New York

VW und Ford beginnen Allianz bei Elektro- und Roboterautos

Autor: 
dpa
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
12. Juli 2019
Jim Hackett (l), Vorstandsvorsitzender von Ford und Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender von VW unterhalten sich auf dem Messestand von VW.

Jim Hackett (l), Vorstandsvorsitzender von Ford und Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender von VW unterhalten sich auf dem Messestand von VW. ©dpa - Boris Roessler

Volkswagen und Ford wollen künftig auch bei Elektrofahrzeugen und Roboterautos die Kräfte bündeln. Das verkündeten VW-Konzernchef Herbert Diess und Ford-Chef Jim Hackett am Freitag in New York.

Im Rahmen der erweiterten Allianz wird VW Milliarden in Fords Tochter Argo AI für selbstfahrende Autos stecken. Die Amerikaner wollen im Gegenzug Hunderttausende Fahrzeuge für den europäischen Markt auf der E-Auto-Plattform MEB von VW fertigen. «Unsere Allianz mit Ford entwickelt sich immer vielversprechender. Wir prüfen auch weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit», sagte Diess bei einer Pressekonferenz an der Wall Street in Manhattan. «Während Ford und Volkswagen weiterhin unabhängige Wettbewerber bleiben, vergrößert die Zusammenarbeit beider mit Argo AI die Leistungsfähigkeit, die Skaleneffekte sowie die geografische Reichweite auf dem Gebiet des autonomen Fahrens», ergänzte Hackett.

Volkswagen werde 2,6 Milliarden Dollar (2,3 Mrd Euro) in Argo AI investieren, teilten die Unternehmen mit. Der Betrag ergibt sich aus einer Milliarde Dollar an Finanzmitteln, zudem bringt VW seine eigene Sparte AID für autonomes Fahren ein, die 200 Mitarbeiter hat und mit 1,6 Milliarden bewertet wird. Der bisherige AID-Sitz in München soll künftig als Europa-Zentrale von Argo AI dienen.

Die Branchenriesen - VW ist der weltgrößte Autobauer, Ford die Nummer Zwei in Amerika - stehen wie die gesamte Industrie vor enormen Herausforderungen durch den technischen Wandel. Bei innovativen Zukunftsthemen wie Roboterautos und E-Antrieben machen die Tech-Riesen aus dem Silicon Valley wie Google-Schwester Waymo und Apple, aber auch Tesla oder Uber mächtig Druck.

Ford und VW werden durch den Deal, bei dem Argo AI insgesamt mit sieben Milliarden Dollar bewertet wird, in Zukunft gemeinsam und zu gleichen Teilen eine deutliche Mehrheit an der Tochter halten. Innerhalb der nächsten drei Jahre wird VW zudem Ford laut Mitteilung weitere Argo-Aktien im Wert von 500 Millionen Dollar abkaufen. Auch die Amerikaner versprechen, weiter kräftig zu investieren.

Aufhorchen lässt indes die vergleichsweise hohe Bewertung, die Argo AI bei der Vereinbarung zwischen VW und Ford erhält. Zuletzt war über einen Firmenwert von lediglich rund vier Milliarden Dollar spekuliert worden, VW greift für die Beteiligung also offenbar tief in die Tasche. Das ist insbesondere bemerkenswert, da die hohen Erwartungen ans autonome Fahren von der Branche zuletzt eher gedämpft wurden. «Man muss heute investieren, um vielleicht 2030 die ersten Umsätze damit zu machen», sagte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.

- Anzeige -

Trotz des hohen Preises, den VW zahlt, bleibt Argo AI im Vergleich zu den führenden Firmen in der Roboterautoentwicklung eine recht kleine Nummer. So warb die General-Motors-Tochter Cruise Automation bei ihrer letzten Finanzierungsrunde zu einer Gesamtbewertung von 19 Milliarden Dollar Geld bei Investoren ein. Googles Schwester Waymo, die als Vorreiter bei der Technik gilt, trauen Analysten sogar eine Bewertung von weit mehr als 100 Milliarden Dollar zu.

Wie bereits seit Monaten vermutet wurde, hat Ford es bei der Kooperation insbesondere auf den VW-Elektroautobaukasten MEB abgesehen. Der kriselnden Europatochter von Ford fehlt ein solches System bisher. Angesichts verschärfter CO2-Abgasregeln in der Europäischen Union von 2021 an könnten daher Strafzahlungen drohen.

Nun steht fest: Ford wird der erste Autokonzern, der Volkswagens MEB-Plattform mit nutzt und will darüber innerhalb von sechs Jahren insgesamt mehr als 600 000 Wagen für den europäischen Markt produzieren. VW selbst werde den Baukasten in den nächsten zehn Jahren für 15 Millionen Autos nutzen. Ford fährt in Sachen E-Autos aber mehrgleisig und ist auch am Tesla-Rivalen Rivian beteiligt. Auch die Entwicklung von Elektroautos und entsprechenden Plattformen ist teuer: VW hat nach eigenen Angaben seit 2016 mehr als 6 Milliarden Euro in den MEB investiert.

VW und Ford hatten bereits im Januar beschlossen, bei leichten Nutzfahrzeugen zu kooperieren und über eine erweiterte Partnerschaft verhandelt. Dass große Autokonzerne gemeinsame Sache machen, ist angesichts hoher Kosten, Regulierungsdrucks, magerer Gewinnspannen und schwieriger Marktumstände keine Seltenheit mehr. Zuletzt hatten sich sogar die Erzrivalen Daimler und BMW bei Roboterautos verbündet, um die Technik für autonomes Fahren kostenschonender voranzutreiben.

Die Standortfrage für ein neues VW-Werk in Osteuropa ist indes weiter offen. Die Planungen seien «konkretisiert, nicht finalisiert» worden, teilte ein Sprecher des VW-Aufsichtsrats am Freitag mit. Zuvor hatte die «Automobilwoche» geschrieben, der Aufsichtsrat habe am Donnerstag beschlossen, das neue Mehrmarkenwerk in der Nähe von Izmir in der Türkei zu bauen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur könnte sich die Entscheidungsfindung aber noch einige Zeit hinziehen.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Wirtschaft

Qatar Airways strebt eine Beteiligung an der Lufthansa an.
01.12.2019
Doha/Frankfurt
Der Chef der staatlichen katarischen Fluggesellschaft Qatar Airways, Akbar Al-Baker, strebt eine Beteiligung an der Lufthansa an.
Im Durchschnitt kommen derzeit in Deutschland 567 Wagen auf 1000 Einwohner.
01.12.2019
Essen/Frankfurt
Ungeachtet aller Diskussionen um eine Verkehrswende halten die Deutschen bislang am eigenen Auto fest. Darauf weist das CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen in einer Studie hin.
Peter Altmaier (CDU), Bundesminister für Wirtschaft und Energie, stellt die «Industriestrategie 2030, Leitlinien für eine deutsche und europäische Industriepolitik» vor.
29.11.2019
Berlin
Wirtschaftsminister Peter Altmaier will die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie mit Millionen von Jobs verbessern und einen Ausverkauf deutscher Firmen ins Ausland verhindern.
Daimler-Vorstand Ola Källenius hatte den Sparkurs bereits angekündigt, nun bestätigt der Autobauer die Streichung von weltweit Tausenden Stellen.
29.11.2019
Stuttgart
Vorstandschef Ola Källenius hatte es schon angekündigt: Daimler muss einen Milliardenbetrag beim Personal einsparen. Nun ist auch klar, wie das gelingen soll.
Trotz der lahmenden Weltkonjunktur haben Deutschlands Börsenschwergewichte im dritten Quartal zugelegt.
29.11.2019
Frankfurt/Main
Deutschlands Börsenschwergewichte haben trotz konjunkturellen Gegenwinds im dritten Quartal etwas zugelegt.
Airbus-Chef Guillaume Faury.
29.11.2019
Hamburg
Der Airbus-Konzern will das erste emissionsarme Passagierflugzeug bauen und bis 2035 in die Luft bringen. Noch stecke die Entwicklung der notwendigen Technologien allerdings in den Kinderschuhen, sagte Airbus-Chef Guillaume Faury in Hamburg.
An einem Arbeitsplatz für Motorklemmen ist ein Mitarbeiter im Rollstuhl mit Montagearbeiten beschäftigt.
29.11.2019
Bonn
Auch Schwerbehinderte profitieren von der seit Jahren sinkenden Arbeitslosigkeit in Deutschland.
Im Januar stellte die Muttergesellschaft Gerry Weber International AG einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung.
29.11.2019
Hamburg
Namhafte und große Unternehmen sind in diesem Jahr verstärkt von Insolvenzen betroffen. Die Kreditversicherung Euler Hermes zählte in den ersten neun Monaten dieses Jahres 27 Insolvenzen von Firmen mit mehr als 50 Millionen Euro Umsatz, gegenüber 19 Fällen im Vorjahreszeitraum.
Neuer Streik, alter Streit: Amazon-Beschäftigte lassen bei ihren Bemühungen um einen Tarifvertrag nicht locker (Archiv).
29.11.2019
Berlin
Mit bundesweit mehrtägigen Streiks beim Online-Händler Amazon will die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi erneut Druck machen im jahrelangen Kampf für einen Tarifvertrag.
Flughafen-Chef will den neuen Eröffnungstermin für den BER verkünden.
29.11.2019
Berlin
Die Betreiber des neuen Hauptstadtflughafens wollen am Freitag (17.00 Uhr) in Berlin den genauen Eröffnungstermin des BER verkünden. Dies soll auf einer Sitzung des Aufsichtsrats geschehen.
Verbraucher mussten im November dieses Jahres mehr Geld ausgeben für Nahrungsmittel, die unter dem Strich 1,8 Prozent mehr kosteten als im November 2018.
28.11.2019
Wiesbaden
Deutlich gesunkene Energiepreise haben die Inflation in Deutschland auf dem niedrigsten Niveau seit Anfang 2018 gehalten.
Bundesentwicklungsminister Gerd Müller im Bundestag.
28.11.2019
St. Petersburg
Bundesentwicklungsminister Gerd Müller will die Zusammenarbeit bei der Abfallwirtschaft in Russland zwischen beiden Ländern deutlich ausbauen.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • 06.12.2019
    Durbach
    Vorspeise, Hauptspeise, Dessert – das kann jeder. Das Hotel Ritter in Durbach geht dagegen andere Wege. Mit [maki:‘dan] haben die Hoteleigentümer Ilka und Dominic Müller nichts anderes als die Revolution im Ritter eingeleitet. Was dahintersteckt.
  • 02.12.2019
    Freistett
    Ob zu Weihnachten, zum Geburtstag oder zu einem besonderen Anlass: Edle Spirituosen sind ein beliebtes Geschenk. Wer aber das besondere Etwas sucht, wird bei „Getränke Hetz“ in Rheinau-Freistett fündig – denn dort ist die Auswahl wahrlich gigantisch!
  • 02.12.2019
    Bergheimer Industrie- & Garagentore GmbH
    „Wir machen Ihr Tor“ ist die Devise des Unternehmens Bergheimer Industrie- & Garagentore GmbH mit dem Hauptsitz in Appenweier und bietet seinen Kunden eine breite Palette verschiedenster Toranlagen. Für jede noch so schwierige Einbausituation fertigt Bergheimer Toranlagen für den privaten und...
  • 29.11.2019
    Bei Leitermann Schlafkultur
    Leitermann Schlafkultur wird 60 Jahre alt und feiert das mit Experten-Vorträgen und tollen Jubiläumsangeboten. Seien Sie dabei!