Berlin

Regierung will Kampf gegen Lebensmittelabfälle vorantreiben

Autor: 
dpa
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
06. November 2019
Lebensmittel liegen in einer Mülltonne.

Lebensmittel liegen in einer Mülltonne. ©dpa - Arno Burgi/zb/dpa

Müssen Äpfel mit kleinen Dellen wirklich in den Müll? Und restliche Brote und Kuchen bei Ladenschluss - können die nicht noch verwendet werden?

Beim Kampf gegen vermeidbare Lebensmittelabfälle will die Bundesregierung weiter vorankommen. Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) strebt mit weiteren Branchen konkrete Maßnahmen an und appellierte in Berlin auch an die Verbraucher. Um die Abgabe noch genießbarer Produkte aus Supermärkten an wohltätige Tafeln zu erleichtern, fördert das Ressort eine neue digitale Kommunikationsplattform mit 1,5 Millionen Euro.

«Wir alle sind in einem Boot», sagte Klöckner bei einer Konferenz mit Vertretern mehrerer Branchen und Verbände. Es gebe auch keine Zeit zu verlieren. Ziel der Regierung ist, Lebensmittelabfälle bis 2030 zu halbieren. Eine vom Kabinett beschlossene Strategie sieht dafür mehr Informationen, Forschungsförderung und eine Reihe von Maßnahmen auf freiwilliger Basis vor, damit weniger Produkte im Müll landen. Dafür sollen Zielmarken entlang der Lebensmittelkette festgelegt werden. Nach ersten Beratungen für die Außer-Haus-Verpflegung der Gastronomie startet nun auch ein Forum zu Verbesserungsmöglichkeiten im Handel.

12 Millionen Tonnen im Müll

DIE AUSGANGSLAGE: In Deutschland landen jedes Jahr knapp zwölf Millionen Tonnen im Müll. Auf Privathaushalte entfällt laut den Berechnungen des bundeseigenen Thünen-Instituts gut die Hälfte (52 Prozent) - pro Kopf wandern dort rechnerisch im Jahr etwa 75 Kilogramm Nahrungsmittel in den Abfall. In der Verarbeitung entstehen 18 Prozent der Lebensmittelabfälle, in der Außer-Haus-Verpflegung 14 Prozent, in der Landwirtschaft 12 Prozent und im Groß- und Einzelhandel 4 Prozent. Von der Gesamtmenge wären laut Studie 6,7 Millionen Tonnen theoretisch vermeidbar.

- Anzeige -

DIE MAßNAHMEN:  Um Verluste zu vermeiden, sollen Prozesse in der Wirtschaft verbessert werden. Also etwa passendere Bestellmengen, kleinere und häufigere Warenlieferungen, ein Verteilen von Produkten zwischen Filialen, besondere Preisaktionen. In Restaurants gibt es Beispiele, wie von Buffets weniger im Müll landet. Mehr und mehr soll es normal werden, dass man übrig gebliebene Speisen einpacken und mit nach Hause nehmen kann. Die Abstimmung zwischen Supermärkten und Tafeln soll eine Smartphone-App erleichtern, die nun entwickelt wird. Damit könnten Lebensmittel leichter zwischen Tafeln vor Ort verteilt werden, erklärte Evelin Schulz, Geschäftsführerin des Dachverbands.

DIE VERBRAUCHER: Da auf Privathaushalte der Großteil der Abfälle entfällt, sollen sie stark in den Fokus. Für Verbraucher werde es aber keine «Nahrungsmittelpolizei» geben, die sich den Kühlschrank anschaue, sagte Klöckner. Es gehe um wachsendes Bewusstsein und Aufklärung. Denn mit jedem weggeworfenen Produkt würden Wasser, Energie, Rohstoffe, aber auch Arbeit und Herzblut vergeudet. Dabei seien auch Lockangebote problematisch. Wenn Nahrung so günstig sei, tue das Wegwerfen weniger weh, sagte Klöckner. Generell will sie auch Rechtsänderungen prüfen, hält aber nichts von einer Abgabepflicht für Geschäfte wie in Frankreich - ohne gehe es hierzulande schon besser.

Unterstützt Pläne

REAKTIONEN: Die Lebensmittelwirtschaft unterstützt die Pläne der Politik. Es sei aber auch bei Vorschriften darauf zu achten, welche Folgen sie für zusätzliche Abfälle haben könnten. Und Zielkonflikte müssten offen diskutiert werden. «Auf der einen Seite wollen wir zum Schutz der Umwelt Verpackungsmaterial sparen», sagte der Präsident des Lebensmittelverbands Deutschland, Philipp Hengstenberg. «Das Problem ist aber, dass manch unverpackte Lebensmittel nicht so lange haltbar sind wie verpackte.» Grünen-Expertin Renate Künast kritisierte: «Warme Worte und freiwillige Maßnahmen reichen nicht, um die Lebensmittelverschwendung bis 2030 zu halbieren.» Nötig seien endlich verbindliche Maßnahmen, die alle Teile der Kette in die Pflicht nehmen. Dazu gehöre ein Anti-Wegwerf-Gesetz für den Handel.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Wirtschaft

Qatar Airways strebt eine Beteiligung an der Lufthansa an.
01.12.2019
Doha/Frankfurt
Der Chef der staatlichen katarischen Fluggesellschaft Qatar Airways, Akbar Al-Baker, strebt eine Beteiligung an der Lufthansa an.
Im Durchschnitt kommen derzeit in Deutschland 567 Wagen auf 1000 Einwohner.
01.12.2019
Essen/Frankfurt
Ungeachtet aller Diskussionen um eine Verkehrswende halten die Deutschen bislang am eigenen Auto fest. Darauf weist das CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen in einer Studie hin.
Peter Altmaier (CDU), Bundesminister für Wirtschaft und Energie, stellt die «Industriestrategie 2030, Leitlinien für eine deutsche und europäische Industriepolitik» vor.
29.11.2019
Berlin
Wirtschaftsminister Peter Altmaier will die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie mit Millionen von Jobs verbessern und einen Ausverkauf deutscher Firmen ins Ausland verhindern.
Daimler-Vorstand Ola Källenius hatte den Sparkurs bereits angekündigt, nun bestätigt der Autobauer die Streichung von weltweit Tausenden Stellen.
29.11.2019
Stuttgart
Vorstandschef Ola Källenius hatte es schon angekündigt: Daimler muss einen Milliardenbetrag beim Personal einsparen. Nun ist auch klar, wie das gelingen soll.
Trotz der lahmenden Weltkonjunktur haben Deutschlands Börsenschwergewichte im dritten Quartal zugelegt.
29.11.2019
Frankfurt/Main
Deutschlands Börsenschwergewichte haben trotz konjunkturellen Gegenwinds im dritten Quartal etwas zugelegt.
Airbus-Chef Guillaume Faury.
29.11.2019
Hamburg
Der Airbus-Konzern will das erste emissionsarme Passagierflugzeug bauen und bis 2035 in die Luft bringen. Noch stecke die Entwicklung der notwendigen Technologien allerdings in den Kinderschuhen, sagte Airbus-Chef Guillaume Faury in Hamburg.
An einem Arbeitsplatz für Motorklemmen ist ein Mitarbeiter im Rollstuhl mit Montagearbeiten beschäftigt.
29.11.2019
Bonn
Auch Schwerbehinderte profitieren von der seit Jahren sinkenden Arbeitslosigkeit in Deutschland.
Im Januar stellte die Muttergesellschaft Gerry Weber International AG einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung.
29.11.2019
Hamburg
Namhafte und große Unternehmen sind in diesem Jahr verstärkt von Insolvenzen betroffen. Die Kreditversicherung Euler Hermes zählte in den ersten neun Monaten dieses Jahres 27 Insolvenzen von Firmen mit mehr als 50 Millionen Euro Umsatz, gegenüber 19 Fällen im Vorjahreszeitraum.
Neuer Streik, alter Streit: Amazon-Beschäftigte lassen bei ihren Bemühungen um einen Tarifvertrag nicht locker (Archiv).
29.11.2019
Berlin
Mit bundesweit mehrtägigen Streiks beim Online-Händler Amazon will die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi erneut Druck machen im jahrelangen Kampf für einen Tarifvertrag.
Flughafen-Chef will den neuen Eröffnungstermin für den BER verkünden.
29.11.2019
Berlin
Die Betreiber des neuen Hauptstadtflughafens wollen am Freitag (17.00 Uhr) in Berlin den genauen Eröffnungstermin des BER verkünden. Dies soll auf einer Sitzung des Aufsichtsrats geschehen.
Verbraucher mussten im November dieses Jahres mehr Geld ausgeben für Nahrungsmittel, die unter dem Strich 1,8 Prozent mehr kosteten als im November 2018.
28.11.2019
Wiesbaden
Deutlich gesunkene Energiepreise haben die Inflation in Deutschland auf dem niedrigsten Niveau seit Anfang 2018 gehalten.
Bundesentwicklungsminister Gerd Müller im Bundestag.
28.11.2019
St. Petersburg
Bundesentwicklungsminister Gerd Müller will die Zusammenarbeit bei der Abfallwirtschaft in Russland zwischen beiden Ländern deutlich ausbauen.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • vor 15 Stunden
    KF Kinzigtaler Fenster GmbH - Der Experte in Gengenbach
    Winter – die Tage werden wieder kürzer und dunkler, die beste Saison für Einbrecher. Gut, wer da sichere Türen und Fenster hat. Die KF Kinzigtaler Fenster GmbH in Gengenbach hat sich genau darauf spezialisiert und ist in der Region Experte für die Sicherheit zu Hause.
  • 10.12.2019
    Triberger Weihnachtszauber 2019
    Wenn die Weihnachtsmärkte schon abgebaut sind, lädt der „Triberger Weihnachtszauber“ vom 25. bis 30. Dezember zu einem romantischen Weihnachtsspektakel ein. Mehr als eine Million Lichter verwandeln den Schwarzwald an Deutschlands höchsten Wasserfällen in ein funkelndes Wintermärchen!
  • 09.12.2019
    Gravuren, Reparaturen, Anfertigungen
    Bei Juwelier Spinner dreht sich alles um Schmuck und Uhren. Aber nicht nur edle Accessoires lassen sich hier finden – es gibt auch einen ausgezeichneten Service mit vielen weiteren Dienstleistungen.
  • 06.12.2019
    Durbach
    Vorspeise, Hauptspeise, Dessert – das kann jeder. Das Hotel Ritter in Durbach geht dagegen andere Wege. Mit [maki:‘dan] haben die Hoteleigentümer Ilka und Dominic Müller nichts anderes als die Revolution im Ritter eingeleitet. Was dahintersteckt.