Berlin

Viele wittern das große Geschäft mit E-Tretrollern

Autor: 
dpa
Lesezeit 4 Minuten
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24. Mai 2019
In deutschen Städten stehen Verleiher schon in den Startlöchern.

In deutschen Städten stehen Verleiher schon in den Startlöchern. ©dpa - Christoph Soeder

Die Hoffnung von Herstellern, Verleihern und Händlern hängt bei Marcel Hutfilz an einer Wand. Zusammengeklappt, mit zwei Rädern. E-Scooter - also Tretroller mit Elektro-Antrieb - hat der Ladenbesitzer in Berlin schon vor Jahren mit steigender Nachfrage verkauft.

Und das, obwohl es hierzulande noch gar keine Zulassung für die kleinen Flitzer auf Straßen und Radwegen gab. Die Bundesregierung hat nun den Weg dafür frei gemacht - am 15. Juni soll die entsprechende Verordnung in Kraft treten. Die Branche wittert das große Geschäft. Wird Deutschland E-Tretroller-Land?

Hutfilz geht von «massiven Wachstumsraten» im Handel aus. Es gebe noch nicht viele Mitbewerber, sagt der Händler von Elektromobilitätsfahrzeugen. «Wir kratzen noch an der Oberfläche. Das Potenzial der E-Mobilität wird sich in den nächsten zwei bis drei Jahren erst richtig entwickeln.» In seinem Geschäft «Scooterhelden Berlin» stehen auch E-Roller.

Doch die kleineren Tretroller werden - da ist sich Hutfilz sicher - diese im Verkauf übertreffen. Warum es Kunden zum E-Tretroller zieht? «Weil alle Leute sich zurück in ihre Kindheit versetzen.» Als man früher mit dem Tretroller unterwegs war.

Anders als hierzulande sind in Wien, Kopenhagen und Paris oder amerikanischen Städten E-Tretroller längst unterwegs. Es gibt Verleih-Konzepte wie das Free-Floating-Prinzip. Das bedeutet, dass die Elektro-Tretroller ähnlich wie bei Car-Sharing- oder E-Bike-Konzepten gemietet und überall wieder abgestellt werden können. Eine Reihe von Start-up-Firmen - darunter Lime, Bird, Voi und Tier - konkurrieren.

Die Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group schätzt das globale Marktpotenzial für E-Scooter im Jahr 2025 auf 40 bis 50 Milliarden US-Dollar (36 bis 45 Mrd Euro). Davon entfallen 12 bis 15 Milliarden Dollar auf Europa, heißt es in einem Bericht des Unternehmens.

In deutschen Städten stehen Verleiher schon in den Startlöchern. Beispiel Berlin: «Bisher haben acht Anbieter die Absicht erklärt, ihre Flotten anzubieten», heißt es von der Senatsverwaltung für Verkehr. «Das spricht für ein hohes Interesse.» Die Verwaltung geht von mehreren Tausend E-Tretrollern aus, die nach Inkrafttreten der Verordnung und der Erteilung einer Allgemeinen Betriebserlaubnis durch das Kraftfahrtbundesamt in der Hauptstadt angeboten werden.

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Das im Sommer 2018 gegründete Berliner Start-up Tier etwa will ab Juni in mehreren deutschen Städten E-Tretroller-Sharing anbieten. Welche das sind, verriet die Fimra nicht. Sie ist nach eigenen Angaben in zehn Ländern bereits aktiv. Das Prinzip sei überall dasselbe: Ein Euro wird fällig, wenn man den E-Tretroller nutzen will und dann kommen für jede weitere Minute 15 Cent obendrauf.

Der Mobilitätsexperte bei der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman, Andreas Nienhaus, geht von einem Umsatzvolumen von 3 Milliarden Euro im Jahr 2020 aus. Vorausgesetzt, die Verordnung ist in Kraft. «Generell ist das ein sehr großes und attraktives Marktpotenzial und es wird in den nächsten Jahren signifikant wachsen», sagt Nienhaus. Der Großteil der Umsätze werde durch Sharing kommen.

Der Geschäftsführer des Bundesverbands eMobilität, Kurt Sigl, betont: Das Hauptgeschäft werde sich in den Ballungsräumen abspielen. Ein E-Tretroller könne etwa bei Städtebesichtigungen oder beim Weg vom Auto-Parkplatz zum Job genutzt werden.
Neben den Verleih-Konzepten wird auch der E-Tretroller im Privatbesitz im Markt eine Rolle spielen. Der Bundesverband Elektrokleinstfahrzeuge schätzt, dass es zu Jahresbeginn in Deutschland 20.000 bis 25.000 Elektro-Tretroller gab.

«Wir beobachten aber in den letzten Monaten eine stark wachsende Nachfrage und auch einige Sonderaktionen im Handel, daher ist es gut möglich, dass sich die Zahl der E-Tretroller inzwischen verdoppelt hat oder vielleicht noch höher liegt», heißt es.

Derzeit gibt es in Deutschland eine zweistellige Anzahl von Herstellern - vom Start-up bis zum Konzern, wie es vom Verband weiter heißt. Der Automobilkonzern BMW zählt etwa dazu.

Joachim Bühler, Geschäftsführer beim TÜV-Verband, ist zuversichtlich für die Branche: «Wir erwarten, dass sich E-Scooter deutlich schneller verbreiten als beispielsweise E-Bikes. Elektro-Tretroller haben das Potenzial, sich zu einem der beliebtesten Verkehrsmittel in Städten zu entwickeln.» Der Markt werde vielfältiger werden. «Es wird einfache, preiswerte Modelle geben, die nur auf privaten Flächen fahren dürfen, und hochwertige E-Scooter mit Bordcomputer, Luftreifen und hochwertiger Beleuchtung für den Verkehr auf Straßen und Fahrradwegen.»

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