Brüssel

Autoindustrie stemmt sich gegen geplante Klimavorschriften

Autor: 
dpa
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
04. September 2018
Die Europäische Autoindustrie stellt die Einhaltung der vorgeschriebenen Klimaziele für 2021 in Frage.

Die Europäische Autoindustrie stellt die Einhaltung der vorgeschriebenen Klimaziele für 2021 in Frage. ©dpa - Matthias Balk

Die Autoindustrie tritt vor den entscheidenden Verhandlungen auf EU-Ebene erneut beim Klimaschutz auf die Bremse.

Der europäische Dachverband Acea weckte Zweifel, ob die bereits verbindlich vorgeschriebenen Ziele für 2021 noch erreicht werden könnten und warnte vor Jobverlusten bei harten neuen Vorgaben für 2030. Umweltschützer und die Grünen wiesen dies scharf zurück und warben für einen raschen und radikalen Umstieg auf Elektroautos.

Hintergrund des Schlagabtauschs ist die anstehende Festlegung des Europaparlaments auf neue Auto-Klimaziele bis 2030. Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, dass der Kohlendioxid-Ausstoß bei Neuwagen von 2021 bis 2030 um 30 Prozent reduziert werden soll. Im Europaparlament steht dagegen eine Minderung um 50 oder gar 75 Prozent zur Debatte. Nächste Woche soll der Umweltausschuss und Anfang Oktober das Plenum abstimmen, um dann Verhandlungen mit den Mitgliedsstaaten aufnehmen. Wie Deutschland sich dann positioniert, ist noch offen.

Acea-Generalsekretär Erik Jonnaert sagte der Deutschen Presse-Agentur: «In unserer Branche herrscht große Sorge, ob wir das Ziel für 2021 erreichen, denn das wird natürlich schon kniffelig.» Denn seit dem Diesel-Skandal würden wieder mehr Benziner verkauft, die mehr verbrauchen.
Seit 2009 gilt die EU-Vorschrift, dass Neuwagen eines Herstellers spätestens 2021 im Durchschnitt nur noch 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen dürfen. Tatsächlich lag der Wert 2017 im Schnitt bei 118,5 Gramm - mit leicht steigender Tendenz.

- Anzeige -

Jonnaert betonte, gerade deshalb brauche es für 2030 ein realistisches Ziel: Acea halte eine CO2-Reduktion bei Neuwagen um 20 Prozent in Vergleich zu 2021 für machbar. Rasch wachsende Anteile von Elektroautos seien wegen fehlender Kundennachfrage aber unrealistisch. Außerdem brächte ein zu schneller Umbruch hohe Jobverluste in Autoregionen wie Stuttgart, argumentierte Jonnaert.

Die Grünen-Europaabgeordnete Rebecca Harms ließ dies nicht gelten. Eine Studie der IG Metall gehe von nur moderaten Arbeitsplatzverlusten aus, sagte sie am Dienstag in Brüssel. Im übrigen sei der Umstieg auf emissionsarme und emissionsfreie Autos unausweichlich. «Die Zukunft des Autos wird elektrisch sein», sagte Harms.

Um die Ziele des Weltklimapakts von Paris zu erreichen, müssten Minderungsziele für Autos von bis zu 75 Prozent bis 2030 gesetzt werden, fügte sie hinzu. Dies sei im Europaparlament nicht durchsetzbar, aber ein Kompromissvorschlag sehe immerhin ein Ziel von 50 Prozent vor.
Die Umweltschutzverbände BUND, Deutsche Umwelthilfe und der ökologische Verkehrsclub VCD warben in Berlin für eine Zielmarke von 60 bis 70 Prozent weniger CO2. Das sei «notwendig, technisch machbar und volkswirtschaftlich sinnvoll», erklärten sie gemeinsam.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer betonte ebenfalls, die Einsparziele für 2030 müssten verschärft werden. Das «Klimadebakel» der Autoindustrie hänge nicht mit dem Absatzrückgang beim Diesel zusammen, sondern mit der Modellpolitik der Autobauer: «Die Autos werden schwerer und haben mehr PS, zusätzlich werden immer mehr Geländewagen verkauft. Das sind die Gründe, warum viele Hersteller die Klimaziele nicht erreichen werden.»

Weitere Artikel aus der Kategorie: Wirtschaft

Berlin
vor 2 Stunden
Die Bundesregierung lädt am Freitag zum »Wohngipfel« ein. Was tun gegen hohe Mieten und knappen Wohnraum im Land? Um diese zentrale Frage soll es bei dem Mega-Treffen ab 12 Uhr im Berliner Kanzleramt gehen. Fundamentale Neuigkeiten sind allerdings kaum zu erwarten.
Kippenheim
vor 2 Stunden
Die Schneeweiss AG Interior, Mutterkonzern der auf Möbel und Inneneinrichtung spezialisierten Firmen Hiller und Rosconi, wird in einen modernen Neubau am Standort Kippenheim investieren.
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier während der Pressekonferenz zum «Netzgipfel».
Berlin
vor 8 Stunden
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat sich auf dem «Netzgipfel» mit seinen Länderkollegen auf eine Doppelstrategie zum beschleunigten Netzausbau verständigt. «Wir brauchen mehr Stromnetze und zügig», sagte Altmaier in Berlin nach einem Spitzentreffen.
Bügel der Modekette Tom Tailor hängen in einer Show-Filiale in der Zentrale der Modekette in Hamburg.
Hamburg
vor 18 Stunden
Die Modekette Tom Tailor muss wegen des heißen Sommers, hoher Rabatte und Problemen mit der Marke Bonita zurückrudern. Im laufenden Jahr erwartet der Vorstand einen Umsatzrückgang von bis zu neun Prozent auf 840 bis 860 Millionen Euro, wie das Unternehmen in Hamburg mitteilte.
Ryanair liegt europaweit mit Piloten und Flugbegleitern im Streit über Löhne und Arbeitsbedingungen.
Frankfurt/Dublin
vor 21 Stunden
Angesichts andauernder Tarifkämpfe bei Ryanair hat die deutsche Pilotengewerkschaft VC ein komplett neues Management bei dem irischen Billigflieger gefordert.
Mit 12,88 Millionen Euro Europas bestbezahlter Unternehmensboss: Roche-CEO Severin Schwan.
Frankfurt/Main
vor 22 Stunden
Die Chefs deutscher Top-Konzerne liegen mit ihrer Vergütung im europäischen Vergleich auf einem der vorderen Plätze.
Die Zeil in Frankfurt bleibt die meistbesuchte Einkaufsstraße Deutschlands.
Düsseldorf
20.09.2018
Licht und Schatten liegen im deutschen Einzelhandel derzeit nahe beieinander: Die Kauflaune der Verbraucher ist gut, gleichzeitig sorgt der Siegeszug des Onlinehandels für Umbrüche in der Branche.
Eine Filiale der Buchhandelskette Thalia in Berlin.
Wirtschaft
19.09.2018
Düsseldorf (dpa)- Dem deutschen Buchhandel laufen die Leser weg. Allein in den vergangenen fünf Jahren verlor er nach Daten des Börsenvereins des Buchhandels rund 6,4 Millionen Kunden.
McDonald's Europe zahlte in Luxemburg sowie in den USA praktisch keine Körperschaftssteuern.
Brüssel
19.09.2018
Luxemburg hat dem Fastfood-Konzern McDonald's nach einer Entscheidung der EU-Wettbewerbshüter keine illegalen Steuervergünstigungen gewährt. Das Land habe nicht gegen EU-Beihilferegeln verstoßen, teilte die EU-Kommission in Brüssel mit.
Weinlese in Hessen. Die Winzer in Deutschland können sich in diesem Jahr über eine reiche Ernte freuen.
Wiesbaden/Mainz
19.09.2018
Das warme und sonnige Wetter hat den Winzern in Deutschland in diesem Jahr eine deutlich größere Ernte als üblich eingebracht. Die Menge werde voraussichtlich bei 9,75 Millionen Hektolitern Wein liegen, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden nach ersten Schätzungen mit.
Gerade im Gastgewerbe sind Überstunden nach Angaben der NGG an der Tagesordnung.
Berlin
19.09.2018
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) prangert zu seltene Arbeitszeit-Kontrollen in Deutschland an. Die zuständigen Behörden hätten im Jahr 2017 rund 15.200 Kontrollen in Betrieben vorgenommen.
Wirtschaftliche Lage gut, Vertrauen in die politische Stabilität gering: Die mittlere Generation ist verunsichert.
Berlin
19.09.2018
Die gute Wirtschaftslage macht sich auch bei der mittleren Generation bemerkbar. Einer Mehrheit der 30- bis 59-Jährigen geht es nach eigenem Bekunden besser als vor fünf Jahren, die Sorge um den Arbeitsplatz ist gering.