Nürnberg/Berlin

Immer mehr verdienen im Ruhestand hinzu

Autor: 
dpa
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
19. August 2019
Klaus David, Elektriker in Rente bei der Deutschen Bahn, prüft auf einer Lokomotive im Nürnberger Bahnwerk den Stromabnehmer.

Klaus David, Elektriker in Rente bei der Deutschen Bahn, prüft auf einer Lokomotive im Nürnberger Bahnwerk den Stromabnehmer. ©dpa - Daniel Karman

Gelernt ist gelernt: Klaus David hat das Armaturenbrett einer Lok aufgeklappt, Kabel und Kontakte schauen heraus, David prüft die Spannung. Der Elektriker arbeitet an der Beleuchtung.

«Bis zu 250 Meter Kabel werden für die LED-Umrüstung einer solchen Lok verwendet», erklärt David im Nürnberger Bahnwerk. Er kennt die Fahrzeuge genau, arbeitet er doch schon seit 49 Jahren bei der Bahn. Eigentlich ist David längst im Ruhestand. Doch er macht weiter - so wie immer mehr Rentner in Deutschland.

Von der Jahrtausendwende bis 2018 stieg die Zahl der erwerbstätigen Rentner laut Bundesarbeitsministerium von 530.000 auf 1,445 Millionen. Jeder Zwölfte verdient sich heute im Ruhestand etwas hinzu.

Jeder zwölfte Rentner verdient sich etwas hinzu

Seit Anfang vorigen Jahres ist auch Klaus David Rentner. Doch an ein paar Tagen im Monat geht der 64-jährige weiter ins Werk, morgens um sechs. 24 Stunden macht er im Monat, rüstet an Fahrzeugen Beleuchtung und Klimaanlagen um, prüft Stromabnehmer. «In erster Linie ist es so, dass ich meine Rente aufstocken wollte», erklärt der gelernte Starkstromelektriker. Da kam es David gelegen, dass der Chef ihn bat weiterzumachen.

«Senior expert» nennt die Bahn rund 500 Kollegen, die als Rentner an Bord bleiben. Das Unternehmen will sich ihr Wissen und ihre Erfahrung länger sichern. Den Fachkräftemangel spürt nicht nur der Staatskonzern. Rentner springen für Bademeister in Freibädern ein, damit diese nicht schließen müssen. Sie tragen Zeitungen aus oder bleiben eben in ihren alten Jobs. Unter den Menschen mit 450-Euro-Jobs bilden Rentner laut Bundesagentur für Arbeit inzwischen die größte Gruppe.

Ruheständler sind begehrt

- Anzeige -

In den ersten drei Jahren nach Rentenbeginn arbeitet noch fast jeder Dritte, Frauen etwas häufiger als Männer. Das hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung auf Grundlage einer Umfrage ermittelt. Um Fachkräfte zu sichern, bildeten Menschen kurz oder in der Rente ein «bedeutendes Aktivierungspotenzial», heißt es bei dem hauseigenen Institut der Bundesagentur für Arbeit.

Ruheständler sind begehrt. Gerade hat das Land Berlin 250 Lehrer aus der Pension zurückgeholt, weil sonst Personal fehlt. Seit Monaten buhlt etwa auch die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft um Rentner. Sie sollen Züge steuern und im Service tätig werden - doch bislang hat sich nach Unternehmensangaben niemand beworben.

«Jeweils rund 90 Prozent der erwerbstätigen Rentner haben Spaß bei der Arbeit, brauchen den Kontakt zu anderen Menschen oder wünschen sich weiterhin eine Aufgabe», nennt das IAB die wichtigsten Umfrageergebnisse. Gut die Hälfte der Männer und knapp zwei Drittel der Frauen gaben aber außerdem an, dass sie das Geld brauchen.

Sozialverbände verweisen auf zu geringe Renten

Das Arbeitsministerium erwartet, dass künftig noch mehr Rentner arbeiten, weil Lebensentwürfe sich veränderten und die Baby-Boomer-Generation nun in das Alter komme. Sozialverbände verweisen dagegen immer wieder auf die Rentenhöhe, die sie in vielen Fällen für zu gering halten.

Jede zweite Altersrente liegt unter 900 Euro im Monat, wie die Bundesregierung kürzlich mitteilte. Das monatliche Haushaltseinkommen ist meist höher. Laut Rentenversicherungsbericht 2018 hatten Ehepaare bei Haushalten mit einer Person in Rente 2015 im Westen ein Nettoeinkommen von 2572 Euro, in Ostdeutschland von 2257 Euro. Bei Alleinstehenden sind es jeweils 900 bis 1100 Euro weniger.

«Ich kenne viele, die nebenbei einen Job machen», sagt Bahn-Elektriker David. «Solange die Gesundheit mitmacht, mache ich das gerne.» Nächsten Monat wird David 65. Das bedeutet für ihn noch nicht Schluss mit Arbeiten, das 50. Dienstjubiläum ist in Sichtweite. Er denkt daran, dass er dann mehr zur Rente hinzuverdienen darf. Mit dem nächsten Jahresvertrag will er seine Stundenzahl aufstocken.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Wirtschaft

Ausdünnung auch bei den Briefkästen.
vor 1 Stunde
Wirtschaft
Berlin (dpa) - Die Zahl der Postfilialen in Deutschland ist in den vergangenen knapp 20 Jahren um mehr als 900 gesunken. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.
Zwei Aktienhändlern wird die Beteiligung an umstrittenen Aktiengeschäften zu Lasten der Staatskasse vorgeworfen.
vor 5 Stunden
Bonn
In einem wegweisenden Strafprozess zur Aufarbeitung des «Cum-Ex»-Steuerskandals will ein Angeklagter auspacken. Der 41-jährige Brite hatte bereits vor dem Prozessauftakt gegenüber der Staatsanwaltschaft umfangreich ausgesagt, dies will er an heute (9.30 Uhr) vor dem Bonner Landgericht wiederholen.
Banken müssen die Vorgaben der europäischen Zahlungsdiensterichtlinie («Payment Service Directive») seit dem 14. September umsetzen.
vor 19 Stunden
Frankfurt/Main
Die Finanzaufsicht Bafin sieht trotz einzelner Schwierigkeiten keine grundsätzlichen Probleme bei der Umstellung auf die neuen Sicherheitsbestimmungen fürs Online-Banking.
Christine Lagarde wird neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank.
vor 20 Stunden
Straßburg
Das EU-Parlament hat sich mit großer Mehrheit für die bisherige IWF-Chefin Christine Lagarde an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) ausgesprochen.
Mehr Firmen als noch vor drei Jahren sagen von sich, sie böten Teilzeitmodelle, Home Office oder Sabbaticals an. Bild: Jens Kalaene
vor 21 Stunden
Berlin
Die Unternehmen in Deutschland werden einer Studie zufolge familienfreundlicher.
Frauen erhalten einer Studie zufolge im Schnitt 26 Prozent weniger Rente als Männer.
vor 21 Stunden
Frankfurt/Main
Frauen erhalten einer Studie zufolge im Schnitt 26 Prozent weniger Rente als Männer. Hauptgrund für diese geschlechtsspezifische Rentenlücke: Viele Frauen treten für die Kindererziehung im Beruf kürzer und erwerben somit weniger Ansprüche auf die gesetzliche Leistung.
Arriva-Zug in Wales: Die profitable Tochter DB Arriva betreibt mit 53.000 Beschäftigten Busse und Regionalzüge in 14 europäischen Ländern.
vor 22 Stunden
Berlin
Billigere Fahrkarten, mehr Züge: Die Deutsche Bahn hat kostspielige Ziele - aber auch hohe Schulden und eine milliardenschwere Finanzlücke in diesem Jahr. An diesem Mittwoch überlegt der Aufsichtsrat, woher frisches Geld kommen kann. Und wo noch Risiken schlummern. Ein Überblick:
Der Büroraum-Anbieter WeWork wird laut einem Zeitungsbericht erst deutlich später an die Börse gebracht als zunächst geplant.
vor 22 Stunden
New York
Der Büroraum-Anbieter WeWork wird laut einem Zeitungsbericht erst deutlich später an die Börse gebracht als zunächst geplant.
Ein VW-Mitarbeiter baut einen um einen Strömungsgleichrichter erweiterten Luftfilter in einen Dieselmotor der Typreihe EA 189 ein.
vor 23 Stunden
Berlin
Dieselfahrer können sich noch bis Ende nächster Woche der Verbraucherklage gegen Volkswagen anschließen. Am 30. September wird die Musterfeststellungsklage des Bundesverbands der Verbraucherzentralen erstmals vor dem Oberlandesgericht Braunschweig verhandelt.
Ein Aktienhändler am Montag an der Börse in New York.
17.09.2019
New York
Der Angriff auf saudi-arabische Ölanlagen vom Wochenende hat den Aufwärtstrend an der Wall Street erst einmal gestoppt. Am Montag schloss der US-Leitindex Dow Jones Industrial mit einem Minus von 0,52 Prozent bei 27.076,82 Punkten.
Cecilia Malmström ist EU-Kommissarin für Handel. 
17.09.2019
Brüssel
Die USA werden nach Einschätzung von EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström schon bald neue Sonderzölle auf Waren aus Europa verhängen.
Muss Apple eine Steuernachzahlung in Milliardenhöhe zahlen?
17.09.2019
Luxemburg
Im Streit zwischen Apple und der EU-Kommission um die 13 Milliarden Euro schwere Steuernachzahlung in Irland treffen die Seiten nun vor dem EU-Gericht aufeinander.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -