Frankfurt/Main

Deutsche-Bank: Geduld vieler Aktionäre ist am Ende

Autor: 
dpa
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23. Mai 2019
Von der einst stolzen Deutschen Bank ist wenig geblieben, der Aktienkurs kommt nicht aus dem Keller.

Von der einst stolzen Deutschen Bank ist wenig geblieben, der Aktienkurs kommt nicht aus dem Keller. ©dpa - Arne Dedert

Kritik an Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner hat Tradition. Doch die diesjährige Hauptversammlung könnte einen Tiefpunkt des Vertrauens der Aktionäre in den seit sieben Jahren amtierenden Chefkontrolleur des größten deutschen Geldhauses markieren.

Im schlimmsten Fall droht bei dem Aktionärstreffen heute in Frankfurt ein Misstrauensvotum der Anteilseigner: Die Aktionäre könnten Aufsichtsrat und Vorstand die Entlastung für die Arbeit im Geschäftsjahr 2018 verwehren. Dies hätte zwar keine rechtlichen Konsequenzen, wäre aber eine herbe Klatsche.

Von der einst stolzen Deutschen Bank ist wenig geblieben, der Aktienkurs kommt nicht aus dem Keller. Christian Sewing ist bereits der vierte Vorstandschef, der sich in der Ära Achleitner um eine Trendwende müht.

Im vergangenen Jahr gab es immerhin den ersten Jahresgewinn seit 2014. Doch das erste Quartal 2019 verdeutlichte, wie angespannt die Lage der Deutschen Bank nach wie vor ist: Der Dax-Konzern verdiente gerade einmal 201 Millionen Euro, während die US-Konkurrenz in den drei Monaten Milliardengewinne einfuhr.

Bedenken Gehör verschaffen 

Trieb die Deutsche Bank die Fusionsgespräche mit der Commerzbank deshalb voran, weil sie zu dem Schluss gekommen war, alleine nicht bestehen zu können? «Dieser Eindruck mag herumgehen, ist aber falsch», sagte Achleitner nach Beendigung der Fusionsgespräche Ende April der «Financial Times».

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Doch wie geht es nun weiter? Die Geduld vieler Aktionäre ist am Ende. Es sei an der Zeit, dass die Anteilseigner Aufsichtsrat und Vorstand für die vielen Jahre mit Strafzahlungen und Imageverlust zur Rechenschaft zögen, meint der Stimmrechtsberater ISS.

Die Negativserie setzt sich fort: Die Finanzaufsicht Bafin verpasste der Bank im Herbst einen Sonderaufpasser, um die Umsetzung von Vorgaben gegen Geldwäsche zu überwachen. Im November verschreckte eine öffentlichkeitswirksame Geldwäsche-Razzia in den Frankfurter Zwillingstürmen Kunden und Investoren. Kurz vor der Hauptversammlung sorgten unter anderem Berichte über eine IT-Panne für Schlagzeilen.

«Ab einem bestimmten Zeitpunkt sollten die Aktionäre ihren Bedenken Gehör verschaffen», folgert ISS und rät erstmals dazu, Aufsichtsrat und Vorstand der Deutschen Bank die Entlastung zu verweigern. Der Stimmrechtsberater Glass Lewis schlägt in die gleiche Kerbe und verweist unter anderem auf den drastischen Einbruch des Aktienkurses. Ausgerechnet zum Auftakt der Hauptversammlungswoche sackte der Kurs des Papiers auf das Rekordtief von knapp über 6,60 Euro.

Entlastung 

Nach den Empfehlungen der Stimmrechtsberater richten sich viele Fonds und Großanleger, insbesondere aus den USA und Großbritannien. Eine Nicht-Entlastung von Aufsichtsrat und Vorstand hat zwar keine rechtlichen Konsequenzen, gilt aber als schallende Ohrfeige. Als erster amtierender Chef eines Dax-Konzerns wurde auf diese Weise jüngst Bayer-Chef Werner Baumann wegen der Monsanto-Übernahme abgestraft. Bei der Schweizer Großbank UBS wurde das Führungsteam mit Ex-Bundesbank-Präsident Axel Weber ebenfalls nicht entlastet.

Für ein Gegengewicht zu den Gegnern einer Entlastung von Aufsichtsrat und Vorstand könnten bei der Deutschen Bank Großaktionäre wie das Emirat Katar, der Finanzinvestor Cerberus und der US-Vermögensverwalter Blackrock sorgen.

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