Berlin

Lokführer wollen mehr Geld und klarere Regeln für Ruhezeiten

Autor: 
dpa
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
12. Oktober 2018
Servicemitarbeiter der Deutschen Bahn im Hauptbahnhof von Frankfurt am Main.

Servicemitarbeiter der Deutschen Bahn im Hauptbahnhof von Frankfurt am Main. ©dpa - Andreas Arnold

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) will in der Tarifrunde 2018 mit der Deutschen Bahn möglichst ohne Streik zu einem Kompromiss kommen. Sie fordert 7,5 Prozent mehr Geld bei zwei Jahren Vertragslaufzeit und präzisere Arbeitszeitregeln.

«Beide Seiten starten mit dem festen Willen, im Verhandlungswege zu einem Ergebnis zu kommen», sagte der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky vor dem ersten Treffen beider Seiten in Berlin. Er sage «ganz klar und deutlich: Wir definieren uns in dieser Zeit, wenn wir nicht dazu herausgefordert werden, über Verhandlungen», antwortete Weselsky auf die Frage nach Streiks noch in diesem Jahr.

Bahn-Personalvorstand Martin Seiler zeigte sich zuversichtlich, dass eine Einigung bald gelingen könne. «Es ist unsere Absicht, dass wir das möglichst vor Weihnachten abschließen. Das ist sehr ambitioniert, aber aus unserer Sicht machbar», sagte Seiler. Die GDL will die Regeln für Ruhezeiten zwischen den Schichten und Pausen für die rund 36 000 Mitarbeiter des Zugpersonals konkreter festlegen, wie Weselsky verdeutlichte. Viele Manager im Bahnkonzern versuchten, die bestehenden Tarifregeln zur Arbeitszeit zu umgehen. Das Zugpersonal arbeite rund um die Uhr und brauche deshalb spezielle Arbeitszeitregelungen im Tarifvertrag.

Anders als für die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) steht für die GDL die Wahlmöglichkeit zwischen mehr Geld, mehr Urlaub oder weniger Wochenarbeitszeit nicht im Mittelpunkt. «Eine weitere Verkürzung der Wochenarbeitszeit bei gleichem Entgelt ist von uns weder gefordert noch zielführend in dieser Personalsituation», sagte der GDL-Chef mit Blick auf den Fachkräftemangel, den auch die Bahn spürt.

- Anzeige -

Die EVG hatte am Donnerstag erstmals mit der Bahn verhandelt. Anschließend hieß es bei der Gewerkschaft, das angestrebte Wahlrecht zwischen Lohnerhöhung und mehr Freizeit könne zum «Knackpunkt» dieser Tarifrunde werden. Die jüngste Lohnerhöhung können die Eisenbahner seit Anfang dieses Jahres auf Wunsch in sechs Tage mehr Urlaub oder eine Stunde weniger Wochenarbeitszeit umwandeln. Die EVG will dieses Wahlmodell erweitern.

Die GDL verhandelt für rund 36 000 Beschäftigte des Zugpersonals, darunter fallen nach Bahn-Angaben 18 800 Lokführer, 3200 Lokrangierführer, 9100 Zugbegleiter, 2600 Mitarbeiter der Bordgastronomie und 2100 Verkehrsplaner. Insgesamt geht in den Tarifverhandlungen um 160 000 Beschäftigte, darunter auch die von Tochtergesellschaften wie DB Services oder DB Sicherheit.

Nach den Worten Weselskys wird es eine Abstimmung mit der konkurrierenden EVG während der Verhandlungen voraussichtlich nicht geben. Bahnvorstand Seiler hielt fest, «dass wir an mehr oder weniger parallel verlaufenden Verhandlungen interessiert sind, um auch möglichst über diesen Weg inhaltsgleiche Ergebnisse zu erzielen».

Die nächsten Verhandlungstermine sind bereits vereinbart: Mit der EVG geht es am 29. Oktober und 15. November weiter. Die nächsten Runden mit der GDL sind für den 2. November und 19. November vereinbart.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Wirtschaft

Der Verkehrsclub Deutschland lobt die neue Schadstoffklasse 6d-TEMP - allerdings keine andere.
Berlin
vor 14 Stunden
An der Sauberkeit modernster Diesel gibt es aus Sicht des ökologisch orientierten Verkehrsclubs Deutschland keinen Zweifel.
Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages.
Berlin
vor 14 Stunden
Angesichts zunehmender Konjunktursorgen hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) die Bundesregierung zum Handeln aufgefordert.
Ebay wirft Amazon ein breit angelegtes «Komplott» vor.
San Jose
vor 17 Stunden
Der Online-Handelskonzern Ebay hat Amazon verklagt, weil der Konkurrent angeblich auf illegale Weise hunderte Top-Verkäufer abwerben wollte.
Die bisherige Deutschland-Chefin Béatrice Guillaume-Grabisch wird globale Personalchefin. Ihr folgt Marc-Aurel Boersch als neuer Leiter des deutschen Marktes.
Frankfurt/Vevey
vor 18 Stunden
Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé baut seinen Vorstand um. Die bisherige Deutschland-Chefin Béatrice Guillaume-Grabisch steigt zum 1. Januar 2019 in das Führungsgremium auf und wird dann globale Personalchefin, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte.
Um die große Nachfrage nach Wohnungen zu decken, müssen nach Einschätzung von Politik und Bauwirtschaft jährlich 350.000 bis 400.000 Wohnungen in Deutschland entstehen.
Wiesbaden
vor 18 Stunden
Der Neubau in Deutschland kommt allmählich in Schwung. Von Januar bis August wurden 204 100 neue Wohnungen genehmigt. Dies waren 2,5 Prozent oder 5000 Einheiten mehr als im Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte.
Die Finanzämter erstatteten mehr Steuern als sie zuvor eingenommen hatten.
Hamburg
vor 19 Stunden
Der Schaden durch dubiose «Cum-Ex»-Steuergeschäfte ist offenbar deutlich höher als bislang angenommen. Betroffen sind neben Deutschland mindestens zehn weitere europäische Länder.
Die Autobranche steht vor einem fundamentalen Wandel - doch ist der Ausstieg aus dem Diesel oder sogar allen Verbrennungsmotoren die Lösung?
Nürtingen
vor 19 Stunden
Umtauschprämien, Diesel-Nachrüstungen, CO2-Ziele der EU - die Hiobsbotschaften für die Autoindustrie reißen nicht ab. Die Branche steht vor einem fundamentalen Wandel. Doch ist der Ausstieg aus Technologien wie dem Diesel oder sogar allen Verbrennungsmotoren die Lösung?
Die Netzgebühren machen rund ein Viertel des Preises aus.
Hamburg
vor 19 Stunden
Die privaten Gasverbraucher in Deutschland müssen zum Beginn des kommenden Jahres überwiegend mit steigenden Preisen rechnen. Die Entgelte für die Nutzung der Gasnetze werden im bundesweiten Durchschnitt um rund ein Prozent steigen.
Mark Zuckerberg, Vorstandsvorsitzender von Facebook.
New York
vor 19 Stunden
Vier große staatliche US-Investoren fordern wegen Facebooks Datenskandalen den Rücktritt von Mark Zuckerberg als Verwaltungsratschef.
Das Wasserkraftwerk Inga I in der Nähe des Dorfes Inga im Kongo.
Kinshasa
17.10.2018
Der Kongo hat mit zwei internationalen Konsortien einen Vorvertrag zum Bau eines rund 14 Milliarden Dollar (12 Milliarden Euro) teuren Riesenstaudamms abgeschlossen.
Ryanair-Schalter am Flughafen.
Berlin
17.10.2018
Die irische Fluggesellschaft Ryanair errichtet im April am Berliner Flughafen Tegel ihre zehnte Basis in Deutschland.
Eine Boeing 747-8 der Lufthansa mit dem neuen Kranich-Logo der Fluggesellschaft steht auf dem Helmut-Schmidt-Flughafen in Hamburg.
Hamburg
17.10.2018
Bei der Lufthansa fallen nach eigenen Angaben im Schnitt pro Tag mehr als 60 Flugverbindungen aus.