Washington/Tuscaloosa

Altmaier auf Handelsmission in den USA

Autor: 
dpa
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
12. Juli 2019
Bundeswirtschaftsminister Altmaier hält eine Lösung im schwierigen Handelskonflikt mit den USA für möglich.

Bundeswirtschaftsminister Altmaier hält eine Lösung im schwierigen Handelskonflikt mit den USA für möglich. ©dpa - Andreas Hoenig

Es geht um viel. Und die Uhr tickt. Ab November droht im Handelskonflikt zwischen den USA und der EU eine Eskalation.

US-Präsident Donald Trump könnte massiv höhere US-Einfuhrzölle auf Autos aus Europa verhängen - ein Horrorszenario vor allem für deutsche Hersteller. Die Verkäufe könnten einbrechen, das hätte womöglich Folgen für Jobs. Wirtschaftsminister Peter Altmaier will alles tun, um das zu verhindern. Und deswegen ist er in den USA als Handlungsreisender unterwegs gewesen.

Die Verhandlungen mit den USA führt zwar die EU. Doch die deutsche Stimme finde Gehör in Washington, ist man im Wirtschaftsministerium überzeugt. Immer wieder zählt Altmaier auf: Die Autobauer BMW und Mercedes mit Werken in den Staaten gehörten zu den größten Exporteuren. Deutsche Unternehmen hätten knapp 700.000 Jobs in den USA geschaffen und Milliarden investiert. Ein Handelskrieg würde nur Verlierer bringen. Schon jetzt seien die deutschen Unternehmen verunsichert und warteten ab, ob sie neue Investitionen in den USA tätigten, sagt Altmaier. Und setzt ein bewusstes Signal mit seinem Besuch des Mercedes-Werks in Tuscaloosa im US-Bundesstaat Alabama an diesem Freitag.

Die Frage aber ist, ob das alles die Amerikaner überzeugt. Trump hat Handelskonflikte mit China und der EU ausgelöst, ihm sind die riesigen Handelsdefizite mit China oder Deutschland ein Dorn im Auge. Die Erzählung geht so, wie es in deutschen Regierungskreisen heißt: Die Amerikaner beschützen Europa militärisch - die aber, allen voran Deutschland, geben zu wenig für die Verteidigung aus und überrumpeln die USA auch noch wirtschaftlich.

Derzeit herrscht im Handelskonflikt eine Art Waffenstillstand. Mitte Mai hatte Trump angedrohte Sonderzölle auf Einfuhren von Autos aus der EU für ein halbes Jahr ausgesetzt. In dieser Zeit soll über ein Handelsabkommen verhandelt werden. Bisher verlangen die USA für europäische Autos 2,5 Prozent Einfuhrzoll - die EU kassiert 10 Prozent. Demgegenüber liegt der US-Einfuhrzoll für die in den USA so beliebten Pick-ups bei 25 Prozent. Trump könnte die Pkw-Einfuhrzölle auf 25 Prozent oder mehr erhöhen, die EU könnte dann mit Gegenzöllen reagieren. Das wäre dann der Ernstfall.

- Anzeige -

Altmaier erneuerte in Washington das Angebot, die Industriezölle auf null zu setzen. Dann könne der Kunde entscheiden, welches Auto er kaufen wolle. Und hier sind die Deutschen selbstbewusst mit ihren erfolgreichen Oberklasse-Herstellern BMW, Mercedes und Porsche.
Verhandlungsführer auf US-Seite ist der Handelsbeauftragte Robert Lighthizer. Nach einem Treffen mit ihm am Donnerstag sagt Altmaier, das Thema sei schwierig. Doch der CDU-Mann ist vom Naturell her Optimist. Bis Ende des Jahres oder noch bis zum Amtsantritt der neuen EU-Kommission im November könne eine Verständigung erreicht werden - falls der politische Wille da sei. Die Chancen lägen bei 50:50.

Aber es gibt große Stolpersteine. Die EU möchte mit den USA eine Vereinbarung schließen, die alle Industriegüter inklusive Automobile beinhaltet. Ziel ist es, Industriezölle auf breiter Front zu senken . Die USA aber wollen auch über Agrarprodukte verhandeln - die EU nicht. Vor allem die Autoindustrie hat für Deutschland eine überragende Bedeutung. Und sie steht vor einer Zäsur - hin zu alternativen Antrieben, hin zu autonom fahrenden Autos. Und das ist das andere große Thema der US-Reise Altmaiers: der unaufhaltsame digitale Wandel.

Zwei Tage lang ist der 61-Jährige im Silicon Valley, der Heimat vieler Startups und IT-Giganten. Der Minister will vor allem eins: zuhören und lernen. Und er lernt dazu. «Ich war erst erschrocken, als ich das Wort Evangelisten gehört habe», sagt er beim Mittagessen mit deutschen Managern in Palo Alto. «Evangelisten» - das sind Leute im «Valley», die sich als Verkünder der frohen Botschaft des digitalen Fortschritts sehen.

In Deutschland aber gibt es auch viel Skepsis, was der so mit sich bringt. Altmaier erzählt, wie er mit Krankenschwestern über den Einsatz von Pflegerobotern diskutiert habe und welche Angst die Schwestern hätten, dadurch ihren Job zu verlieren. Ganz im Gegenteil, sagt der CDU-Mann: durch die Pflegeroboter gebe es wieder mehr Zeit für die Betreuung von Menschen.

Altmaier ist überzeugt: beim digitalen Wandel fallen zwar viele alte Jobs weg - am Ende aber werden unterm Strich mehr neue Jobs entstehen. Die Frage ist nur, wo. Denn Deutschland drohe bei den Zukunftstechnologien wie dem autonomen Fahren oder der Künstlichen Intelligenz zurückzufallen. Das «Innovationstempo» müsse erhöht werden, fordert der Wirtschaftsminister - Motto: Angriff ist die beste Verteidigung. Das macht er auch deutschen Unternehmen bei einem Abendessen in Palo Alto klar. Die deutschen Konzerne seien Platzhirsche - «und die neigen dazu, etwas zu verteidigen».

Weitere Artikel aus der Kategorie: Wirtschaft

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht. Die Bundesregierung will die Verbraucher rasch per Gesetz gegen Abzocke und Kostenfallen schützen.
16.08.2019
Berlin
Am Telefon aufgeschwatzte Verträge oder überlange Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen - Verbraucher sollen besser vor Abzocke geschützt werden.
Dieser Kleinbustyp in gelb fährt zukünftig eine kleine Strecke in Berlin ganz ohne Fahrer.
16.08.2019
Berlin
Die Berliner können erstmals einen selbstfahrenden Kleinbus im normalen Straßenverkehr testen.
Steigende Mieten und Immobilienpreise machen zunehmend dem Handwerk in Großstädten zu schaffen. In viele Quartieren verschwinden Bäcker, Fleischer und Schuster.
16.08.2019
Frankfurt/Main
Der Immobilienboom in Deutschland setzt auch Händler und Handwerker unter Druck. «Gerade in Großstädten sehen wir seit Jahren steigende Mieten.
Die Gäste sind zahlreich vorhanden, aber Mitarbeiter in der Gastronomie sind schwer zu finden. Eine Männergruppe stößt im Biergarten eines Wirtshauses an der Isar mit ihren Weißbiergläsern an.
16.08.2019
Wiesbaden
Hoteliers und Gastwirte in Deutschland haben im ersten Halbjahr gute Geschäfte gemacht.
Nach dem Gerichtsurteil zur Luftverschmutzung in Aachen fordern die Städte von der Autobranche mehr Tempo bei der Nachrüstung älterer Dieselautos.
16.08.2019
Königswinter/Wolfsburg
Nach der Genehmigung für Hardware-Nachrüstungen von VW-Dieselfahrzeugen drückt der Technologie-Anbieter Baumot aufs Tempo.
Mit Containern beladene Lastwagen stauen sich auf der Köhlbrandbrücke im Hafen Hamburg.
16.08.2019
Hamburg
Der Hamburger Hafen hat nach Jahren der Stagnation wieder in den Vorwärtsgang geschaltet und ist im ersten Halbjahr kräftig gewachsen.
Bei Bosch seien Stellenkürzungen praktisch unausweichlich, sagt kürzlich der Vorsitzende der Bosch-Geschäftsführung, Volkmar Denner.
16.08.2019
Nürnberg
Eine mobile Branche geht am Stock: Abbau von Arbeitszeitkonten, Personalreduzierung, Standortverlagerung - sogar Werksschließungen - die Autozulieferer in Deutschland diskutieren landauf landab, wie sie sich am sinnvollsten gegen die Branchenflaute wappnen.
Oliver Zipse übernimmt den Chefposten bei BMW.
16.08.2019
München
Der neue BMW-Chef Oliver Zipse tritt heute sein Amt im Münchner Vierzylinder-Hochhaus an. Der 55-jährige Ingenieur war bisher als Produktionschef für die weltweit 31 BMW-Werke verantwortlich.
Eine Boeing 777 wird auf den Vorfeld des Frankfurter Flughafens für den nächsten Flug vorbereitet. Der Konzern hat den Zeitplan des Entwicklungsprogramms für die Variante 777-8 geändert.
15.08.2019
Chicago
Nach dem Debakel um die Baureihe 737 Max muss der US-Luftfahrtkonzern Boeing die Einführung der Ultralangstreckenversion des neuen Modells 777X verschieben.
US-Präsident Donald Trump und der chinesische Präsident Xi Jinping am Rande des G-20-Gipfels in Osaka.
15.08.2019
Peking
China hat erneut mit Vergeltung gedroht, sollten die USA weiter Strafzölle verhängen.
Im deutschen Gebäudereiniger-Handwerk nehmen die Verhandlungsparteien einen neuen Anlauf, um den Tarifkonflikt beizulegen.
15.08.2019
Dreieich
Bei den wiederaufgenommenen Tarifverhandlungen für die rund 650.000 Gebäudereiniger in Deutschland wollen die Arbeitgeber nicht über das geforderte Weihnachtsgeld sprechen.
Ein Auszubildender, der 2012 aus dem Iran nach Deutschland geflohen war, setzt ein Werkzeug in eine Fräsmaschine ein. Betriebe in Deutschland bilden immer mehr Flüchtlinge aus.
15.08.2019
Berlin
Betriebe in Deutschland bilden immer mehr Flüchtlinge aus. Nach einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) bilden 16 Prozent der Unternehmen Geflüchtete aus.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • 06.08.2019
    Ratgeber
    Was tun, wenn eine Krise in unser Leben bricht? Der Ortenberger Unternehmer Joachim Schäfer hat mit der Insolvenz seiner Firma genau das durchleben müssen – und einen Weg heraus gefunden. Seine Erkenntnisse teilt er nun in einem Buch, das nicht ein Autor, sondern nur er schreiben konnte, wie...
  • 02.08.2019
    Manufaktur für orthopädische Leistungen
    Am Wochenende beginnt der Spielbetrieb in der Fußball-Oberliga Baden-Württemberg. In den kommenden Wochen folgen dann auch die anderen Ligen. Um die Saison durchhalten zu können, brauchen die Sportler eine gute Fitness, Gesundheit - und das individuell angepasste Schuhwerk. Dieses ist Voraussetzung...
  • 31.07.2019
    Medizin, Kosmetik, Naturheilkunde
    Wer krank ist oder eine Beratung zu medizinischen Themen braucht, für den ist oft die Apotheke die erste Anlaufstelle. Die Stadt-Apotheke in Offenburg, die Apotheke am Storchenturm in Lahr und die Apotheke am Klinikum in Lahr bieten als Partner-Apotheken neben einer freundlichen und qualifizierten...
  • 17.07.2019
    Große Wiedereröffnung
    Nur einige Meter vom alten Standort entfernt – und doch ist alles neu: Am Donnerstag, 18. Juli, öffnet um 8 Uhr im Lahrer Fachmarktzentrum nicht nur ein neuer, sondern zugleich der jüngste und modernste MediaMarkt Deutschlands seine Türen.