Umweltschutz

Europas Kampf gegen Waldbrände

Knut Krohn
Lesezeit 3 Minuten
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29. September 2023
Auf Rhodos mussten in diesem Sommer Tausende Menschen vor den Waldbränden fliehen. Der Schutz vor solchen Katastrophen geht in der EU nur langsam voran.

Auf Rhodos mussten in diesem Sommer Tausende Menschen vor den Waldbränden fliehen. Der Schutz vor solchen Katastrophen geht in der EU nur langsam voran. ©Foto: uncredited/Rhodes.Rodos/AP/dpa/uncredited

Der naturnahe Umbau des Waldes könnte in ganz Europa bei der Vermeidung von verheerenden Feuern helfen, geht allerdings nur langsam voran.

Die verheerenden Waldbrände in ganz Europa sind gelöscht. Gewiss aber ist, dass auch im kommenden Sommer die Feuerwehrleute wieder gegen die Flammen kämpfen werden. In besonders betroffenen Ländern wie Italien, Spanien oder Griechenland ist die Sorge groß, dass erneut ganze Existenzen vernichtet werden. Im Juli 2023 etwa sorgten die gewaltigen Feuer auf den griechischen Ferieninseln Rhodos und Korfu für Entsetzen, Einwohner und Touristen mussten zu Tausenden in Sicherheit gebracht werden.

Es fehlen Daten zum Zustand des Waldes

Solche Waldbrände müssten und könnten in Zukunft verhindert werden, betonen Anton Hofreiter, Grünen-Abgeordneter im deutschen Bundestag, und Anna Deparnay-Grunenberg, die für die Öko-Partei im Europaparlament sitzt. Beide sehen bei der Brandprävention die Europäische Union in der Pflicht und fordern als ersten Schritt ein einheitliches Gesetz zur Waldüberwachung. „Damit hätten wir erstmals einheitliche Daten, damit wir überhaupt wissen, wie es den Wäldern in Europa geht“, sagt Hofreiter. Die vielen Brände seinen ein Beweis dafür, dass die Wälder in einem schlechten Zustand seien, sagt Deparnay-Grunenberg. „Sie sind ein Erbe einer verfehlten Forstwirtschaft der vergangenen Jahrzehnte.“

Bis jetzt beschränken sich die europäischen Behörden vor allem darauf, Waldbrände rechtzeitig aufzuspüren. Dazu wird zum Beispiel das Europäischen Waldbrandinformationssystem eingesetzt, das echtzeitnahe und historische Informationen zu Waldbränden und deren Verlauf in Europa zur Verfügung stellt. So sind bis August dieses Jahres rund 260.000 Hektar Wald abgebrannt. Schlimmer war es im Jahr 2022, als insgesamt fast 800.000 Hektar in Flammen aufgingen.

Die meisten Brände legt der Mensch

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Die Frage, weshalb der Wald brennt, ist in oft sehr einfach zu beantworten. Schuld hat meist der Mensch, entweder durch Fahrlässigkeit oder gezielte Brandstiftung. Ursachen wie Blitzeinschlag spielen praktisch keine Rolle. Oft sind es eine weggeworfene Zigarettenkippe oder ein Lagerfeuer, die ein Feuer entzünden. „Es gibt drei Hauptursachen für Brände“, bringt es der Forstwissenschaftler Alexander Held vom European Forest Institute auf den Punkt: „Männer, Frauen und Kinder“. Die deutsche Forstwirtschaft verweist zudem auf Untersuchungen, dass in den kommenden Jahrzehnten das Waldbrandrisiko noch steigen werde. Das liege vor allem an den immer häufiger auftretenden Trocken- und Dürreperioden.

„Das Wichtigste ist, dass wir das Wasser im Wald halten“, betont Anton Hofreiter und fordert ein Umdenken in der Forstwirtschaft. Schon die Pflanzung einer einzigen Laubbaumart in Kiefernwäldern senke die Waldbrandgefahr enorm, weil es wieder Laub und damit wieder Regenwürmer und schließlich Erde gebe. Der Waldböden bestehe dann nicht mehr nur aus harzenden Nadeln, die wie Zunder brennen.

Die Fördergelder werden nicht abgerufen

Hofreiter und Deparnay-Grunenberg betonen, dass in Deutschland und auch der EU sehr viele Fördergelder zur Verfügung stünden, um den Wald so aufzuforsten, dass es weniger Brände gibt. In der EU würden „viele Mittel allerdings nicht abgerufen, weil die Verfahren zu kompliziert sind und es an forstwissenschaftlichem Know-how fehlt“, bemängelt Deparnay-Grunenberg.

Umweltschützer bemängeln, dass ihre Appelle nach einer neuen Art der Waldbewirtschaftung bei vielen Waldbesitzern auf taube Ohren stoßen würden. Die setzen häufig noch auf Fichte und Kiefer, weil diese einfach zu pflegen seinen und das Holz leicht zu verarbeiten sei. Diese Bäume machen in Deutschland noch immer rund die Hälfte des Bestandes aus. Das werde sich in Zukunft ändern, sagen Umweltschützer und verweisen auf zahlreiche Forschungsergebnisse. Die Fichte zähle an vielen Standorten zu den großen Verlierern der Klimakrise.

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