Berlin

Hoffnungsschimmer für Germania: Erste Finanzspritze in Sicht

Autor: 
dpa
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
10. Januar 2019
Die Germania betreibt 37 Mittelstreckenjets und ist neben Linienflügen auch für viele Reiseveranstalter unterwegs.

Die Germania betreibt 37 Mittelstreckenjets und ist neben Linienflügen auch für viele Reiseveranstalter unterwegs. ©dpa - Christoph Schmidt

Hoffnungsschimmer bei der klammen Fluggesellschaft Germania: «Unsere Gespräche mit potentiellen Investoren, die uns finanziell unterstützen wollen, verlaufen positiv», zitiert die Touristik-Fachzeitschrift «fvw» aus einem Schreiben von Germania-Chef Karsten Balke an die Mitarbeiter.

Ein Germania-Sprecher bestätigte die Inhalte. So habe die Fluggesellschaft erste verbindliche Zusagen, um ihre am Dienstagabend bekannt gewordene Finanzierungslücke zu decken. Die ersten beiden größeren Beträge stünden schon an diesem Donnerstag zur Verfügung.

«Wir sind zuversichtlich, die darüber hinaus noch ausstehenden Mittel in Kürze ebenfalls sichern zu können», schreibt Balke laut «fvw». Das ernsthaft geäußerte Interesse der Investoren stimme die Geschäftsführung optimistisch, dass Germania auch weiterhin als unabhängige Fluggesellschaft bestehen könne. Nähere Angaben zu den Investoren oder zur Summe machte Balke nicht.

Germania hatte am Dienstagabend finanzielle Schwierigkeiten bestätigt. Demzufolge prüft die Airline mehrere Finanzierungsoptionen, um einen kurzfristigen Liquiditätsbedarf zu sichern. Beim Flugbetrieb soll es aber keine Einschränkungen geben. Alle Germania-Flüge fänden planmäßig statt, hieß es.

Dem Luftfahrt-Portal «aerotelegraph.com» (Dienstag) zufolge soll auch ein Verkauf der Gesellschaft erwogen worden sein. Offen ist, ob diese Frage vom Tisch ist. Dem Bericht zufolge brauchte Germania bereits kurz vor dem Jahreswechsel 20 Millionen Euro, um weiterfliegen zu können. Germania-Sprecher wollten diese Informationen aber nicht kommentieren.

Germania ist eine deutsche Fluggesellschaft mit einer mehr als 30-jährigen Geschichte. Sie betreibt nach eigenen Angaben 37 Mittelstreckenjets und ist neben Linienflügen auch für viele Reiseveranstalter unterwegs. Außerdem hatte sich das Unternehmen mit Sitz in Berlin den Werksverkehr für den Flugzeugbauer Airbus gesichert. Jährlich fliegen demnach mehr als vier Millionen Passagiere mit Germania.

- Anzeige -

Die Fluglinie gehört über eine zwischengeschaltete Beteiligungsgesellschaft komplett ihrem Chef Karsten Balke. Dieser startete Mitte 2016 eine Investitionsoffensive. So orderte Germania auf der Farnborough Airshow bei London 25 Airbus-Mittelstreckenjets der A320neo-Modellfamilie und sicherte sich Optionen auf 15 weitere Flugzeuge der Reihe. Die Auslieferungen sollen nach bisherigen Angaben im Jahr 2020 beginnen. Künftig will Germania mit einer reinen Airbus-Flotte unterwegs sein.

Dass das Geld bei der Airline knapp wurde, begründete das Management mit den stark gestiegenen Kerosinpreisen im vergangenen Sommer und der Abwertung des Euro zum US-Dollar. Zudem habe es «erhebliche Verzögerungen» bei der Aufnahme neuer Flugzeuge in die Flotte gegeben, und Germania habe außergewöhnlich viele technische Serviceleistungen bei ihren Flugzeugen in Anspruch nehmen müssen. Die Folge seien «große Belastungen» gewesen.

Den Problemen von Germania gingen in Europa zuletzt eine ganze Reihe von Airline-Pleiten voraus. Nach den Insolvenzen von Air Berlin und der britischen Fluglinie Monarch 2017 waren im vergangenen Jahr gleich mehrere kleinere Gesellschaften wie Skyworks (Schweiz), VLM (Belgien), Small Planet und Azur Air (Deutschland), Cobalt (Zypern) und die skandinavische Primera Air kollabiert.

Als potenzielle Investoren für Germania kommen große europäische Luftfahrtkonzerne wie Lufthansa, Ryanair, Easyjet oder die British-Airways-Mutter IAG in Frage. Eine Easyjet-Sprecherin sagte, man wolle die Spekulationen um Germania zum jetzigen Zeitpunkt nicht kommentieren. Die Intro-Gruppe des Nürnberger Unternehmers Hans Rudolf Wöhrl, die 2017 Interesse an Air Berlin hatte, teilte am Mittwoch mit, man könne zu der Angelegenheit «keine Auskunft geben».

Neben gestiegenen Treibstoffkosten machte vielen Airlines 2018 das Flugchaos in Europa zu schaffen. Eine große Zahl von Verspätungen und Flugausfällen zogen Entschädigungen und Ersatzleistungen für die Passagiere nach sich. Der Weltluftfahrtverband IATA schätzt, dass Fluglinien für Entschädigungen europaweit rund zwei Milliarden US-Dollar (knapp 1,8 Mrd Euro) zahlen mussten. Zu den Ursachen zählten Streiks von Fluglotsen in Frankreich, Engpässe an deutschen Flughäfen und die Neusortierung der Luftfahrt-Branche nach der Air-Berlin-Pleite.

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
  • 21.03.2019
    In Friesenheim-Oberschopfheim
    Klasse statt Masse und Lebensmittel aus der Region – dieser Lebensstil ist nicht erst seit gestern immer mehr Menschen wichtig. Doch für viele ist es schwierig, diese Produkte vor Ort zu finden. Abhilfe schaffen hier kleinere Lebensmittelläden, wie „Xaver‘s Landmarkt“ in Oberschopfheim. Das Angebot...
  • 20.03.2019
    Eröffnung am 30. März
    Beim Grillen wird es jetzt richtig heiß: Der Obi Markt in Offenburg eröffnet am Samstag, 30. März, seine neue 500 Quadratmeter große »BBQ & Grillwelt« – und macht sich zur Top-Adresse für Grill-Fans. Kunden erwartet ein konkurrenzlos großes Angebot an Grills und Zubehör von Top-Marken. Zur...
  • 19.03.2019
    Kehl
    Zum 29. Mal können Gäste am Wochenende des 30. und 31. März in der Kehler Innenstadt den Kehler Autopark besuchen. Eingerahmt ist er in ein Frühlingsfest, der Sonntag ist außerdem verkaufsoffen.
  • 28.02.2019
    Kehl-Kork
    Traumhafte Bäder in den verschiedensten Varianten, zugeschnitten auf die individuellen Wünsche des Kunden - dafür stehen die Experten von Badtraum in Kehl-Kork seit 11 Jahren. Das Besondere dabei: Badtraum liefert alle Leistungen aus einer Hand und steht den Kunden von der Planung bis zum Einbau...

Weitere Artikel aus der Kategorie: Wirtschaft

Neuwagen des BMW-Konzerns stehen auf dem Autoterminal der BLG Logistics Group zur Verschiffung bereit. Rund 20 Prozent der deutschen Autoexporte gehen nach Großbritannien.
vor 2 Stunden
München/Wolfsburg
Rund 20 Prozent der deutschen Autoexporte gehen nach Großbritannien. Bei einem harten Brexit, also einem Austritt aus der EU ohne Abkommen, wären der Unternehmensberatung Deloitte zufolge etwa 18.000 Arbeitsplätze in der deutschen Autoindustrie gefährdet. «Das ist nicht etwas, das positiv ausgeht...
Parkplatz für Elektroautos in Leipzig.
vor 3 Stunden
Berlin
Die Regierungskommission für den Verkehrsbereich hat sich in rund 17-stündigen Beratungen nicht auf einen Weg einigen können, das Klimaschutzziel für 2030 vollständig zu erreichen.
vor 4 Stunden
Norderstedt/Offenburg
Der Absatz bei Tesa lief 2018 gut. Das früher schwächelnde Geschäft in Asien ist Geschichte, nun will das Unternehmen dort weiter expandieren.
vor 8 Stunden
Klimaschutz
Die CO2-Bilanz bleim Klima soll aufgebessert werden. Doch mit welchen Maßnahmen, darüber wird heiß diskutiert.  
Hotspot-Zeichen in einem ICE. Einem Bericht zufolge soll es kostenloses WLAN auch in allen IC-Zügen ab Ende 2021 geben.
vor 18 Stunden
Berlin
Bahnkunden können bald nicht nur im ICE, sondern auch im Intercity kostenloses WLAN nutzen.
Spitzenverdiener war der Studie zufolge der zum Jahresende ausgeschiedene langjährige Beiersdorf-Chef Stefan Heidenreich mit einer Gesamtvergütung von 23,45 Millionen Euro.
vor 19 Stunden
Frankfurt/Main
Die Bezüge deutscher Topmanager sind im vergangenen Jahr einer Studie zufolge auf einen neuen Spitzenwert gestiegen.
Ein Präzisionsgewehr vom Typ G28 des deutschen Waffen-Herstellers Heckler und Koch: Die Situation bei Heckler & Koch ist seit langem angespannt.
vor 21 Stunden
Oberndorf
Der finanziell unter Druck stehende Waffenhersteller Heckler & Koch fordert von seinen Mitarbeitern unbezahlte Extraarbeit.
Ein Passagierflugzeug der insolventen Fluggesellschaft Germania auf dem Rollfeld des Flughafens Bremen. Der Flugbetrieb wurde bereits am 04.02.2019 eingestellt.
vor 23 Stunden
Berlin
Die Rettung der insolventen Berliner Fluggesellschaft Germania ist gescheitert. Alle seriösen Bieter seien abgesprungen, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg mit.
Nike Händler am grenzüberschreitenden Verkauf von Lizenzprodukten in Europa gehindert, teilte die EU-Kommission in Brüssel mit.
25.03.2019
Brüssel
Der US-Sportartikelhersteller Nike muss wegen unerlaubter Geschäftspraktiken eine Strafe über 12,5 Millionen Euro zahlen.
Das Geschäftsklima in Deutschland hellt sich auf.
25.03.2019
München
Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft haben sich im März überraschend etwas aufgehellt. Wie das ifo Institut in München mitteilte, stieg das von ihm erhobene Geschäftsklima um 0,9 Punkte auf 99,6 Zähler.
Stromtankstelle in Cottbus: Wie die Elektromobilität in Deutschland ausgebaut werden soll, ist weiter umstritten. Foto. Patrick Pleul
25.03.2019
Berlin
Die von der Bundesregierung eingesetzte Arbeitsgruppe für mehr Klimaschutz im Verkehr ringt in Berlin um gemeinsame Empfehlungen an die Politik.
Die betroffene Software stellt nach DFS-Angaben den Lotsen alle für den Flugverlauf wichtigen Daten zur Verfügung.
25.03.2019
Frankfurt/Langen
Die Software-Probleme bei der Deutschen Flugsicherung (DFS) haben nach Angaben der Lufthansa zu Wochenbeginn auch Auswirkungen auf den Flugbetrieb. Allein Lufthansa müsse am Montag in Frankfurt 22 Flüge streichen.