Frankfurt/Riga

Leitzins im Euroraum bleibt auf Rekordtiefe

Autor: 
dpa
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
14. Juni 2018
Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB).

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). ©dpa -  Arne Dedert

Die Europäische Zentralbank (EZB) stellt ein Ende ihrer milliardenschweren Anleihenkäufe zum Jahresende 2018 in Aussicht.

Den Leitzins im Euroraum beließ das oberste Entscheidungsgremium der EZB wie erwartet auf dem Rekordtief von null Prozent. Ab Oktober will die Notenbank das Volumen der monatlichen Käufe zunächst von derzeit 30 Milliarden Euro auf 15 Milliarden Euro verringern. Ende Dezember könnte das Programm dann auslaufen. Das beschloss der EZB-Rat, wie die Notenbank in Frankfurt mitteilte.

Mit dieser Entscheidung stießen die Währungshüter nach Jahren im Krisenmodus das Tor zu einer Normalisierung der Geldpolitik weit auf. Der EZB-Rat tagte ausnahmsweise nicht in Frankfurt, sondern in der lettischen Hauptstadt Riga. Sparer müssen sich somit weiterhin gedulden. Zudem müssen Geschäftsbanken, die Geld bei der EZB parken, dafür weiterhin 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen. Das Zinsniveau dürfte sich nach Einschätzung der Währungshüter bis mindestens Sommer 2019 nicht ändern.

Aktuell kauft die EZB pro Monat Staats- und Unternehmensanleihen im Wert von 30 Milliarden Euro. Seit Beginn des Programms im März 2015 hat die Notenbank Wertpapiere im Gesamtwert von gut 2,4 Billionen Euro erworben. Mit viel billigem Geld versucht die EZB seit Jahren, der Konjunktur in den 19 Euroländern auf die Sprünge zu helfen und zugleich die Teuerung anzuheizen. Angestrebt wird Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent - weit genug entfernt von der Nullmarke.

- Anzeige -

Dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher dazu bringen, Investitionen aufzuschieben - das könnte die Konjunktur abwürgen. Im Mai stieg die Jahresinflationsrate im Euroraum nach einer ersten Schätzung des Statistikamtes Eurostat getrieben vor allem von höheren Energiepreisen auf 1,9 Prozent.

Allerdings hat sich die Konjunktur im gemeinsamen Währungsraum in den ersten drei Monaten dieses Jahres abgekühlt. Mit Sorge betrachten die Währungshüter den sich verschärfenden Handelskonflikt zwischen den USA einerseits sowie der Europäischen Union und anderen Ländern andererseits. Zollschranken könnten die Exportwirtschaft empfindlich treffen. Für Unruhe sorgt auch die europakritische Koalition aus Fünf-Sterne-Bewegung und rechtspopulistischer Lega in Italien.

Dass die EZB dennoch das Ende der Anleihenkäufe in Aussicht stellt, hat auch damit zu tun, dass das Programm allmählich an Grenzen stößt. In mehreren großen Euroländern, darunter Deutschland, nähert sich der Anteil der von der EZB erworbenen Staatsanleihen einem Schwellenwert von einem Drittel aller umlaufenden Schuldtitel. Diese Grenze hat sich die EZB selbst gesetzt, um sich nicht dem Vorwurf ausgesetzt zu sehen, sie betreibe Staatsfinanzierung mit Hilfe der Notenpresse.

 

Weitere Artikel aus der Kategorie: Wirtschaft

Lutz Meschke, Vorstand Finanzen und IT der Porsche AG.
Weissach
vor 16 Stunden
Porsches Finanzchef Lutz Meschke sieht die Profitabilität des Sportwagenbauers wegen des wachsenden Anteils von Elektroautos nicht in Gefahr. Der Sportwagenbauer gilt seit jeher als Ertragsperle für den VW-Konzern.
Aldi-Filiale in Sydney: Der deutsche Discounter steht in Australien wegen eines Streits um Milchpreise in der Kritik.
Wirtschaft
vor 16 Stunden
Der deutsche Discounter Aldi sieht sich in Australien massiver Kritik ausgesetzt. Landwirtschaftsminister David Littleproud warf dem Unternehmen beim Sender ABC vor, rein gar nichts zu tun, um die einheimischen, von der Dürre gebeutelten Milchbauern zu unterstützen.
Stefan De Loecker wird neuer Vorstandschef bei Beiersdorf.
Hamburg
vor 17 Stunden
Der Nivea-Konzern Beiersdorf wird ab Beginn des kommenden Jahres von dem bisherigen Vize-Chef Stefan De Loecker geführt. Einen entsprechenden Beschluss habe der Aufsichtsrat gefasst, teilte Beiersdorf in Hamburg mit.
Opel-Werk im hessischen Rüsselsheim.
Rüsselsheim
vor 19 Stunden
Nach ähnlichen Aktionen gegen andere Autobauer stehen nun auch bei Opel die Fahnder vor der Tür. Es gibt Durchsuchungen, Grund ist der Verdacht des Betrugs bei Dieselfahrzeugen.
Interview
vor 20 Stunden
Die Auftragsbücher sind voll. Manchmal zu voll. Denn im Handwerk fehlen jede Menge Fachkräfte. Baden Online sprach mit dem Präsidenten der Handwerkskammer Freiburg, Johannes Ullrich, über Nachwuchssorgen und drohende Fahrverbote.
Im Zuge der Umstrukturierung bei C&A verlassen gleich vier der sieben Führungskräfte den Vorstand der Handelskette mit sofortiger Wirkung, berichtete die «Textilwirtschaft».
Düsseldorf
vor 20 Stunden
Der Textilhändler C&A strafft sein Management für das Europa-Geschäft und plant mit günstigen Angeboten einen Angriff auf Textil-Discounter.
RWE-Bergarbeiter demonstrieren neben dem Landtag für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze und gegen eine Verunglimpfung ihrer Branche.
Düsseldorf
vor 21 Stunden
Tausende Mitarbeiter des Energiekonzerns RWE haben Zufahrten zu den Tagebauen und Kraftwerken im Rheinischen Revier blockiert.
Sears-Geschäft kurz vor der Schließung in Overland Park im US-Bundestaat Kansas: Das vor 125 Jahren als Versandhändler gegründete Unternehmen war zeitweise der größte Handelskonzern der USA.
New York
vor 23 Stunden
Der traditionsreiche US-Einzelhändler Sears ist pleite. Wie der hoch verschuldete Konzern mitteilte, wurde beim zuständigen Gericht in New York ein Insolvenzantrag gestellt. Das Unternehmen verhandelt nun mit seinen Kreditgebern über die weitere Finanzierung.
Windräder mit drehen sich in einem Windpark.
Berlin
vor 23 Stunden
Die Betreiber der großen Stromnetze geben heute die Höhe der sogenannten EEG-Umlage zur Förderung von Ökostrom in Deutschland bekannt.
Neu- und Gebrauchtwagen bei einem Autohändler in Dresden.
Hannover/Bonn
vor 23 Stunden
Der Wertverlust von gebrauchten Leasing-Fahrzeugen im Zuge der Dieselkrise belastet das Kraftfahrzeuggewerbe zunehmend.
Der Tagebau Hambach schiebt sich an den Hambacher Forst.
Düsseldorf
13.10.2018
Nach dem Rodungsstopp im Hambacher Forst droht beim Energiekonzern RWE ein Arbeitsplatz-Abbau. Der Rückgang der Braunkohle-Förderung werde nicht ohne Auswirkung auf die Beschäftigung bleiben, sagte RWE-Chef Rolf Martin Schmitz der in Düsseldorf erscheinenden «Rheinischen Post».
Freiburg
12.10.2018
Die Indus­trie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein verliert ihren Hauptgeschäftsführer. Wie die IHK am Freitag mitteilte, wird Andreas Kempff  die Organisation zum 31. März kommenden Jahres verlassen.