Statistisches Bundesamt

Nach Corona-Einbruch: Deutsche Industrie nur leicht erholt

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dpa
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07. September 2020
Der Hauptsitz des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa

Der Hauptsitz des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa ©Foto: dpa

Ein rascher Aufschwung der Wirtschaft nach dem Lockdown ist kein Selbstläufer. Zwar produzieren Industrie, Bau und Energieversorger im Juli erneut mehr als im Vormonat. Doch Ökonomen hatten mehr erwartet.

Wiesbaden - Die deutsche Industrie hat sich den dritten Monat in Folge von dem Produktionseinbruch in der Corona-Krise erholt. Allerdings fiel der Anstieg im Juli deutlich schwächer aus als erwartet.

Im verarbeitenden Gewerbe habe die Fertigung im Monatsvergleich um 1,2 Prozent zugelegt, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Analysten hatten mit einem stärkeren Zuwachs um 4,5 Prozent gerechnet. Nach dem historischen Konjunktureinbruch im zweiten Quartal rechnen Volkswirte aber unverändert mit einer starken Erholung im dritten Quartal. Für eine weiter steigende Produktion spricht auch eine Umfrage des Ifo-Instituts in deutschen Industrieunternehmen.

Der Anstieg im Juni war allerdings stärker als bisher bekannt ausgefallen. Das Bundesamt revidierte den Zuwachs im Monatsvergleich auf 9,3 Prozent nach oben, nachdem zuvor nur ein Anstieg um 8,9 Prozent gemeldet worden war. In den Monaten März und April war die Produktion wegen der Einschränkungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie deutlich gefallen. Seitdem konnte ein Teil des Einbruchs wettgemacht werden.

Dass die Krise immer noch schwer wiegt, zeigt der Jahresvergleich. Gegenüber dem Vorjahresmonat war die Gesamtherstellung im Juli um 10,0 Prozent rückläufig. Das Vorkrisenniveau wird immer noch klar unterschritten: Gegenüber Februar, dem Monat vor Beginn der Einschränkungen, liegt die Gesamtproduktion 10,8 Prozent niedriger.

In der größten Branche des Verarbeitenden Gewerbes, der Automobilindustrie, ist die Produktion im Juli um 6,9 Prozent zum Vormonat gestiegen. Sie liegt aber nach Angaben des Bundesamts noch gut 15 Prozent unter dem Wert vom Februar.

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Ein vom Münchener Ifo-Institut ermittelter Indikator für die Produktionserwartungen legte im August auf 15,4 Punkte zu, nach 14,3 Zählern im Monat zuvor. "Nach und nach kommt der Motor der deutschen Wirtschaft, die Industrie, wieder in Gang", kommentierte Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Befragung.

Das Bundeswirtschaftsministerium geht ebenfalls davon aus, "dass sich der Aufholprozess in den kommenden Monaten fortsetzt". Hierfür spreche eine wieder bessere Stimmung in den Unternehmen und die gesunkene Kurzarbeit. Auch die Experten des Ministeriums erwarten jedoch, dass die Erholung in der Industrie noch einige Zeit in Anspruch nehmen dürfte.

Die Produktionsdaten aus dem Juli seien "schon eine ziemliche Enttäuschung", kommentierte Ökonom Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg. "Die Erholung der Industrie kommt ins Stocken", sagte Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. Immerhin seien die Daten aus der deutschen Autoindustrie "erfreulich" ausgefallen.

Der Ökonom rechnet weiter mit einem "kräftigen Wachstum" der Gesamtwirtschaft im dritten Quartal. Zwar seien die Verbraucher und Konsumenten nach wie vor verunsichert, was den Konsum und die Investitionen belaste. Dagegen sorge die starke konjunkturelle Erholung beim wichtigen Handelspartner China für einen Hoffnungsschimmer. "Die deutschen Unternehmen können zumindest auf Bestellungen aus Asien setzen", sagte Gitzel.

© dpa-infocom, dpa:200907-99-460282/2

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