Ski alpin

Wie Romed Baumann Deutscher wurde

Autor: 
Dominik Ignée
Lesezeit 5 Minuten
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24. Januar 2020
Rasant: Romed Baumann überzeugt in Kitzbühel mit guten Leistungen.

Rasant: Romed Baumann überzeugt in Kitzbühel mit guten Leistungen. ©Foto: dpa/Expa

Der Österreicher Romed Baumann hat die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen, ist im DSV-Team richtig glücklich geworden – und das im Alter von 34 Jahren. In Kitzbühel beweist er mit starken Trainingsergebnissen seine Klasse.

Kitzbühel - Gewöhnungsbedürftig war es schon, als Romed Baumann in diesem Winter unten im Zielraum erstmals auf die Anzeigentafel blickte: Hinter seinem Namen befand sich die deutsche Fahne. In den 13 Jahren zuvor war es die österreichische. Nun ist Baumann nicht der erste Österreicher, der die rot-weiß-rote Flagge in den Keller räumt, um für eine andere Nation zu starten. Doch der Wechsel im schon fortgeschrittenen Alter – am 14. Januar wurde er 34 – er mutet schon etwas sonderbar an.

Das aber nur auf den ersten Blick. Baumann bekam im österreichischen Team keinen Stammplatz mehr, stattdessen schickten sie ihn in zähe Qualifikationswettfahrten. „Ich habe das zwei Jahre mitgemacht, die Qualimühle arbeitet dich irgendwann auf“, erinnert sich der Allrounder, der sich im ÖSV-Gefüge wie ein Auslaufmodell behandelt fühlte. Dabei hat er immerhin zwei Kombinationsweltcups gewonnen, holte WM-Silber mit der Mannschaft und Kombi-Bronze noch dazu. Er war in Österreich keine Siegmaschine, aber ein solider Mann für vordere Plätze. Auf einmal so behandelt zu werden, es schlug ihm aufs Gemüt.

Sportlicher Schritt über die Grenze

Statt aufzugeben, rief Baumann beim Deutschen Skiverband an und fragte, ob er mitmachen dürfe, wenn er Deutscher werde. Im vergangenen Sommer wurde der Deal dann perfekt gemacht. Baumann hatte durch seine Heirat die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen. Seine Frau Vroni ist Bayerin, die beiden leben mit zwei Töchtern in Kiefersfelden. Nah dran an der Grenze ist das, liegt aber auf deutscher Seite. Durch seine familiäre Situation war das alles möglich geworden, und irgendwie auch begründbar.

Steine wurden ihm nicht in den Weg gelegt. In den Statuten des Ski-Weltverbandes Fis ist klar geregelt, dass solch ein Wechsel möglich ist, wenn sich die beiden Verbände einig sind. „Ich habe die Freigabe vom ÖSV bekommen, durfte die Punkte mitnehmen, bekam keine Sperre und konnte nahtlos hinüberwechseln“, sagt Baumann. Der auch sportliche Schritt über die Grenze war für die Österreicher nachvollziehbar. „Der ÖSV hat mich freigegeben, weil ich nicht für Tadschikistan oder die Malediven an den Start gehe, sondern für Deutschland, wo ich verheiratet bin und wo ich meinen Wohnsitz habe“, erklärt er. Alles habe aus Sicht des ÖSV durchaus Hand und Fuß gehabt.

Flaggentausch ist nicht unüblich

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Einige seiner Kollegen, die auch unzufrieden sind, die haben Baumann um diese Möglichkeit beneidet und ihm zu diesem Schritt geraten. Dass alpine Rennläufer mal die Flagge austauschen, ist nicht unüblich. Marc Girardelli, Katharina Gutensohn-Knopf, Claudia Riegler, Elfi Eder, Pepi Strobl, Kilian Albrecht und Fritz Dopfer haben den ÖSV auch schon verlassen, um für eine andere Nation zu starten. Baumann hat nun die Doppelstaatsbürgerschaft, er sei als Mensch halb Deutscher und halb Österreicher, wie er sagt – doch wenn er sich aus dem Starthaus rammt, gibt es nur eines: „Dann bin ich zu 100 Prozent Deutscher.“

In Kitzbühel hat der Tiroler seine Klasse unter Beweis gestellt. Im Super G wurde er 22. mit Startnummer 47 und in den Trainingsläufen auf der Streif-Abfahrt raste er auf die Plätze zehn und acht, von solchen Ergebnissen konnten seine neuen Teamkollegen Josef Ferstl und Thomas Dreßen nur träumen. Sie alle haben den neuen Mann aber herzlich aufgenommen. Er sei mit nichts gekommen – und wurde sofort integriert, sagt Baumann. „Es hätte nicht besser sein können, nur der Peppi Ferstl, der mobbt mich ein bisserl.“ Warum? „Er sagt nicht Romed Baumann zu mir, sondern Roman Baumed.“

Baumann denkt noch lange nicht ans Karriereende

Josef Ferstl sagt aber auch das: „Er ist echt cool und ein genialer Kerl.“ Thomas Dreßen gab derweil zu Protokoll, vom neuen (alten) Mann im Team „brutal“ zu profitieren. Nun könnte man aber auch zu dem Ergebnis kommen, ein schon etwas in die Jahre gekommener Österreicher nehme einem deutschen Talent im DSV-Team nur den Platz weg. So ist es aber nicht. Von Anfang an hat der DSV mit Baumann vereinbart, dass er weichen muss, sollte ein Nachwuchsmann besser sein. „Er muss sich innerhalb des Teams für einen Startplatz durchsetzen, und das hat er leistungstechnisch gemacht“, sagt ein Sprecher des Verbands.

Trotz seines Alters denkt Romed Baumann derweil noch lange nicht ans Karriereende. „Ich plane längerfristig. Man kann bis ins hohe Alter gut Skifahren. Außerdem bin ich bis jetzt verletzungsfrei geblieben in meiner Karriere“, sagt er, es gebe nicht viele Abfahrer, die das mit 34 Jahren von sich behaupten könnten. Und wenn er an diesem Samstag seine starken Trainingsergebnisse auf der berüchtigten Streif wiederholt oder verbessert, ist er sowieso einer der glücklichsten Menschen der Welt. Eine gute Platzierung in Kitzbühel steht über allem – da verkommt die Nationalität zur Randnotiz.

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