Sparkurs bei Daimler

Härtetest

Autor: 
Klaus Köster
Lesezeit 2 Minuten
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09. November 2020
Daimlers Sparkurs ist Folge und Ursache großer Unsicherheit.

Daimlers Sparkurs ist Folge und Ursache großer Unsicherheit. ©Foto: dpa/Marijan Murat

Ein internes Papier zeigt schonungslos die Finanznöte bei Daimler. Der Konzern steht vor einem gewaltigen Spagat zwischen der Absicherung der Gegenwart und der Bewältigung des durchgreifenden Wandels, meint StN-Autor Klaus Köster.

Stuttgart - Dieser Satz ihres Finanzchefs hat das Zeug, bei Daimler-Mitarbeitern das Blut in den Adern gefrieren zu lassen. Das Risiko, dass im März und April 60 bis 90 Prozent der laufenden Einnahmen abreißen, sei „enorm hoch“ gewesen, schreibt Finanzvorstand Harald Wilhelm über das konzerneigene Intranet an die Mitarbeiter. Man habe „Simulationen gefahren, um sicherzustellen, dass wir zu jedem Zeitpunkt der Krise zahlungsfähig sind“. Das war die zuversichtliche Lesart der Aussage, dass man im Frühjahr, als die Märkte einbrachen und die Fabriken schlossen, kurz vor dem Abgrund stand.

Für längere Zeit im Krisenmodus

Das interne Papier deutet darauf hin, dass der Konzern nun für längere Zeit in den existenzsichernden Krisenmodus schaltet. Die schiere Zahlungsfähigkeit wird nun für wichtiger gehalten als hohe Gewinne. Schließlich lassen sich Rechnungen nicht mit Gewinnen auf dem Papier bezahlen, sondern nur mit Geld, das in der Kasse auch angekommen ist.

Harte Ansage für Zulieferer

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Der Spagat könnte größer kaum sein. Der harte Sparkurs soll Sicherheit bringen, kann diese aber zugleich auch bedrohen. Denn besonders stark wird die Kasse von Investitionen belastet, deren starke Kürzung den Konzern ihrerseits in eine Sackgasse führen kann. Schließlich muss sich Daimler trotz allem gegen Wettbewerber von BMW über Tesla bis zu Google und dem Brennstoffzellen-Pionier Toyota behaupten. Hart ist Daimlers Kurs für die Zulieferer. Sie benötigen das Geld, das Daimler jetzt beansprucht, selbst. Noch dringender aber benötigen sie Abnehmer, die ihrerseits stabil stehen. Das System der Autobranche hat schon schwierige Zeiten erlebt, doch einen solchen Härtetest musste es noch nie bestehen.

klaus.koester@stuttgarter-nachrichten.de

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