Berlin

Industrie: Lieferketten-Gesetz gefährdet Existenz von Firmen

Autor: 
dpa
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
18. April 2019
Textilfabrik in Savar in Bangladesch.

Textilfabrik in Savar in Bangladesch. ©dpa - Nick Kaiser/Archiv

Die Textilindustrie attackiert Entwicklungsminister Gerd Müller für seine Pläne, deutsche Firmen notfalls gesetzlich zur Einhaltung von Menschenrechten in ihren globalen Lieferketten zu zwingen.

«Was der Minister plant, gefährdet unsere Existenz», sagte die Präsidentin des Gesamtverbands textil+mode, Ingeborg Neumann, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Unsere globalen Konkurrenten werden uns einfach aus dem Markt fegen. Und am Ende wird man sich fragen, warum ausgerechnet die deutschen Unternehmen mit ihren hohen Umwelt- und Sozialstandards nicht überlebt haben.»

Müller (CSU) beklagt, dass Zwangsarbeit und Hungerlöhne vielerorts allgegenwärtig seien. Deutschland und seine Unternehmen müssten dazu beitragen, diese Missstände endlich zu überwinden.
Neumann sagte, die Pläne Müllers gingen vollkommen an der Realität vorbei. «Wir können nicht alleine als deutsche Unternehmen die globale Welt retten.»

Zu strenge Auflagen gefährden Existenzen von Mittelständlern

Ein 2016 von der Bundesregierung beschlossener Nationaler Aktionsplan für Wirtschaft und Menschenrechte fordert von Unternehmen eine menschenrechtliche Sorgfalt in internationalen Lieferketten - zunächst auf Basis freiwilliger Selbstverpflichtungen. Klappt dies nicht, will Müller den Unternehmen notfalls gesetzliche Vorgaben machen.

«Ein einfaches weißes Hemd wird in 140 Schritten hergestellt», sagte Neumann. «Wenn es nach dem Minister geht, müssen wir als Mittelständler jedes Baumwollfeld, jede Knopffabrik und jede Reißverschlussproduktion bis ins kleinste Glied kontrollieren.» Die deutsche Textilindustrie produziere bereits nach den weltweit höchsten Standards. «Solche Vorstellungen von einer Komplettkontrolle der gesamten Lieferkette in einer globalen Wirtschaftswelt können aber nur an einem Berliner Schreibtisch geboren werden», sagte Neumann, die Vizepräsidentin des Industrieverbandes BDI ist.

- Anzeige -

Die deutsche Textilindustrie kümmere sich um ihre Lieferketten. «Wir Mittelständler sind die werthaltige Textilindustrie», sagte Neumann. «Der Minister droht unseren Unternehmen mit Bußgeldern und sogar Gefängnisstrafen. Dann können sie als deutscher Unternehmer gar keine globalen Lieferketten mehr aufbauen. Mit seinem Lieferkettengesetz vertreibt der Entwicklungsminister ausgerechnet die heimischen Mittelständler, die weltweit die Standards heben.»

"Grüner Knopf" wird stark kritisiert 

Müller hatte bei einem Forum im Februar gesagt, viele der täglichen Produkte in Deutschland wie Kaffee, Kakao oder Baumwolle kämen aus Entwicklungsländern. Aber am Anfang der Lieferketten herrschten immer noch unglaubliche Bedingungen. Mehr als 150 Millionen Kinder müssten weltweit arbeiten. «Zwangsarbeitsverhältnisse und Hungerlöhne sind vielerorts allgegenwärtig.» Am Anfang globaler Lieferketten müssten ökologische und soziale Mindeststandards eingehalten werden.

«Auch die Unternehmen tragen dafür Verantwortung», so Müller. Viele Unternehmen gingen hier schon voran. Falls die Regierung aber bei der Überprüfung des Aktionsplan Menschenrechte zum Ergebnis komme, dass die freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen nicht ausreiche, werde sie die Firmen gesetzgeberisch in die Pflicht nehmen.

Neumann wandte sich außerdem gegen die von Müller geplante Einführung eines «grünen Knopfs». Der Minister will damit ein staatliches Siegel einführen, das fair und ökologisch produzierte Kleidung sichtbar machen soll.
«Es braucht keinen grünen Knopf. Das ist reines Politmarketing», sagte Neumann. «Die deutschen Marken produzieren nach den weltweit höchsten Umwelt- und Sozialstandards. Wir haben bereits zahlreiche Qualitätssiegel, die auch international anerkannt sind.» Nun solle ein staatlicher grüner Knopf suggerieren, dass die gesamte Lieferkette kontrolliert worden sei. «Ich bin gespannt, wie der Minister das mit seinen Mitarbeitern überall auf der Welt schaffen will. Ich plädiere dafür, mit einem kühlen Kopf und nicht mit einem grünen Knopf einzukaufen.»

Weitere Artikel aus der Kategorie: Wirtschaft

Die Duravit AG mit Sitz in Hornberg konnte ihren Umsatz im Jahr 2019 um fast fünf Prozent steigern.
18.05.2020
Duravit AG weiter auf Wachstumskurs
Die Duravit AG mit Sitz in Hornberg konnte ihren Wachstumskurs laut Pressemitteilung auch im Jahr 2019 mit neuen Höchstwerten in Umsatz, Betriebsergebnis und Jahresüberschuss fortsetzen. 
Antje Leminsky, Vorstandsvorsitzende der Grenke AG.
08.05.2020
Grenke AG erzielt leichtes Plus
Die Grenke AG, ein Finanzdienstleister mit Sitz in Baden-Baden, erwartet höhere Zahlungsausfälle infolge der Corona-Krise. Das gab Antje Leminsky, Vorstandsvorsitzende der Grenke AG, am Dienstag bei der Vorstellung der Quartalsergebnisse bekannt. 

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Eine reduzierte Formensprache, robuste Materialien und eine seriöse Optik zeichnen Möbel von Musterring aus.
    25.05.2020
    Möbel RiVo in Achern: Wohnwelt auf 8000 Quadratmetern
    Bei der Einrichtung zählt einzig und allein der persönliche Geschmack. Und Geschmack ist bekanntlich vielseitig. Gerade deshalb bietet das Einrichtungshaus Möbel RiVo in Achern-Fautenbach eine riesige Auswahl an Markenkollektionen von Top-Designern und -Herstellern wie Musterring.
  • Schöne Outdoor-Möbel bringen Farbe in den Garten.
    18.05.2020
    Mit Bühler Einrichtungen "Freiräume" nach Wunsch gestalten
    Kaum blitzt im Frühling die Sonne noch etwas schüchtern durch die Wolken, freuen sich Garten- und Terrassenbesitzer darauf, schon bald wieder ihr Outdoor-Wohnzimmer nutzen zu können. Für Ihre grüne Oase sind Sie noch auf der Suche nach schicken und eventuell nicht ganz alltäglichen Hinguckern? Dann...
  • Schulabschluss in der Tasche - und was nun? IHK und Wirtschaftsjunioren Ortenau helfen bei der Orientierung.
    14.05.2020
    Mit IHK und Wirtschaftsjunioren: Die Zukunft beginnt jetzt!
    Ausbildung? Weiterführende Schule? Ein Studium - oder vielleicht eine tolle Kombi zwischen Theorie und Praxis? Die letzten Schulwochen sind angebrochen und du hast noch keinen blassen Schimmer, wie es weitergehen soll? Dann probier’ doch einfach aus, was dir Spaß macht! Mit der Beratung der...
  • Wohnküchen sind der Mittelpunkt des modernen Wohnens.
    13.05.2020
    Fischen Sie sich jetzt Ihre Traumküche
    Sie bauen gerade oder wollen Ihre Küche endlich einmal rundum erneuern? Egal, wie die Traumküche auch aussieht, die Experten von Fischer Küchen planen mit Ihnen gemeinsam eine Küche, die genau passt – ganz nach Maß. Extra-Plus: Sichern Sie sich einen Multidampfgarer im Wert von 1899 Euro zum Preis...