Landwirtschaft

UN-Bericht fordert Reform der Agrar-Hilfen

Autor: 
dpa
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
14. September 2021
Getreideernte in Großbritannien. Foto: Gareth Fuller/Press Association/dpa

Getreideernte in Großbritannien. Foto: Gareth Fuller/Press Association/dpa ©Foto: dpa

Die globale Landwirtschaft wird jährlich mit umgerechnet fast einer halben Billion Euro finanziell gefördert. Der Großteil der Gelder aber werde falsch eingesetzt, sagen die Vereinten Nationen.

New York/Rom - 811 Millionen Menschen waren 2020 unterernährt - gleichzeitig werden fast 400 Milliarden Euro an Hilfen für die Landwirtschaft jedes Jahr falsch ausgegeben. Mit dieser alarmierenden Analyse fordern die Vereinten Nationen alle Staaten auf, ihre Agrar-Subventionen grundlegend zu überdenken.

Von einem "Weckruf für die Regierungen der Welt" sprach Qu Dongyu, der Generaldirektor der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN (FAO).

Laut der am Dienstag vorgestellten Studie sind 87 Prozent der weltweiten Agrar-Hilfen wettbewerbsverzerrend und schaden der Umwelt oder kleinen Unternehmen. 470 Milliarden US-Dollar (knapp 400 Mrd Euro) der insgesamt jährlich fließenden 540 Milliarden Dollar (457 Mrd Euro) müssten anders eingesetzt werden, um nachhaltig und fair zu sein, rechnet der UN-Bericht vor. In Auftrag gegeben wurde er von der FAO, dem Entwicklungsprogramm (UNDP) und dem Umweltprogramm (UNEP) der Vereinten Nationen.

Umverteilung der Gelder

Das Ziel der Forscher ist eine radikale Umverteilung der Gelder in der Landwirtschaft. Die aktuellen Maßnahmen seien nicht nur verbesserungswürdig, "sie halten uns sogar auf", sagte Achim Steiner, der Leiter von UNDP. "Dieser Report muss uns die Augen öffnen."

Laut der Studie werden die derzeitigen Hilfen zumeist über Zölle oder Fördergelder verteilt, die an die Herstellung und den Anbau gewisser Güter geknüpft seien. Dies sei ineffizient, verfälsche die Preise, schade der Gesundheit, zerstöre die Umwelt und führe zu Chancenungleichheit, hieß es. Große Agrar-Konzerne würden bevorzugt gegenüber Kleinbetrieben, in denen vielfach Frauen arbeiteten.

- Anzeige -

Die Hilfe sei "extrem unausgewogen", heißt es in dem Bericht. Und sollte sie nicht grundlegend reformiert werden, wird sie in den nächsten Jahren auch extrem teuer: Unter den aktuellen Gegebenheiten werde die Landwirtschaft im Jahr 2013 fast 1,8 Billionen US-Dollar an Finanzhilfen verschlingen, rechneten die Wissenschaftler vor.

Mitverursacher und Opfer des Klimwawandels

Dabei gehe es nicht nur um die Ernährung. Die Landwirtschaft sei einer der Hauptverursacher für den Klimawandel durch den Ausstoß von Treibhausgasen, etwa durch Dung auf den Feldern, den Reis-Anbau oder das Verbrennen von Getreideabfall. Zugleich aber litten gerade Bauern oder Agrar-Produzenten mit am meisten unter den Folgen der Krise - etwa durch extreme Hitze, Dürren oder Überschwemmungen.

Die Klimaziele des Pariser Abkommens seien mit der derzeitigen Art der Subventionierung nicht zu erreichen. Wohlhabende Länder sollten ihre Unterstützung für die Fleisch- und Milchindustrie reformieren, ärmere Staaten sollten ihre finanziellen Hilfen für giftige Pestizide und Dünger sowie für den Anbau von Monokulturen ändern.

Die UNEP-Chefin Inger Andersen ermahnte die Staaten, die Chance zu nutzen, "die Landwirtschaft zu einem Haupttreiber für das menschliche Wohlergehen und einer Lösung für die Bedrohungen durch den Klimawandel, den Naturverlust und die Umweltverschmutzung zu machen".

Einige Länder hätten schon damit begonnen, ihre Hilfen für die Landwirtschaft zu reformieren. "Aber es braucht umfangreichere, mutigere und schnellere Maßnahmen, und das weltweit", heißt es in dem Bericht. Die Hoffnung ist nun, angefangen bei einem "Food Systems Summit" im Rahmen der UN-Generalversammlung am 23. September die Regierungen der Welt zu überzeugen, sich des Problems anzunehmen.

© dpa-infocom, dpa:210914-99-216954/3

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Wer aus seinem Garten ein Wohnzimmer für draußen machen will, findet in der "Holz im Garten"-Ausstellung der B+M HolzWelt GmbH in Appenweier viele Spielarten für die "Einrichtung". 
    25.09.2021
    B+M HolzWelt Appenweier: Beste Produkte, beste Beratung
    Holz ist ein lebendiger Werkstoff, klimaneutral und vielseitig dazu. Wie facettenreich die Verwendung ist, demonstriert die B+M HolzWelt GmbH in Appenweier eindrucksvoll auf mehr als 15000 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Dazu gibt's Beratung aus einem Guss.
  • Die Überseecontainer des REDDY Cube ziehen am Check-In-Kreisel am Acherner Stadteingang die Blicke auf sich. 
    22.09.2021
    Innovatives Shopkonzept sorgt für Wow-Effekt beim Küchenkauf
    Ein einzigartiger Auftritt, ein einzigartiges Konzept und eine einzigartige Beratung: All das vereint der REDDY Cube in Achern. Dieses starke Paket sorgt für einen absoluten Wow-Effekt beim Küchenkauf.
  • Das Autohaus Roth KG beschäftigt über 70 Mitarbeiter an drei Standorten in der Ortenau. Nun soll das Team weiter wachsen.
    17.09.2021
    Verstärkung gesucht: Autohaus Roth stellt ein
    Das Autohaus ROTH steht für persönliche Betreuung sowie kundenorientierten Service - und das seit 45 Jahren! Für die Standorte in Offenburg und Oppenau wird Verstärkung gesucht. Das Unternehmen freut sich auf interessante Bewerbungen.
  • Junge Schulabgänger haben in der Ortenau gut lachen: Ihnen stehen eine Vielzahl an Wegen für die passende berufliche Zukunft offen.
    10.09.2021
    Bereits heute an die berufliche Zukunft denken
    Duale Ausbildung, duales Studium oder Studium? Für Schulabgänger ist es nicht einfach, sich für den passenden beruflichen Werdegang zu entscheiden. Denn gerade in der Ortenau gibt es erfolgreiche Unternehmen aller Branchen, die unzählige Karrieremöglichkeiten bieten.