Trockener Sommer

Bäume in Not - Waldschäden nehmen weiter zu

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dpa
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17. Oktober 2020
Abgestorbene Fichten im Harz. Foto: Swen Pförtner/dpa

Abgestorbene Fichten im Harz. Foto: Swen Pförtner/dpa ©Foto: dpa

Deutschlands Wäldern geht es seit Jahren schlecht - es regnet zu wenig. In diesem Jahr hat sich die Lage in vielen Regionen weiter verschlechtert. Für zahlreiche Waldbesitzer ist das auch ein finanzielles Desaster.

München - Der Zustand der deutschen Wälder hat sich in diesem Jahr weiter verschlechtert. "Die Situation in einem Großteil der Wälder in Deutschland ist nach wie vor katastrophal", sagt Larissa Schulz-Trieglaff, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft der Waldbesitzerverbände (AGDW) in Berlin.

"Das dritte Dürrejahr in Folge hat zu einem weiteren Absterben ganzer Waldflächen geführt, vor allem in Ländern wie Niedersachsen, NRW, Hessen, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg." Denn mit Ausnahme Bayerns südlich der Donau war auch dieser Sommer in den meisten Regionen Deutschlands trockener als üblich, wie die Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zeigen. Die Trockenheit schwächt die Bäume und erhöht die Anfälligkeit für Baumkrankheiten. Sterben Bäume ab oder sind sie schwer geschädigt, zählen sie als sogenanntes Schadholz.

Ganz aktuelle bundesweite Daten gibt es nicht, doch ist die Lage in den großen Flächenländern repräsentativ: So rechnet der Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf in diesem Jahr mit 16,2 Millionen Festmeter Schadholz, 400.000 Festmeter mehr als 2019. Ein Festmeter entspricht einem Kubikmeter.

Und die "Schadfläche", die wiederaufgeforstet werden müsste, wird mit mehr als 32.000 Hektar voraussichtlich fast genau so groß sein wie 2019, wie aus den von dem Unternehmen zur Verfügung gestellten Zahlen hervorgeht.

In Summe nimmt die Fläche abgestorbener oder schwer geschädigter Waldstücke fast überall zu. Beispiel Niedersachsen: "Die Schadfläche von etwa 10.000 Hektar Größe, die bereits in den Jahren 2018 und 2019 entstanden ist, hat sich im Jahr 2020 um bisher schätzungsweise 3500 Hektar vergrößert", sagt ein Sprecher der niedersächsischen Landesforsten in Braunschweig, wobei dies nur grob geschätzte Werte seien.

Am schwersten getroffen sind deutschlandweit Nadelbäume - Fichten und Kiefern. Dürre begünstigt in doppelter Hinsicht die Ausbreitung von Borkenkäfern, die vor allem diese beiden Baumarten befallen.

Einerseits vermehren sich die Insekten bei warmem und trockenem Wetter schneller. Regnet es genug, können die Bäume die Käfer abwehren: Sie bilden Harz und verkleben die Schädlinge in deren Fraßgängen.

Doch ist es zu trocken, fehlt Feuchtigkeit für die Harzbildung. Die Folge ist die explosionsartige Vermehrung der Käfer, die befallenen Bäume sterben innerhalb kurzer Zeit ab.

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Tote Bäume, die mangels Zeit und Personal nicht aus dem Wald geräumt werden können, bieten den Insekten dann wieder gute Brutbedingungen - ein Teufelskreis für Förster und Waldarbeiter.

In Ostdeutschland ist die durchschnittliche Regenmenge ohnehin geringer als im Westen. Hauptbaumart in Brandenburg ist dementsprechend die genügsame Kiefer. Doch Dauerdürre vertragen auch Kiefern nicht. 2019 gab es in Brandenburg "flächige Absterbeerscheinungen", wie es in einem im Sommer veröffentlichten Bericht des Landeskompetenzzentrums Forst Eberswalde heißt.

Forstleute beobachten mit Besorgnis, dass zunehmend auch Laubbäume leiden. "Unerwartet ist das seit Spätsommer 2019 sichtbar werdende Ausmaß komplexer Schäden an Rotbuchen", heißt es in dem Brandenburger Papier. "Auch Trauben- und Stieleiche sind zunehmend von deutlichen Schäden betroffen."

Ähnliches beobachten weit von Brandenburg entfernt die Landesforsten Rheinland-Pfalz: "Bereits im Frühjahr 2019 sind viele Laubbäume in der Rheinebene und am Donnersberg in Folge des Wassermangels nicht mehr ausgetrieben", sagt eine Sprecherin. Besser ist die Lage seither nicht geworden: "Mittlerweile haben auch viele Laubbäume in höher gelegenen Regionen wie dem Westerwald oder dem Soonwald im August und September schon vorzeitig ihre Blätter abgeworfen. Ob sie überleben, wird sich im Frühling 2021 zeigen."

So rätseln staatliche Forstbetriebe und private Waldbesitzer mittlerweile bundesweit, welche Bäume sie überhaupt noch nachpflanzen können. "Niemand kann vorhersagen, wie sich das Klima in den nächsten Jahren entwickelt und ob eine erneute Trockenheit im kommenden Jahr die Setzlinge, die in diesem Jahr gepflanzt wurden, wieder zerstört", sagt Waldeigentümer-Sprecherin Schulz-Trieglaff.

Doch nicht nur die Natur leidet, die Waldschäden sind für private und staatliche Waldbesitzer gleichermaßen ein finanzielles Desaster. Da die Fichte nach wie vor der wichtigste Wirtschaftsbaum ist, hat die Borkenkäferplage der vergangenen Jahre in ganz Mitteleuropa zum Absturz der Holzpreise geführt. Am Freitag meldeten die Bayerischen Staatsforsten - der mit 8000 Quadratkilometern Ländereien größte deutsche Forstbetrieb - einen Nettoverlust von 80 Millionen Euro. Für 2021 erwartet der Vorstand noch schlechtere Zahlen.

Die Arbeitsgemeinschaft der Waldbesitzerverbände fordert daher finanzielle Hilfen, um die Klimaschutzleistung des Waldes zu honorieren. "Wald und Holz nehmen rund 127 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr auf", sagt Schulz-Trieglaff.

© dpa-infocom, dpa:201017-99-976167/2

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