit 6 Minuten
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16. September 2020
Ein Mann mit einer klaren Meinung: Ralph Denk, Chef des Teams Bora-hansgrohe

Ein Mann mit einer klaren Meinung: Ralph Denk, Chef des Teams Bora-hansgrohe ©Foto: dpa/Matthias Balk

Der Macher im Rennstall Bora-hansgrohe lobt seinen Etappensieger, spricht über die Perspektive seines Teams – und erklärt, warum er Dopingvorwürfe gegen die slowenischen Dominatoren der Tour für völlig verfehlt hält.

Grenoble/Stuttgart - Mit hohen Zielen ist der deutsche Rennstall Bora-hansgrohe in die Tour de France gestartet – und den eigenen Ansprüchen lange hinterhergefahren. Dann gelang Lennard Kämna am Dienstag der ersehnte Etappensieg, der auch Ralph Denk mächtig beeindruckt hat. Der Teamchef über . . .

. . . die Leistung von Lennard Kämna: „Der Etappensieg war spektakulär herausgefahren. Wir hatten ständig Funkkontakt mit ihm, er ist im Rennen sehr selbstbewusst gewesen. Vor dem letzten Gipfel wollte er unbedingt attackieren und sich absetzen, weil er meinte, dass ihn danach niemand mehr einholen könne. Und dann hat er seinen Worten Taten folgen lassen. Es war ein famoser Auftritt, am Ende hat der Stärkste die Etappe gewonnen.“

. . . die Feier am Abend: „Erst mussten mal alle Vorarbeiten für den nächsten Tag erledigt werden, dann haben wir um 22.30 Uhr im Mercure-Hotel in Grenoble gemeinsam auf den Erfolg angestoßen. Es war ein schöner Moment, den wir sehr genossen haben – auch weil es der erste Tour-Etappensieg eines deutschen Fahrers für unser Team war.“

. . . den Wert des Etappensiegs: „Es war eines unserer drei Ziele, eine Etappe zu gewinnen. Ich bin froh, dass wir da einen Haken dran machen können – jetzt können wir mit breiter Brust in Paris einfahren. Allerdings hat mich und sicher ganz Radsport-Deutschland auch schon vorher beeindruckt, wie wir als Team bei der Tour aufgetreten sind. Wir haben wesentlich zum Unterhaltungsfaktor dieses Rennens beigetragen. Das macht mich schon stolz.“

. . . den Verzicht von Lennard Kämna auf die WM: „Er ist sicher noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung. Allerdings stehen wir als Team dafür, Talente langsam aufzubauen. Lennard Kämna zeigt bei dieser Tour außergewöhnliche Leistungen, dies geht aber auch an die Substanz. Danach benötigt sein Körper eine Pause.“

. . . die harte Arbeit, die sich lange nicht ausgezahlt hat: „Die Daten zeigen, dass wir bei der Tour die meisten Führungskilometer gesammelt haben. Die Jungs machen echt einen guten Job, investieren unglaublich viel. Seitdem klar ist, dass Emanuel Buchmann in der Gesamtwertung nicht die erhoffte Rolle spielen kann, sind wir eine Doppelstrategie gefahren: Etappensieg und das Sprinter-Trikot für Peter Sagan. Dabei haben wir uns zeitweilig selbst kannibalisiert, aber das ist nun vergessen – auch wenn nicht alle unsere Ziele aufgegangen sind.“

. . . Peter Sagan, der sein achtes Grünes Trikot gewinnen will: „Sagan ist nicht ganz auf dem Niveau von 2018, er hatte in Monaco einen sehr harten und langen Lock-down. Trotzdem sind wir es ihm schuldig, ihn als Team zu 100 Prozent zu unterstützen. Das sind die Werte, die wir in unserer Mannschaft leben.“

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. . . die Chancen, dass Sagan am Sonntag in Grün durch Paris rollt: „Wir kennen Sam Bennett, den Führenden in der Punktewertung, ja ganz gut – er hat seinen Beruf bei uns im Team gelernt. Er kann sich quälen, trotzdem bleibt seine Schwäche die dritte Woche in den Bergen. Ich sehe nur eine Möglichkeit, ihm das Grüne Trikot noch abzunehmen: indem wir mit dafür sorgen, dass er bei der Hochgebirgsetappe am Donnerstag die Karenzzeit nicht schafft. Das ist eine absolut legitime Taktik, bei der ich null Hemmungen habe. Wer bei der Tour aufs Podest will, muss in Paris ankommen.“

. . . die Schwächen von Emanuel Buchmann: „Es war trotz der Verletzungen, die er sich bei seinem schweren Sturz bei der Dauphine-Rundfahrt zugezogen hat, die richtige Entscheidung, ihn zur Tour mitzunehmen. Er wollte aufs Podium, das war nicht möglich. Doch nun kann er zeigen, dass er in der Lage ist, aus Niederlagen zu lernen. Ich bin überzeugt, dass er noch stärker zurückkommen wird. Und auch das Team wird von dieser Situation profitieren: Irgendwann wollen wir die Frankreich-Rundfahrt gewinnen, dafür war die Erfahrung, wie es sich anfühlt, viele Etappen von vorne zu fahren, sehr wertvoll.“

. . . die Aussichten auf 2021: „Erst einmal hoffe ich auf eine normale Saison – in der wir wieder ähnliche Ziele haben werden: Mit Sagan einen Klassiker gewinnen, mit Buchmann aufs Podium der Tour. Dafür haben wir uns auch bereits prominent verstärkt. Zugleich sind wir aktuell das älteste Team in der World-Tour, was wir auch deshalb ändern wollen, weil sich zeigt, dass immer mehr junge, gut geführte Profis Rennen gewinnen. Deshalb haben wir bereits fünf ganz junge, talentierte Fahrer verpflichtet.“

  . . . das Corona-Konzept bei der Tour: „Ich finde, es läuft aus Sicht der Teams sehr gut. Wir haben unsere Blasen, wir haben den nötigen Abstand, wir haben Sicherheit. Dafür gebührt dem Veranstalter ein Lob. Die Zuschauermengen, die Enge und die vielen Fans ohne Masken bei der einen oder anderen Bergetappe will ich nicht bewerten.“ 

. . . die Favoriten auf den Sieg: „Ich glaube, dass Primoz Roglic gewinnen wird. Er ist stabiler als Tadej Pogacar, hat mehr Rennkilometer in den Beinen. Ich gehe aber nicht davon aus, dass er der nächste Seriensieger der Tour wird. Für mich ist Pogacar der Mann der Zukunft für große Rundfahrten.“

. . . die Dominanz der Slowenen: „Die beiden kommen aus einem Land, das keine Radsport-Nation ist. Dass es nun zwei slowenische Top-Leute gibt, ist, als ob man bei der Suche im Heuhaufen zwei Nadeln findet. Trotzdem stellt sich mir die Frage nach der Glaubwürdigkeit nicht. Ich warne davor, jemanden nur zu verdächtigen, weil er eine bestimmte Staatsbürgerschaft hat. So lange es bei Roglic und Pogacar keinerlei Fakten gibt, halte ich es für völlig verfehlt, sie mit Doping in Verbindung zu bringen.“

. . . die Stärke von Roglics Team Jumbo-Visma: „Dort wird sehr gut gearbeitet. Was wir hören, sagt viel aus über die enorm wissenschaftliche, behutsame, analytische Vorgehensweise bei Jumbo-Visma. Zudem scheint es gelungen zu sein, den besonderen Weg, der im Pandemie-Jahr nötig war, zu finden. Da war eine ganz andere Terminierung und Periodisierung notwendig. Und zuletzt, da muss man nicht drumherum reden, ist Jumbo-Visma die Wachablösung auch deshalb gelungen, weil dort bärenstarke Profis fahren. Da wurden auf dem Transfermarkt ganz tolle Entscheidungen getroffen.“

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